Sebastian Fitzek als Hannibal Lecter

Sebastian Fitzek inszeniert sich neuerdings – um sein neues Buch „der Seelenbrecher“ zu promoten -, als „geistesgestört“ und „gefährlich“.  Dazu wirft er sich medienwirksam in eine Hannibal-Lecter-Kostüm und lässt sich von begleitenden „Ärzten“ in einer Zwangsjacke zur Lesung vorführen.

Wunderbar! Sebastian Fitzek vermittelt genau die Botschaften, gegen die psychisch Kranke, ihre Angehörigen und die Menschen, die in der Psychiatrie tätig sind, seit Jahrzehnten ankämpfen:

1. Psychisch Kranke sind gefährlich

2. Psychisch Kranke neigen zu bizarren Verhaltensweisen wie zum Beispiel, sich außerhalb von Fasching und Halloween als Hannibal Lecter zu kostümieren

3. Psychisch Kranke werden in Zwangsjacken gesteckt

Wie bitte, kommen Menschen mit psychischen Krankheiten dazu, sich mit Autoren im Hannibal-Lecter-Kostüm vergleichen zu lassen? Und bitte, kann mich jemand aufklären, was an einem Hannibal-Lecter-Verschnitt originell sein soll? Hannibal Lecter ist, soweit ich weiß, jetzt nicht ganz neu.

Für diese Inszenierung verleihen wir Sebastian Fitzek und dem Droemer Knaur Verlag, der das →Video promotet, jedenfalls feierlich den goldenen Stigmatisierungsorden mit Band.

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17 Responses to “Sebastian Fitzek als Hannibal Lecter”


  1. 1 tinius November 4, 2008 um 8:50

    Mir stellt sich – wie immer bei Marketinganstrengungen im Buchbereich – die Frage, wie sehr ein Autor, ein Buch so etwas nötig haben muß, sprich : wie schlecht ist der / das eigentlich ? LG tinius

  2. 2 Maren November 4, 2008 um 12:52

    Ohwei, finde ich jetzt auch nicht sonderlich gelungen oder gar taktvoll… Aber ich denke, er hebt nicht generell auf psychisch Kranke ab, sondern eher auf diejenigen, die „wirklich“ potentiell gefährlich sind aufgrund einer Störung?

    Dennoch hast du recht, als Marketigstrategie ist das nicht eben besonders geschickt.

  3. 3 Georg November 4, 2008 um 18:33

    Das sind solche Leute, denen ich eine schalldichte Gummizelle wünsche. Wenn schon, denn schon. Und wir haben unsere Ruhe.

  4. 4 krimi.krimi November 4, 2008 um 18:49

    @ tinius: Das frage ich mich in solchen Fällen auch. Aber Fitzek ist ja nicht schlecht, hätte es aus diesem Grund also nicht nötig.

    @ Maren: Ich finde es schwer zu sagen, worauf er abhebt, die Sache ist ja sehr vielschichtig und doppelbödig. Er inszeniert sich ja so, als sei er wirklich verrückt und gefährlich. Klar, er macht keine Aussage über alle psychisch Kranken, aber in seinem Fall wird das praktisch gleichgesetzt. Er schafft damit ein Bild psychischer Krankheit, das ich stigmatisierend finde.

    Aber schon klar: Es ist eine Inszenierung. Er nimmt ja für sich in Anspruch, „die Grenzen zwischen Realität und Fiktion“ zu verwischen. Wer an der Grenze steht, muss aber damit rechnen, dass man die Sache auch einmal von der Realitätsseite her beleuchtet.

  5. 5 krimi0krimi November 4, 2008 um 18:53

    Wobei es gar nicht so schwer ist, zu erraten, worauf er abhebt: Bücher verkaufen.

  6. 6 krimi,krimi November 4, 2008 um 19:34

    @ Georg: Genau, man sollte die Bedürfnisse dieser Leute einfach Ernst nehmen.

  7. 7 thewritingfranz November 4, 2008 um 20:19

    Na gut. Es gibt bessere Inszenierungen, Bücher zu verkaufen. Aber was solls? Mit Deiner Argumentation müsste man den Film „Das Schweigen der Lämmer“ auch verbieten. Oder sehe ich da etwas falsch. Den Film haben mehr Leute gesehen, als das Buch vom Dings da oben je lesen werden oder je seine Vorlesungen besuchen werden.

    Wie wirst Du Deinen Krimi vorlesen?

  8. 8 krimi,krimi November 4, 2008 um 20:22

    Den Unterschied sehe ich darin, dass er ständig mit der „Realität“ kokettiert. Es ist eben kein Film. Er stellt sich hin und sagt: So bin ich: Geistesgestört und gefährlich

    Bitte ruf mich an.

  9. 9 Maren November 5, 2008 um 15:07

    Hm, ich finde jetzt nicht, dass er mit diesem Video generell sagt, dass psychisch Kranke gefährlich sind oder das gleichsetzt. Es ist einfach ein Beispiel, das er da inszeniert, ein Beispiel für psychisch Kranke, die aufgrund dieser Störung gefährlich sind.

    Wobei ich jetzt auch mal die Frage stellen muss, wann ist ein Mensch eigentilch „psychisch krank“? Ich zB war mal wg Magersucht in therapeutischer Behandlung, war ich da auch psychisch Krank? Wenn ja: Ich glaube nicht, dass Fitzek sowas dann mit einschließt oder dass er zB Depressive als gefährlich darstellen will.
    Ich finde den Spot auch nicht gut, aber ein Stigma kann ich da jetzt auch nicht erkennen.

  10. 10 krimi.krimi November 5, 2008 um 17:56

    Liebe Maren,

    ein Beispiel für psychisch Kranke, die aufgrund dieser Störung gefährlich sind.

