Archive for the 'Regionales&Lokales' Category

Waffenkunde mit krimi.krimi

KrimiautorInnen müssen bekanntlich viel von Tatwaffen verstehen. Ich habe mich am Wochenende dem eingehenden Studium der Schusswaffe „→Stahel“ gewidmet und alles ganz genau für meine LeserInnen dokumentiert.

Spannen …

… zielen …

… uuuund …

… treffen!

Das Salzkammergut als Schauplatz eines internationalen Meetings

Bayern

Bayern

Österreicher

Oesterreicher

Authentisch schreiben?

Am Wochenende habe ich wieder in der Vogelfängerszene recherchiert und mich an diverse Stammtische gesetzt. Dabei ist mir aufgefallen, dass an salzkammerguterischen Stammtischen ein eigenwilliges Erzählmuster vorherrscht, ich nenne es einmal genealogiegeleitet. Ich frage also: „Und wie fängt man jetzt also den roten Fichtenkreuzschnabel?“ und mein Gesprächpartner, nennen wir ihn einmal Leitner Hias, fängt an: „Also, den Roten, den konnte am besten der Gamsjäger Poid, den musst Du fragen, weißt eh, das ist der Bua von der Tochter von der Hennawirtin, die hat sich Urstöger geschrieben und die Hennawirtin Anzenauer, wenigstens am Schluss, sie hat nämlich fünf Namen gehabt, geboren ist sie als Viechtwanger und dann ist sie adoptiert worden, weil der alte Viechtwanger, der ist im Krieg gefallen und dann ist sie zu den Moawies gekommen, geschrieben haben sich die Moawies aber Petter, die haben eine große Bauernschaft gehabt mit einer Gastwirtschaft, und des Nandl, das ist weitläufig mit mir verwandt, das ist die dritte Tochter vom Moawies, aber dann mit der zweiten Frau, der Resi, die ist aus der Gosau heraus gekommen, das war keine Dosige, und die Hennawirtin hat dann den Postwirtn geheiratet, Franz (fragt den Kellner) wie hat der noch schnell geheißen, ja genau, der Franz, Franz hat der geheißen und Fettinger hat er sich geschrieben, aber der ist an Tuberkulose gestorben und dann hat sie den Hennawirtn geheiratet, der hat sich auch Petter geschrieben, aber bekannt war er nicht unter Petter, der hat nur Hennawirt geheißen und verwandt war er auch nicht mit dem Petter, der die Viechtwangerin, wie sie halt am Anfang geheißen hat und dann Fettingerin, aber so hat sie auch keiner genannt, weil da war sie schon die Postwirtin und sie hat halt immer in eine Wirtschaft hinein geheiratet, weil das war sie von klein auf gewohnt, die alten Petter haben ja auch eine Wirtschaft gehabt, das war der Seewirt und wie gesagt, die sind von See gekommen und haben nichts zu tun gehabt mit dem Petter, den sie nachher geheiratet hat, den Hennawirt also, die sind ja von der Ramsau gekommen, ursprünglich, aber den Petter hat sie auch wieder unter die Erde gebracht, frag mich nicht wie, da ist viel gemunkelt worden damals und zuletzt hat sie noch den Jodok geheiratet, der vom Mühlbach unten, kennst eh das Haus, das steht hinter der Traun drentn, den Mühlbacher Jodok, aber der hat sich wieder Anzenauer geschrieben, aber da waren sie schon alt und haben keine Kinder mehr gehabt und die Hennawirtin ist sowieso in der Wirtschaft geblieben und das ist ist ihr geblieben, dass man sie Hennawirtin genannt hat, unter Anzenauer hat sie keiner mehr gekannt, und der ihrer Tochter ihr Bua, also den musst Du fragen.

Gut, die Namen und Schauplätze sind jetzt von mir erfunden und eingesetzt, ich habe mir das nicht merken können. Der Ductus der Geschichte ist aber authentisch. Ich frage mich jetzt, ob ich das zur Erhöhung der Authentizität und Fremdenverkehrstauglichkeit in meinen Regiokrimi einbauen soll.

