Der „Holmesianische Zirkel“

Meine Skepsis gegenüber den Implikationen des „Sherlock-Holmes Paradigma“ in der Medizin habe ich ja bereits →kundgetan.

Umso mehr überrascht mich jetzt, wie stark Sherlock Holmes und Dr. Watson in der medizinischen Literatur verankert sind. So gebe es einen „Holmesianischen Zirkel“, lese ich gerade im „Journal of the Royal Society of Medicine“. Bin ich hier auf einen medizinischen Geheimbund gestoßen? (1)

Jedenfalls waren die Anhänger und Erforscher der „Holmesianischen Methode“ (2) fleißig. Es gebe mehr als 100 Artikel über unseren „berühmten Kollegen“ (3) John H. Watson allein in medizinischen Fachzeitschriften, unter anderem in „The Lancet“ (4). Weiters gebe es im Katalog der „Library of Congress“ in Washington 334 Titel über Sherlock Holmes, neun davon mit einem medizinischen Interesse. Die medizinische Datenbank Medline zeige für die Jahre 1966-1995 allein 262 Artikel zu Dr. Watson, 186 Artikel zu Sherlock Holmes und 53 Artikel zu Conan Doyle an. Das alles hat Ph.L. Selvais (1) schon 1996 zusammengetragen.

Diskutiert würden in der Fachliteratur unter anderem Themen wie der vermeintliche Drogenmissbrauch des großen Detektives oder ob Dr. Watson eine oder zwei Kriegsverletzungen hatte.

________________________________

(1) Selvais P.L.: A study in White. Dr. Watson in the medical press. J R Soc Med. 1996; 89(6): 329–331. →pdf

(2) Wilbush J.: The Sherlock Holmes Paradigm – detectives and diagnosis: discussion paper. J R Soc Med. 1992 June; 85(6):342–345 →pdf

(3) im Original: „distinguished colleague John H. Watson“

(4) Im „Lancet“ zu publizieren ist praktisch der Olymp der medizinischen Publikationstätigkeit. Mit 1,4 Veröffentlichungen im Lancet hat man praktische die Punkte für eine Habiliation. Vielleicht sollte ich mich wirklich auf „Holmesianologie“ verlegen, wenn man mit diesem Themen im Lancet punkten kann.

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5 Responses to “Der „Holmesianische Zirkel“”


  1. 1 JL Juli 25, 2008 um 11:06

    da sind Sie doch mitten in der Frage drin, die Sie bei wtd nicht beantworten mochten? Beste Grüße!

  2. 2 krimi.krimi Juli 25, 2008 um 12:56

    Ja. Ich mag sie aber immer noch nicht beantworten. Jetzt habe ich mir doch auf meinem eigenen Blog eine Barriere gelegt.

  3. 3 krimi0krimi Juli 25, 2008 um 12:58

    Aber eigentlich beantwortet es sich hier von selbst.

  4. 4 krimi.krimi Juli 25, 2008 um 14:02

    Angeblich, das steht im Artikel von Douglas Guthrie(*)den ich hier noch nicht zitiert habe, hat sich die englische Post noch in den 60ern mit Briefen herumgeschlagen, die an „Dr. Sherlock Holmes, Bakerstreet, London“ gerichtet waren.

    Ich verbeiße mich jetzt ins Thema. Wenn ich wissenschaftlich unumstößlich nachweisen kann, dass Sherlock Holmes gekokst hat und Dr. Watson drei Kriegsverletzungen hatte, dann komme ich ins Lancet und bin habilitiert. Ich suche jetzt bei der englichen Königung um eine Exhumierung bewecks toxikologischer Gutachten beziehungsweise Computer-Schußkanalrekonstruktion an.

    * Guthrie D.: Sherlock Holmes and Medicine. Canad. M.A.J., 1961 85:996-1000


  1. 1 Jeder Tourist ein Detektiv « krimi.krimi Trackback zu Juli 25, 2008 um 14:27

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