    Wenn man psychisch Kranke, die aufgrund ihrer Krankheit gefährlich sein können (das scheint mir ein wichtiger Unterschied zu „sind“, denn die meisten dieser Leute sind ja auch nur zeitweise und situationsbezogen gefährlich und nicht permanent aufgrund ihrer Eigenschaft „psychisch krank“) so inszeniert, finde ich das genauso bedenklich. Auch diese Menschen haben das nicht verdient.

    Was Herr Fitzek ausdrücken will – da müsste man ihn direkt fragen, sonst kann man es nicht wissen. Ich würde einfach annehmen, dass er gar nichts in der Richtung ausdrücken will. Er will sein Buch vermarkten, was ja an sich ein ehrenwertes Anliegen ist, und wird sich darüber nicht den Kopf zerbrochen haben. Oder es ist ganz anders. Vielleicht wollte er auch bewusst provozieren. Oder unterhalten. Keine Ahnung. Aber es ist auch egal.

    Ob etwas stigmatisierend ist oder nicht, kann nicht davon abhängen, ob der Absender der Botschaft es so gemeint hat. Wenn ich sage: „Tiroler sind hanebüchene Holzköpfe, weil sie nicht in der Lage sind, den Buchstaben ‚k‘ auszuspechen“, ist das auch dann stigmatisiernd, wenn ich nicht genug drüber nachgedacht und es gar nicht bös gemeint habe. Es kommt wohl mehr drauf an, wie eine Nachricht verstanden werden kann. Dass man die Fitzek-Sache ganz unterschiedlich sehen kann, ist mir klar. Mein Zugang scheint mir aber nach wie vor nicht ganz verkehrt zu sein.

  11. 11 thewritingfranz November 5, 2008 um 21:07

    Psychisch krank ist man wohl, wenn die Seele behandelt werden muss und nicht der Körper. Wenn das bei Magersucht der Fall ist, dann ist man wohl psychisch krank. Ich hoffe, es geht Ihnen wieder gut.

    Zugegeben, ich bin nicht Fachmann und werde von der Fachfrau wohl eine aufs Haupt bekommen ob meiner Definition. Aber mir scheint sie recht schlüssig zu sein. Ist Psyche nicht Griechisch für Seele? Dann wäre die Ärztin, die sich hier umtut eine Seeliaterin.

  12. 12 krimi0krimi November 5, 2008 um 21:57

    @ Franz: Weiß nicht. Du bist doch der Griechenländer hier.

  13. 13 krimi0krimi November 5, 2008 um 22:11

    Ich habe es übrigens in der Klinik gezeigt. Das gebe ich jetzt gar nicht gerne zu, weil das die viralen Marketinger freuen wird, wenn man solche Sachen in Kliniken herumzeigt. Aber das Buch werden die KollegInnen wohl eher nicht kaufen, weil sie die vorgelesene Passage so graust.

    Die meisten finden es ethisch bedenklich. Aber nicht alle. Manche meinen auch, es sei rabenschwarzer englischer Humor, was man daran erkenne, dass es so bescheuert und überdreht sei, dass man eh keine Verbindung mehr zu Psychiatrie und „Geistesgestörtheiten“ herstellen könne. Hat auch was. Zu verrückt für die Psychiatrie praktisch.

  14. 14 thewritingfranz November 5, 2008 um 22:38

    Wikipedia: Psyche (altgriechisch ψυχή, psychḗ, für ursprünglich Atem, Atem-Hauch – von ψύχω ich atme, hauche, blase, lebe) wurde im Altgriechischen in sehr umfassendem Sinn verstanden und sogar zur Umschreibung der ganzen Person verwendet, ähnlich wie im Deutschen Mein Seelchen, Du, meine Seele u.ä., bis hin zur Bezeichnung des Kostbarsten, des Wertvollsten überhaupt.

    Die Geschichte von Amor und Psyche ist ein antikes Märchen, das uns in dem Roman Der goldene Esel des Apuleius aus dem Jahre 170 n. Chr. überliefert ist. Die Geschichte endet mit: Psyche gebiert Amor eine wunderschöne Tochter, welche den Namen Voluptas (Vergnügen) erhält

  15. 15 Maren November 6, 2008 um 0:39

    Liebe Margit,

    Wenn man psychisch Kranke, die aufgrund ihrer Krankheit gefährlich sein können (das scheint mir ein wichtiger Unterschied zu “sind”, denn die meisten dieser Leute sind ja auch nur zeitweise und situationsbezogen gefährlich und nicht permanent aufgrund ihrer Eigenschaft “psychisch krank”) so inszeniert, finde ich das genauso bedenklich. Auch diese Menschen haben das nicht verdient.

    Danke dafür, da hast du natürlich vollkommen recht. Ich sehe schon, ich dreh mich ein bisschen im Kreis um meine eigeen Argumentation. Jetzt kann ich aber 100%ig nachvollziehen, was du genau meintest und muss dir recht geben, siwas hat niemand verdient.
    Ein Thema, über das ich viel zu wenig weiß, und vermutlich wäre mir daher die „gefährliche“ und missverständliche Aussage dieses Werbespots nichtmal aufgefallen.

    Danke für diesen Eintrag und somit die Sensibilisierung für das Thema und die Anregung zum Nachdenken!

  16. 16 Maren November 6, 2008 um 0:44

    Achso, übrigens @ Franz: Danke der Nachfrage, mir gehts wieder gut. Das Ganze ist jetzt auch schon gute 10 Jahre her, ich habe 10 Kilo zugelegt und esse wie ein Scheunendrescher ;)


  1. 1 Bild Dir eine Meinung: Virales Marketing « Internationale Krimis Trackback zu November 5, 2008 um 10:40

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