Kriminelle unter uns

Sie sind unter uns, die Wilderer. Fast 400 Mal hätten sie letztes Jahr in Österreich zugeschlagen und Tirol gehöre zu den Wildererhochburgen. Mehr gewildert werde nur in Niederösterreich und Oberösterreich erfahren wir auf →tirol.orf.at. Dort werden Wilderer als gewöhnliche Kriminelle dargestellt, die bisweilen sogar aus Lust am Töten auf Tiere ballern: Sie hätten es auf Fleisch und Trophäen abgesehen, außerdem passiere es immer wieder, dass jemand aus Spaß nur aus dem Auto heraus schieße, die Tiere seien dann oft nicht gleich tot, sondern verendeten langsam und qualvoll.* Ganz anders klingt natürlich der Mythos des Wilderers als edler Rebell, der aus Widerstand gegen die Obrigkeit in den Wäldern jagt, in denen er lebt, an denen er aber keine Rechte besitzt. Keiner hat wohl so viel für die Ehre der Wilderer getan als Roland Girtler, dem Gründer des →Wilderermuseums in St. Pankraz in Oberösterreich. Auf →NuT gibt es gerade einen Link zu einem →Interview in der WOZ. „Ich bin der Erste, der gezeigt hat, das sind keine Verbrecher“, sagt Girtler dort über die Wilderer und es gebe einen Ehrenkodex: Wer einem Hirsch in die Augen sehen kann, dürfe ihn nicht mehr schießen.

Gemeine Verbrecher und Tierquäler oder stolze Rebellen, die sich nur nehmen, was ihnen zusteht? In Zeiten, in denen jeder und jede den Jagdschein machen kann, wie das Tiroler Landesmuseum bemerkt? Das Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum hat sich dieses Themas angenommen und am ersten August eine →Ausstellung zum Thema Wilderer eröffnet. Ich bin überrascht zu sehen, dass dort auch der Vogelfang vorkommt, ist dieser doch in bestimmten Gegenden behördlich genehmigt. Illegalen Vogelfang kenne ich nur vom Hörensagen, immerhin gibt es auch ein →Höttinger Vogelfängerlied. Hötting, so sei hier angemerkt, ist ein Stadtteil von Innsbruck und gehört ganz sicher nicht zu den Gebieten, in denen das Fangen von Singvögeln →zur Pflege des Brauchtums erlaubt ist. Da bin ich ja gespannt.

* Ich finde die Darstellung des Wilderers auf der ORF-Seite sehr interessant: Es wird nicht zwischen erlaubter und unerlaubter Jagd unterschieden, sondern die Motive der Wilderer werden hervorgehoben: Fleisch und Trophäen und die Lust am Töten. Außerdem töten Wilderer Tiere qualvoll, indem sie daneben schießen. Nun gebe ich zu bedenken: Auch Jäger wollen Fleisch und Trophäen und unerfreulich werden sie die Jagd auch nicht gerade finden. Und wenn ein Jäger sagt, das Tier „schweißt“, dann stirbt es langsam und qualvoll. Auch ein Waidmann trifft nicht immer. Ein Unterschied zwischen Jagd und Wilderei scheint mir darin zu liegen, dass manch ein Jäger das Wild auch hegt und auf den Bestand achtet. Einer, der nach Kenia fliegt, um schnell eine Antilope oder gar einen Elefanten zu erschießen oder ins Hirschgehege nach Goisern, um einen handzahmen Hirschen zu schießen, dann aber auch wieder nicht. Also, das mit den Motiven geht mir nicht ganz ein. Der Unterschied zwischen Jagd und Wilderei scheint mir doch ganz wesentlich im Verbot und in Reglementierungen zu liegen und nicht darin, dass ein Jäger keine Trophäen haben will, dass ihn das Schießen nicht freut oder dass er immer trifft.

Ein Vogelfänger um 1900

fotografiert im Museum Ebensee. Nicht, dass sie heute viel anders aussehen würden. Eine Laterne tragen sie heute nicht mehr, sonst hat sich nicht viel geändert. Auf den Rücken hat der Mann übgrigens einen Vogelkäfig geschnallt.

Zielgruppengerechtes Schreiben, Teil 1

→Herr Wörtche (hier steckt der Originalartikel!) schrieb letzte Woche einen →viel →beachteten →Artikel →über →zielgruppengerechtes →Verlagsmarketing. Krimis, so stellt er fest, werden heute häufig für Zielgruppen geschrieben und als korrekt definierte Zielgruppe nennt er zum Beispiel: „Frauen, die Fortsetzungskrimis mit einer wiederkehrenden Hauptfigur und psychologischen Aspekten lesen.“ Die hohe Zahl von Kriminalromanen, die für Zielgruppen kalkuliert sind, schreibt er unter anderem Leuten wie mir zu: Autorinnen und Autoren aus dem Regionalsektor.

