Authentisch schreiben?

Am Wochenende habe ich wieder in der Vogelfängerszene recherchiert und mich an diverse Stammtische gesetzt. Dabei ist mir aufgefallen, dass an salzkammerguterischen Stammtischen ein eigenwilliges Erzählmuster vorherrscht, ich nenne es einmal genealogiegeleitet. Ich frage also: „Und wie fängt man jetzt also den roten Fichtenkreuzschnabel?“ und mein Gesprächpartner, nennen wir ihn einmal Leitner Hias, fängt an: „Also, den Roten, den konnte am besten der Gamsjäger Poid, den musst Du fragen, weißt eh, das ist der Bua von der Tochter von der Hennawirtin, die hat sich Urstöger geschrieben und die Hennawirtin Anzenauer, wenigstens am Schluss, sie hat nämlich fünf Namen gehabt, geboren ist sie als Viechtwanger und dann ist sie adoptiert worden, weil der alte Viechtwanger, der ist im Krieg gefallen und dann ist sie zu den Moawies gekommen, geschrieben haben sich die Moawies aber Petter, die haben eine große Bauernschaft gehabt mit einer Gastwirtschaft, und des Nandl, das ist weitläufig mit mir verwandt, das ist die dritte Tochter vom Moawies, aber dann mit der zweiten Frau, der Resi, die ist aus der Gosau heraus gekommen, das war keine Dosige, und die Hennawirtin hat dann den Postwirtn geheiratet, Franz (fragt den Kellner) wie hat der noch schnell geheißen, ja genau, der Franz, Franz hat der geheißen und Fettinger hat er sich geschrieben, aber der ist an Tuberkulose gestorben und dann hat sie den Hennawirtn geheiratet, der hat sich auch Petter geschrieben, aber bekannt war er nicht unter Petter, der hat nur Hennawirt geheißen und verwandt war er auch nicht mit dem Petter, der die Viechtwangerin, wie sie halt am Anfang geheißen hat und dann Fettingerin, aber so hat sie auch keiner genannt, weil da war sie schon die Postwirtin und sie hat halt immer in eine Wirtschaft hinein geheiratet, weil das war sie von klein auf gewohnt, die alten Petter haben ja auch eine Wirtschaft gehabt, das war der Seewirt und wie gesagt, die sind von See gekommen und haben nichts zu tun gehabt mit dem Petter, den sie nachher geheiratet hat, den Hennawirt also, die sind ja von der Ramsau gekommen, ursprünglich, aber den Petter hat sie auch wieder unter die Erde gebracht, frag mich nicht wie, da ist viel gemunkelt worden damals und zuletzt hat sie noch den Jodok geheiratet, der vom Mühlbach unten, kennst eh das Haus, das steht hinter der Traun drentn, den Mühlbacher Jodok, aber der hat sich wieder Anzenauer geschrieben, aber da waren sie schon alt und haben keine Kinder mehr gehabt und die Hennawirtin ist sowieso in der Wirtschaft geblieben und das ist ist ihr geblieben, dass man sie Hennawirtin genannt hat, unter Anzenauer hat sie keiner mehr gekannt, und der ihrer Tochter ihr Bua, also den musst Du fragen.

Gut, die Namen und Schauplätze sind jetzt von mir erfunden und eingesetzt, ich habe mir das nicht merken können. Der Ductus der Geschichte ist aber authentisch. Ich frage mich jetzt, ob ich das zur Erhöhung der Authentizität und Fremdenverkehrstauglichkeit in meinen Regiokrimi einbauen soll.

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5 Responses to “Authentisch schreiben?”


  1. 1 krimi0krimi August 18, 2008 um 22:11

    Hat übrigens jemand den Suspense gefunden? Da ist ein unerklärlicher Todesfall drinnen. Ein Krimi also.

  2. 2 thewritingfranz August 18, 2008 um 22:21

    Ich weiß nicht, was an der Geschichte komisch sein soll. So redet man doch.

  3. 3 thewritingfranz August 19, 2008 um 21:35

    Und ich glaube, der Hias war der Bua von der Nandl.

  4. 4 krimi0krimi August 19, 2008 um 21:47

    Wenn man das so genau wüsste.

  5. 5 thewritingfranz August 19, 2008 um 22:08

    Stimmt, er könnte auch der Vater vom Jodok sein. Das ganz Durcheinander, hat halt alles damit zu tun, dass man beim Sex so viele Leute kennenlernt in goisern.


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