Robert Pucher – Katerfrühstück

Ich wurde schon per Mail drauf aufmerksam gemacht, dass ich hier ständig Bücher großer Verlage erwähne, während ich eigene Rubriken für Kleinverlage führe, was auf ein gewisses Interesse für kleine Verlage hinweisen könnte. Ich gelobe Besserung, zumindest für heute und stelle Robert Puchers „→Katerfrühstück“ ins Schaufenster. Das Buch ist im Prolibris-Verlag erschienen, der einen Schwerpunkt auf Regiokrimis hat, spielt in Wien und erfüllt die gängigen Kriterien für einen Regiokrimi – schlechter Stil, ausufernde Ortsbeschreibungen, Null-Acht-Fuchzehn-Handlung -, allesamt nicht.

Es ist die Geschichte eines brotlosen Schriftstellers, der eines Tages seine Lektorin ermordet in seiner Badewanne findet. Die Geschichte einer Geschwisterbeziehung zwischen Fürsorge und Missbrauch. Die Geschichte eines gescheiterten Boxers, das ist ein Mensch und kein Hund. Auch die Geschichte eines Rechtsradikalen, damit liegt Pucher im Trend, diese Leute kommen in österreichischen Krimis sehr häufig vor. Und es ist die Geschichte eines Katers, der eine Schlüsselrolle spielt.

Nur die Taubengeschichte am Anfang hätte ich nicht gebraucht, erstens sehe ich keine Bezug zu den anderen Geschichten, zweitens lese ich keine Krimis, die aus der Perspektive von Vögeln erzählt sind, die denken und fühlen wie Menschen. Aber gut –  eine fallende Taube – vielleicht ist das ja eine Allegorie. Ich lerne gerade „Allegorie“ und sehe jetzt überall Allegorien. Jedenfalls ist der Spuk mit den humanoiden Vögeln schon auf der ersten Seite vorbei, der später auftretende Kater benimmt sich dann wie ein Kater.

An anderer Stelle habe ich die Hypothese aufgestellt, dass momentan kein Autor, der etwas auf sich hält, den Fall am Ende auflöst. Pucher macht das auch nicht, er löst den Fall gleich in der Mitte. Man muss aber trotzdem weiter lesen, denn die Polizei ist mit ihren Ermittlungen an dieser Stelle noch lange nicht fertig. Außerdem geht die Bruder-Schwester Geschichte noch weiter und die Rechtsradikalengeschichte und Boxergeschichte und die Katergeschichte. Ich habe also zu Ende gelesen und das, obwohl ich den Krimi eigentlich nach 10 Zeilen in die Ecke schleudern wollte, als die Taube ihren Zenit erreichte. Und das gerne. Also: Ab ins Schaufenster

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6 Responses to “Robert Pucher – Katerfrühstück”


  1. 1 thewritingfranz Dezember 10, 2008 um 16:51

    Wie würde Michael K. wohl „Allegorie mit humanoiden Vögeln“ übersetzen?

  2. 2 krimi0krimi Dezember 10, 2008 um 18:15

    Wer ist Michael K.?

  3. 3 thewritingfranz Dezember 10, 2008 um 19:49

    Das ist der von der Fernuni, der die Fremdwörter seiner Studenten korrigiert.

  4. 4 Frank März 26, 2009 um 9:34

    Robert Pucher – wirklich klasse Schriftsteller! RATTENFALLE ist mein Favorit!

  5. 5 Einsamergoiserer März 30, 2009 um 17:38

    Wo soll ich einen Kommentar hintun? Da ist nix neues!

  6. 6 Anton März 25, 2014 um 15:46

    Der Krimi „Hochsommermord“ von Jochen Frech, Polizist und ehemaliger SEK-Beamter, ist ein sehr gelungener Debütroman. Ein weitere Thriller wird gerade verlegt. Mehr Infos zu diesem deutschsprachigen Autoren mit einschlägiger kriminalistischer Erfahrung findet man unter seiner Seite : http://www.jochenfrech.de/de/.


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