Genau, Herr Wörtche, aber glauben Sie mir, das ist eine Kunst. Denn wir schreiben nicht für eine Zielgruppe, sondern zumeist für mehrere. Da Reinhard gemeint hat, dass ich ausschließlich als Bloggerin auftrete und überhaupt nicht als Autorin, finde ich, dass es an der Zeit ist, einmal meine Schreibwerkstatt zu öffnen und zu zeigen wie das geht mit dem zielgruppengerechten Schreiben. Wie hier schon mehfach erwähnt, schreibe ich einen Regiokrimi über die Regio Salzkammergut. Der Krimi spielt im Vogelfängermilieu, Gegenspieler der Vogelfänger sind die Tierschützer.

Der erste Schritt ist die genaue Definition der Zielgruppen. Meine Zielgruppen sind:

Vogelfänger des hinteren Salzkammerguts, die →kein Viagra mehr nehmen, weil sie die Bäume nicht mehr verlassen, die sie zum Behufe des Vogelfangs erklommen haben, während ihre Gattinnen niemals Bäume erklimmen. Auf diese Zielgruppe muss schon bei der Ausstattung des Buches Rücksicht genommen werden: Wasserfester Schutzumschlag, rucksacktaugliches Format. Von Vorteil ist auch ein Lesebändchen, mit dem das Buch notfalls an Ästen befestigt werden kann, auch Give-Aways wie Trillerpfeifen der Klangnote „Fichenkreuzschnabel“ sind von Vorteil.

Gattinnen der Vogelfänger, die sich derweil der Aufzucht der Kinder und der Pflege ihrer Liebschaften widmen. Die Bedienung dieser Zielgruppe basiert auf dem „Huch-Effekt“. Das sind die Leute, die zart erröten und „Huch“ rufen, wenn auf einer Unterhaltung →Gstanzln zum Besten gegeben werden. Denn es sind anständige Leute, die nicht düpiert werden dürfen durch allzu derbes Vokabular, auf der anderen Seite suchen sie moralische Entlastung durch literarische Vorbilder. Sie sehen, Herr Wörtche, die Bedienung der Zielgruppen setzt ein profundes psychologisches Wissen voraus. Die unbewussten Wünsche der Zielgruppe gilt es zu identifizieren und zu treffen. Die Unbewussten! Keine dieser Damen würde zugeben, dass sie Zweideutigkeiten lesen will. Aber fehlen diese – zack, sind die Verkaufszahlen im Keller. Das muss man wissen.

Die dritte Zielgruppe sind natürlich die Tierschützer, Regiokrimis werden ja bekanntlich deshalb verkauft, weil die Leute sich selber im Buch sehen wollen. Jetzt gibt es das Problem, dass die österreichischen Tierschützer grad in →Untersuchungshaft sitzen. Da muss ich mir noch etwas überlegen und wahrscheinlich das ganze Buch umschreiben. Sind die Tierschützer bis jetzt heldenhaft mit Kameras bewaffnet in die Berge gestiegen, um das Unwesen der Vogelfänger zu dokumentieren, haben sie die Hunde der Vogelfänger heimlich mit veganem Futter gefüttert, bis sich die Vogelfänger über deren grünen Stuhl gewundert haben und horrende Tierearztkosten angefallen sind, taugt das alles jetzt nicht mehr zur Identifikation. Jetzt brauche ich einen Gefängnisplot mit korrupten Richtern und bestechlichen Gefängniswärtern. Und das gibt es natürlich alles nicht im Salzkammergut, ich muss also noch eine zweite Regio einbauen. Eine wirkliche Herausforderung.

