Etiquette based Medicine

→Heute im meiner Mailbox. Ohne Worte.

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10 Responses to “Etiquette based Medicine”


  1. 1 Georg August 28, 2008 um 22:52

    Nach Frage 6 wird er wohl vollgeschüttet werden mit lauter vielen Informationen.

    Ich war ja zum Glück nur als Säugling im Krankenhaus (und zu Besuch und auf Arbeit – iss lange her). Ist es so schlimm, dass man diese Regeln braucht?

  2. 2 krimi.krimi August 28, 2008 um 23:19

    Das frage ich mich auch. Ich bin sehr erschüttert.

    Wobei ich Punkt eins nicht immer befolge, beziehungsweise die Frage eher rhetorisch ist. Wenn der Patient/die Patientin nicht offensichtlich indisponiert ist, setze ich das voraus. Und umgekehrt, wenn sie gerade indisponiert ist, weil sie sich akut die Zehennägel lackieren muss, erlebe ich das als ziemlich respektlosen Umgang mit meiner Arbeitszeit. Wenn ich bei jeder Patientin warten müsste, bis die Zehennägel trocken sind und sie Zeit hat, mich zu empfangen, hätte ich ein ernstes Problem. Ich arbeite nämlich im →Konsiliar/Liaisondienst und habe ziemliche Wege zwischen den Abteilungen. Wenn ich mich entschließe, jemand anderen vorzuziehen, ist das nämlich nicht direkt im Zimmer daneben, sondern schlimmstenfalls eine Viertelstunde Fußweg entfernt. Ich plädiere wirklich dafür, sich die Zehennägel in Krankenhäusern außerhalb der Kerndienstzeiten zu lackieren.

    Frage sechs gehört dagegen zu meinem Job. Aber sie ist sicher heikel.

  3. 3 krimi0krimi August 28, 2008 um 23:27

    Der Irrsinn ist, dass das nicht in einer lokalen Postwurfsendung für alle ÄrztInnenhaushalte erscheint, sondern ursprünglich in einer sehr renommierten, internationalen Fachzeitschrift erschienen ist.

  4. 4 krimi0krimi August 28, 2008 um 23:28

    Und ich glaube immer, wie höflich englische und amerikanische Ärztinnen und Ärzte sind. Das erschüttert meine Grundfesten.

  5. 5 medizynicus August 29, 2008 um 11:26

    Der Begriff „Etiquete Based Medicine“ – eine wohl dosierte Anspielung auf „Evidence based Medicine“ ist irgendwann im letzten Jahr um diese Zeit herum geprägt worden, damals ging ein Artikel rum (War es im Ärzteblatt? Ich weiss nicht mehr…).
    Im angloamerikanischen Bereich gehört ja das Lernen und Beherzigen von Umgangsformen mit zur Ausbildung im Studium (Wer im Examen einen Patienten untersucht ohne vorher um Erlaubns zu fragen, fällt durch). Um so erschreckender die Ergebnisse.
    Die Deutschen haben da noch ganz, ganz viel Nachholbedarf.
    Und zwar hier vor allem die Oberärzte und Chefs.

  6. 6 krimi0krimi August 29, 2008 um 13:52

    In unserer neuen Studienordnung gehört es indirekt auch zum Prüfungsstoff. Wir nennen es zwar nicht „Umgangsformen“, sondern „Ärztliche Gesprächsführung eins bis vier“, aber dort sind es dann eben Elemente wie „Grüßen“ und „Schaffen einer günstigen Gesprächssituation“, die gefragt sind und auch geprüft werden. Dass es zum Beispiel keine günstige Gesprächssituation ist, wenn der Patient liegt und einer steht daneben und redet von Einmeterachzig herunter. Das ist die übliche Visitensituation und dass wir das nicht durch Unterricht ändern, wissen wir auch. Aber eine Anamnese muss zum Beispiel wirklich nicht so geführt werden.

    Nur denke ich mir oft: Ich kann mich brausen gehen, wenn die großen Vorbilder auf den Stationen ihnen dann vorleben, dass es anders auch geht. Das sagen die Studierenden auch manchmal: „Der Professor sowieso würde bei Ihnen durchfallen und der ist ein so superner und berühmter Arzt.“ Da kann man kaum dagegen anargumentieren, denn es ist im Prinzip eine Haltung, ob man bestimmte Dinge nötig findet oder nicht. Die Leute sind erwachsen und nicht mehr wirklich zu erziehen. Ich kann ihnen höchstens beibrigen, bei der Prüfung zu grüßen, was sie nachher tun, weiß ich nicht. Wenn ich ganz frustriert bin, sage ich den jungen Leuten dann, sie sollen zuerst einmal so super und berühmt werden wie der Professor sowieso, dann dürfen sie sich mit ihm vergleichen.

    Auf der anderen Seite sind viele der Studierenden so engagiert, dass ich nur hoffe, dass ihnen das im Alltag nicht ausgetrieben wird. Ich denke, es wird sich schon ändern, denn der „Götter-in-Weiß-Gestus“ ist ein Auslaufmodell und wird von PatientInnen auch zunehmend nicht mehr akzeptiert. Aber das dauert.

  7. 7 Georg August 29, 2008 um 18:23

    Was ist denn, liebe Austriakerin, „ich kann mich brausen gehen“?

  8. 8 krimi.krimi August 29, 2008 um 19:22

    Hmmm? Es ist völlig vergeblich? Das trifft es am besten, denke ich.

  9. 9 thewritingfranz August 29, 2008 um 20:58

    a) ich kann mich duschen gehen.

    b) im übertragenen Sinn:

    aa) Ich soll veschwinden
    bb) „Das ist vergeblich, das mit meinen Bemühungen.“ Das war hier wohl gemeint, wenn man davon ausgeht, dass ausbildende Ärzte mit ihren Studenten nicht gemeinsam unter die Dusche dürfen.

  10. 10 thewritingfranz August 29, 2008 um 21:01

    Für Deutsche hier noch einmal eine anleitung zur österreichischen Sprache und dem Ausdruck: „Geh Dich brausen!“
    Das bedeutet nicht, dass man riecht und es dem österreichischen Gegenüber unangenehm aufgefallen ist, sondern, dass man so schnell wie möglichst verschwinden, einen Rückzug antreten soll.


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