Jeder Tourist ein Detektiv

Tobias Gohlis unterstützt meine Hypothese. Da steht in einem Interview auf →Handlungsreisen.de, das Ludger dankenswerterweise zu →Georg verlinkt hat:

Ja, dabei ist der Tourist dem Detektiv sehr ähnlich. Beide sind Schnüffler, die sich Räume erschließen, die ihnen zum Teil nicht vertraut sind. Der Detektiv kennt seine Stadt, aber kleinräumig betrachtet, muss er das Umfeld des Tatortes ganz genau beobachten und lesen. Genauso deutet und interpretiert auch der Tourist in der Fremde Zeichen, wie bspw. Sprache und Hinweisschilder.

→Das sage ich doch die ganze Zeit. Dass dieses Beobachten, Sammeln von Hinweisen, Interpretieren und Rückschließen, das in der Medizin mit „Sherlock Holmes Prinzip“ umschrieben wird, nicht spezifisch für DekektivInnen und MedizinerInnen ist, sondern überall vorkommt. Und was ich am Beispiel der nicht sehr großen Population der KfZ-TechnikerInnen erläutern wollte, beschreibt Herr Gohlis hier viel effektiver an TouristInnen. Und das sind wir nun einmal fast alle dann und wann.

Jetzt brauche ich nur noch diesen sehr schwer aufzutreibenden Artikel:

Riegelmann R.K.: Dethroning the detective theory of diagnosis. Postgrad Med. 1981; 70(5):239-241

Hat den zufällig jemand im Bücherregal stehen? Ich wäre sehr verbunden, wenn ich ihn ausleihen könnte. Wenn es mir gelingt, wissenschaftlich unanfechtbar das Sherlock-Holmes-Paradigma zu stürzen, kann ich mich vielleicht auch ohne Exhumierung →habilitieren. Das wäre mir lieber, da geruchsneutraler.

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4 Responses to “Jeder Tourist ein Detektiv”


  1. 1 krimi0krimi Juli 25, 2008 um 14:32

    Ich muss mich jetzt schnell habilitieren, bevor Reinhard wieder da ist. Der uzt nämlich immer, wenn es hier wissenschaftlich wird.

  2. 2 thewritingfranz Juli 26, 2008 um 8:46

    Ein Tourist soll nicht immer forschen. Er ist einfach da, wo er sein wollte. Und da soll er SEIN. Nur so kann man z.B. Athen erleben. Man muss dazu nicht Strassennamen wissen oder Geschichtsdaten. Viel wichtiger ist es, am Tisch vor einem Beisl in der Plaka zu sitzen, und in sich zu versinken mit einem Glas Wein und die Athmosphäre aufzunehmen. Mit geschlossenen Augen beobaachten. Die Schönheit des Parthenon zu geniessen ohne zu wissen, wieviele Säulen da stehen und wie hoch sie sind. Die Säulen sind nicht soundso hoch und soundso alt, ihr Wesen besteht darin, schön und vollkommen zu sein. Nebenbei stützen sie auch noch das Dach. Aber Schönheit an sich benötigt keine Funktion. Sie ist, so wie der Tourist sie nur erfahren kann, wenn er auch nur ist, und sei er selbst auch hässlich und klein. Das ist fast jeder neben einer griechischen Säule, aber dem echten Touristen ist dies egal und dann wird er selber schön.

  3. 3 krimi0krimi Juli 26, 2008 um 9:01

    Ohje, wie soll man sich da habilitieren, wenn einem schon die Grundannahmen abhanden kommen?

  4. 4 JL Juli 26, 2008 um 9:48

    Riegelmann Abstract kennen Sie: „The physician diagnosing disease is often compared with the detective solving a crime. Eight operating principles of fictional detectives are presented and applied to diagnosis in modern medical practice. None holds up under scrutiny. In medicine, every problem does not require a diagnosis and every possibility does not have to be pursued. Time itself may be a diagnostic tool. All the facts may not be available for definitive diagnosis, or a diagnosis may not explain the patient’s symptoms. Physicians, unlike fictional detectives, cannot ignore the obvious. They can and should recognize and diagnose diseases they initially failed to suspect“. Die Münchner StaBi hält die Postgrad. Medicine, wenn ich helfen kann (und Sie z. B. nicht selbst über Subito bestellen können), tu ich das gern (allerdings erst im Lauf der kommenden Woche). Bitte off-blog antworten: JL.


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