Archive for the 'Work in Progress' Category

Wissenschaftspreis – Steinlaus

Für meinen Vogelfängerkrimi recherchiere ich gerade über die Steinlaus. Denn was treibt eine Wienerin ins Salzkammergut? Richtig. Forschung. Bekanntlich werden in den dortigen Salzstollen allerhand Wesen über die Jahrtausende konserviert, so auch der Mann im Salz. Meine Wienerin interessiert sich aber nicht für gesalzene Männer, sondern für fossile Steinläuse, die einst in großen Mengen in den Höhlen des Dachsteins gelebt haben sollen.

Und was sehe ich da? Es gibt ein eigenes →Blog über die Steinlaus und die Redaktion des medizinischen Wörterbuchs Pschyrembel lobt sogar einen →Wissenschaftspreis aus. Die beste wissenschaftliche Arbeit über die Steinlaus wird im nächsten Pschyrembl veröffentlicht.

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Authentisch schreiben?

Am Wochenende habe ich wieder in der Vogelfängerszene recherchiert und mich an diverse Stammtische gesetzt. Dabei ist mir aufgefallen, dass an salzkammerguterischen Stammtischen ein eigenwilliges Erzählmuster vorherrscht, ich nenne es einmal genealogiegeleitet. Ich frage also: „Und wie fängt man jetzt also den roten Fichtenkreuzschnabel?“ und mein Gesprächpartner, nennen wir ihn einmal Leitner Hias, fängt an: „Also, den Roten, den konnte am besten der Gamsjäger Poid, den musst Du fragen, weißt eh, das ist der Bua von der Tochter von der Hennawirtin, die hat sich Urstöger geschrieben und die Hennawirtin Anzenauer, wenigstens am Schluss, sie hat nämlich fünf Namen gehabt, geboren ist sie als Viechtwanger und dann ist sie adoptiert worden, weil der alte Viechtwanger, der ist im Krieg gefallen und dann ist sie zu den Moawies gekommen, geschrieben haben sich die Moawies aber Petter, die haben eine große Bauernschaft gehabt mit einer Gastwirtschaft, und des Nandl, das ist weitläufig mit mir verwandt, das ist die dritte Tochter vom Moawies, aber dann mit der zweiten Frau, der Resi, die ist aus der Gosau heraus gekommen, das war keine Dosige, und die Hennawirtin hat dann den Postwirtn geheiratet, Franz (fragt den Kellner) wie hat der noch schnell geheißen, ja genau, der Franz, Franz hat der geheißen und Fettinger hat er sich geschrieben, aber der ist an Tuberkulose gestorben und dann hat sie den Hennawirtn geheiratet, der hat sich auch Petter geschrieben, aber bekannt war er nicht unter Petter, der hat nur Hennawirt geheißen und verwandt war er auch nicht mit dem Petter, der die Viechtwangerin, wie sie halt am Anfang geheißen hat und dann Fettingerin, aber so hat sie auch keiner genannt, weil da war sie schon die Postwirtin und sie hat halt immer in eine Wirtschaft hinein geheiratet, weil das war sie von klein auf gewohnt, die alten Petter haben ja auch eine Wirtschaft gehabt, das war der Seewirt und wie gesagt, die sind von See gekommen und haben nichts zu tun gehabt mit dem Petter, den sie nachher geheiratet hat, den Hennawirt also, die sind ja von der Ramsau gekommen, ursprünglich, aber den Petter hat sie auch wieder unter die Erde gebracht, frag mich nicht wie, da ist viel gemunkelt worden damals und zuletzt hat sie noch den Jodok geheiratet, der vom Mühlbach unten, kennst eh das Haus, das steht hinter der Traun drentn, den Mühlbacher Jodok, aber der hat sich wieder Anzenauer geschrieben, aber da waren sie schon alt und haben keine Kinder mehr gehabt und die Hennawirtin ist sowieso in der Wirtschaft geblieben und das ist ist ihr geblieben, dass man sie Hennawirtin genannt hat, unter Anzenauer hat sie keiner mehr gekannt, und der ihrer Tochter ihr Bua, also den musst Du fragen.

Gut, die Namen und Schauplätze sind jetzt von mir erfunden und eingesetzt, ich habe mir das nicht merken können. Der Ductus der Geschichte ist aber authentisch. Ich frage mich jetzt, ob ich das zur Erhöhung der Authentizität und Fremdenverkehrstauglichkeit in meinen Regiokrimi einbauen soll.

Ein Vogelfänger um 1900

fotografiert im Museum Ebensee. Nicht, dass sie heute viel anders aussehen würden. Eine Laterne tragen sie heute nicht mehr, sonst hat sich nicht viel geändert. Auf den Rücken hat der Mann übgrigens einen Vogelkäfig geschnallt.

