ÄrztInnen und ihr Cover

„Judging a book by its cover“* (→pdf) ist der Titel eines Artikels, der 2005 im ehrwürdigen British Medical Journal erschienen ist. Gemeint sind aber nicht Bücher, sondern ÄrztInnen, die hier anhand ihrer Kuvertüre, sprich ihres Aussehens beurteilt werden. Marianne J. Lill und Tim J. Wilkingson haben PatientInnen zu ihren Meinungen über ÄrztInnen-Mode befragt. Das Ergebnis: Die PatientInnen bevorzugen einen semiformellen Stil, der von einem Lächeln begleitet wird, gefolgt von einem semiformellen Stil ohne Lächeln, dann folgt der weiße Mantel. Jeans sind noch akzeptabel, Piercings, kurze Tops und Ohrringe bei Männern sind absolut unbeliebt. Modebeispiele gibt es →hier als pdf. Die PatientInnen wollten in dieser Studie mit ihrem Vornamen angesprochen werden, das dürfte wohl kurlturspezifisch sein und außer für Neuseeland eventuell noch für Schweden, die USA , Tirol und das Salzkammergut zutreffen. Dagegen möchten sie, dass ÄrztInnen sich mit ihrem vollen Titel und Namen vorstellen und ein Namensschild tragen. Das ist in Tirol wiederum überflüssig, da die Leute eh „Du Dokchta“ sagen oder „Du Dokterin“. In Österreich gibt es übrigens einen Rechtsanspruch darauf, mit „Sie“ angesprochen zu werden, das wissen aber viele nicht. →Thewritingfranz berichtete vor einiger Zeit.

In der Detailauswertung stehen lange Ärmel, zurückgesteckte Haare, lange Kleider und geschlossene Schuhe an der Spitze der Beliebtheitsskala, der weiße Mantel kommt erst an achter Stelle. Gefärbte Haare, starkes Make Up, kurze Tops und Gesichtspiercings sind ganz unbeliebt. Auch hier bemerkt man Kulturunterschiede, lange Kleider sehe hierorts ich eigentlich nie, geschlossene Schuhe kann man fast nur bei ChefärztInnen, InternistInnen und NeurologInnen finden. Eventuell noch bei KonsiliarärztInnen in Häusern mit Pavillon-System, da diese Leute ständig im Freien herumlaufen. Das sind dann aber eher Sportschuhe und die sind in dieser Studie wiederum eher unbeliebt. Der Rest trägt birkenstockähnliche Gesundheitsschlapfen oder Croqs, OP-Menschen gerne Holzschlapfen oder Croqs. Croqs wurden allerdings vor kurzem in manchen Spitälern verboten, da sie sich elektrostatisch aufladen sollen, die Firma will jetzt eigene Krankenhaus Croqs entwickeln, berichtete unter anderem der →Kurier.

Zum Thema „lange Ärmel“ gibt es übrigens einen sehr aktuellen Artikel mit dem Titel „Ditch that white Coat“ (→pdf), auf Deutsch in etwa „Werdet den weißen Mantel los“. ÄrztInnen von heute sollten „bare below the elbows“ sein und zwar aus hygienischen Gründen, weil nackte Haut einfach besser zu desinfizieren sei als lange Ärmel. Der übliche weiße Mantel sei „outlawed als a health hazard“, ein Gesundheitsrisiko also. Also: Nicht alles, was den Leuten gefällt, ist auch gesund, das ist im Krankenhaus nicht anders als außerhalb.

__________

* Der vollständige Titel heißt: Judging a book by its cover: descriptive survey of patients‘ preferences for doctors‘ appearences and mode of address

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5 Responses to “ÄrztInnen und ihr Cover”


  1. 1 thewritingfranz August 21, 2008 um 20:43

    Es fällt auf, dass hier fast ausschließlich das Aussehen von Ärztinnen behandelt wird. Ärzte haben wohl nur selten kuze Tops und zu viel Make Up. Aber an Ärzten bin ich ohnhin nicht sehr interessiert. Über das Erscheinungsbild von Ärztinnen habe ich – wie die meisten Männer – meine eigenen Vorstellungen.
    Was ein semiformeller Stil mit Lächeln ist, kann ich nicht nachvollziehen. Das klingt wie halbgarer Braten mit Erdäpfel.
    Lächeln aber erwarte ich mir schon von jedem ArztIn, derIn mich behandelt. Es wird ohnehin zu wenig gelächelt in der Welt und auf mich wirkt es beruhigend und beinahe schon heilend. EinIn ArztIn ohne Lächeln, gar toternst, mag ich gar nicht. Natürlich kommt es darauf an, welche Botschaft erIn mir mitteilen will. Franz, du wirst in drei Tagen sterben, das soll man mir lieber nicht lächelnd beibringen. Aber mich bei einer Grippe grantig ansehen, das mag ich nicht und da wechsle ich gerne denIn ArztIn. Schliesslich leben die von mir.
    Also nochmals, Ärztinnen zieht Euch flott an, wagt eine steile Frisur und lächelt, wenn Ihr mich behandelt, dann werde ich schnell gesund. Bei der Untersuchung meines Unterleibes aber seht mir bitte nicht ins Gesicht.

  2. 2 thewritingfranz August 21, 2008 um 20:46

    Möchte wissen, wie die Ärztin sich anzieht, die sich hier umtut. Stöckelschuhe und Jeans mit engem Top?

  3. 3 krimi0krimi August 21, 2008 um 20:46

    Ich trage übrigens Jeans ohne Lächeln, bin also völlig unbeliebt.

  4. 4 krimi0krimi August 21, 2008 um 20:47

    … und ohne Stöckelschuhe.

  5. 5 thewritingfranz August 21, 2008 um 20:51

    Ab nun wirst Du immer lächeln, wenn einIn PatientIn vor Dir sitzt, weil du dabei immer an diese Geschichte denken musst:
    Kommt ein Skelett zum Arzt. Da sagt der Arzt: Sie sind aber spät dran.
    Oder wie der Arzt zumIn PatientIn sagt: Sie gefallen mir heute aber gar nicht und derIn PatientIn antwortet: Sie sind aber auch keine Schönheit, Herr Doktor.


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