Die vierte Zielgruppe sind die Wildererinnen, das sind die salzkammerguterischen Feministinnen. Diese Zielgruppe darf niemals vergessen werden, erlauben sie doch schließlich, dass das Buch auch in feministischen Buchhandlungen außerhalb des Salzkammerguts verkauft werden kann. Feministinnen, die nicht wildern und in Wien leben, werden sich mit dieser speziellen Spielart des Feminismus beschäftigen, ins Salzkammergut reisen und das Buch kaufen. Die Wildererinnen selbst tragen Lederhosen und Gamsbart und werden deshalb im Morgengrauen selten als Frauen identifiziert, denn die übliche weibliche Silhouette einer Person in Dirndlgwand unterscheidet sich sehr von der einer Person in Lederhose. Aus diesem Grund meinen viele Leute, dass es nur Wilderer gibt, das stimmt aber nicht. Ihr Geheimnis teilen die Wildererinnen mit den Vogelfängern, denn diese Personengruppen teilen sich den Wald um vier Uhr in der Früh. Das zentrale Agens dieser Gruppe ist also das Geheimnis und das spiegelt sich auch in ihren Lesevorlieben: Das Geheimnisvolle muss gut herausgearbeitet sein, es darf auch ruhig nebelverhangen und dämmerig sein, Sagengestalten sind kein Fehler. Außerdem sind die Wildererinnen Waffenfanatikerinnen, lange Schilderungen der technischen Möglichkeiten der Tatwaffen sind erwünscht.

Die fünfte Zielgruppe ist der Fremdenverkehrsverband Salzkammergut. Diese Leute kontrollieren alle Regiomedien, man muss sich also schon wegen der einzuplanenden Vermarktung gut mit ihnen stellen. Diese Leute stehen sich drauf, dass in Regiokrimis Leuten namens Hake vorkommen, die beim Moserwirtn nächtigen und zoologische Vergleiche zwischen Hirschen und Elchen anstellen. Oder Bayern. Der Fremdenverkehrsverband will sogar, dass diese Leute in Büchern größere Gamsbärte tragen als die Einheimischen, was natürlich im Widerspruch zu den Bedürfnissen der Zielgruppen eins und vier steht, andererseits wieder die Zielgruppe zwei anspricht. Oder Leute, die Lung Hoi heißen und ins Salzkammergut gereist sind, um die Gesänge der Eingeborenen zu studieren. Dann auch Leute aus dem Ruhrgebiet, die die gute Luft loben und Schriftsteller und andere Kunstschaffende aus Wien, die sogenannten Landwiener, aber das darf man nicht schreiben. Die Landwiener, hier kann ich es ja schreiben, hier sieht es niemand, kaufen beim Loden-Herbst einen Janker, essen bei der Sepplwirtin eine Gamswurst und werden auf einem Felsvorsprung nahe der Haller Alm von der Muse geküsst, worauf der Sonnenuntergang über dem Hallstättersee Eingang in die nächste Burgtheaterproduktion findet.

Wir fassen also zusammen: Dieses zielgruppengerechte Schreiben ist eine Kunst, die großes kuturelles Know How voraussetzt, psychologisches Verständnis, Sensibilität für die Bedürfnisse der Menschen, Hausverstand und Recherche. Wie man das macht, werde ich an Beispielen aus meiner laufenden Arbeit demonstrieren. Fortsetzung folgt!

Krimifestival Mörderischer Attersee

Ach, wie ich diese reißerischen Nonsense-Festival-Titel doch hasse. Als ob der Attersee mörderisch wäre. Schon, dass da jedes Jahr etliche Leute ertrinken, aber dann ist er doch eher gefährlich als mörderisch. Da werden einfach Begriffe aus Krimis heraustransferiert und völlig sinnlos auf geographische Gegebenheiten, wehrlose Abendgalen und andere unbelebte Objekte übertragen. Wo doch völlig klar ist, dass niemand →“Morden im Norden“ besuchen würde und um den mörderischen Attersee würden die Leute einen großen Bogen machen, könnte man den Veranstaltern diesbezüglich auch nur einen Funken Glauben schenken.

In Wirklichkeit dürfte es sich aber einfach um Lesungen handeln und viele der bekannten österreichischen KrimischriftstellerInnen werden sich da einfinden. Wobei die Auswahl der SchriftstellerInnen etwas nach Syndikatstreffen ausschaut. Unter anderem lesen: Sabina Naber, Susanne Schubarsky, Stefan Slupetzky, auch die Psychotherapeutin Edith Kneifl, sie interessiert mich natürlich besonders. Organisiert wird das Fest von Beate Maxian und die vollständige Liste der deutschen, schweizer und österreichischen AutorInnen finden Interessierte →hier. Nebenbei kann man im Rahmen des Festivals mit einem Attersee-Schiff fahren und das EM-Finale auf Großbildleinwand ansehen. Da AutorInnen vermutlich selten randalieren, wäre das auch eine Option für →gefährdete Mitmenschen aus den USA.

Ich bin dann also einmal →dort, bringts mir inzwischen das Blog nicht durcheinander!


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Robert Pucher: Katerfrühstück, Prolibris 2006

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