Der Spurensicherungsquiz – die Auflösung

Tataa und Tusch! Hier ist die Auflösung des Spurensicherungsquiz:

Die Waffe, mit der auf die →Scheibe geschossen wurde, heißt „Stahel“, das Geschoss ist ein Bolzen.

Der „Stahel“ ist die Waffe, mit der Wilhelm Tell einst auf den Apfel schoß, außerhalb des Salzkammerguts heißt sie auch Armbrust.

Das →“Stahelschießen“ ist Teil des Brauchtums im Salzkammergut. Zu festlichen Anlässen treffen sich die Schützen in ihren Trachten und schießen auf handbemalte Zielscheiben. Trifft einer genau in die Mitte (es wird eine Zielscheibe aus Karton auf die handbemalten Holzscheiben genagelt), wird automatisch ein Böllerschuss ausgelöst, ein bunt bekleideter Mann namens „Zieler“ wälzt sich auf Tannenreisig und stößt laute Jugichzer (Jauchzer) aus. Gleichzeitig fangen ein Seitlpfeifer und ein Trommler an zu spielen.

Ich danke →thewritingfranz, dass er die Zielscheibe, die an der →Rathlucka-Hütte hängt, für mich fotografiert hat und dafür, dass er mir diese Bräuche, in die nur Einheimische wirklich eingeweiht sind, immer wieder erklärt. Als Dankeschön habe ich ihm einen Link auf seinen →Pius-Waldner-Rap versprochen. Da dieser perfekt zum Thema „schießen und erschossen werden“ passt, setze ich ihn an dieser Stelle gern.

Spurensicherungsquiz

Ich schreibe einen Regionalkrimi, der in einem Ort spielt, der ziemlich weit von meinem Wohnort entfernt liegt. Die Region wird bereits in diesem Blog erwähnt, wer liest ist klar im Vorteil. Gestern war ich dort, um zu recherchieren und habe dieses Objekt gefunden:

Wie jeder und jede sicher sofort bemerkt hat, befinden sich vor allem rechts oben zahlreiche Einschusslöcher. Damit wird sicherlich auch dem Letzten klar, warum mein Krimi in dieser Gegend spielen muss: Menschen, die Gesichter als Zielscheiben benutzen, lassen sich perfekt in Krimifiguren verwandeln. Und nun die Frage an alle Spurensicherer und -Innen: Mit welcher Waffe wurde auf die Scheibe geschossen? Wer es weiß, gewinnt Ruhm und Ehre. Die Lösung gibt es am Mittwoch in diesem Blog.

Invasion der Käfer

Ich tippe also Seite um Seite meines Krimis, der hoffentlich kein →Regionalkrimi nach dpr ist, obwohl er in einer sehr volkstümlichen Gegend spielt, die sich dafür gewiss eignen würde. Da quält sich also meine Hauptfigur Katharina Käfer mit den Sitten und Unsitten des Salzkammerguts und da fällt mir ein: Hoppla. Da gibt es doch einen Herrn Daniel Käfer, seines Zeichens Hauptfigur in Komareks Salzkammergut-Romanen, teils schon verfilmt mit allem was dazu gehört. Das ist natürlich unerhört. Katharina Käfer ist mit dem Herrn weder verwandt noch verschwägert. Aber da er sehr berühmt ist, zumindest hierzulande, ist es wohl sinnvoll, beizeiten den Namen zu wechseln. Sonst werde ich noch des Namensklaus bezichtigt oder noch schlimmer des Plagiats. Außerdem entstünde der Eindrück, dass im Salzkammergut ein jeder Käfer heißt und das stimmt nicht, gibt es hier doch Leute namens Leitner Sepp, Lichtenegger Poit und Kienesberger Resi (die Beispiele sind erfunden, namensgleiche Personen können aber nicht ausgeschlossen werden).

Dann werde ich mich wohl auf Namenssuche machen müssen. Gott sein Dank gibt es in der Textverarbeitung die „Ersetzen“-Funktion. Einfach ist es trotzdem nicht, weil sie mit dem Namen ja auch der Charakter der Person ändert. Einfach das Tier auszutauschen, das spielt sich nicht. Katharina Stier ist eine ganz andere Person als Katharina Frosch oder Katharina Leo-Pard. Außerdem wollte ich so eine schrullige Alliteration haben. Da bliebe Katharina Krokodil, Katharina Kakadu, Katharina Känguruh, Katharina Kormoran. Passt irgendwie alles nicht.


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Robert Pucher: Katerfrühstück, Prolibris 2006

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