Neue Einnahmequelle für Verlage

Kleine Verlage haben es nicht leicht und müssen oft mit kargen Budgets wirtschaften, was sich der Innsbrucker →Berenkamp-Verlag einfallen hat lassen, ist aber auch für einen kleinen Verlag recht →originell:

Wenn Sie uns ein fertiges Buch- oder Theatermanuskript zukommen lassen wollen, bitten wir Sie um das vollständige Manuskript in ausgedruckter Form …

… Unangeforderte Manuskripte, die Berenkamp nicht in sein Verlagsprogramm aufnimmt, senden wir grundsätzlich nicht zurück. Legen Sie daher kein Retourporto bei. Fordern Sie dennoch die Rücksendung Ihres Manuskripts, berechnet Berenkamp eine Bearbeitungsgebühr von € 120 (einhundertzwanzig Euro) inklusive Mehrwertsteuer je Manuskript; es handelt sich dabei um das Entgelt für die Bewertung des Manuskripts sowie um die Porto- und Verpackungsspesen. Die Rücksendung des Manuskripts erfolgt nur gegen Vorauskassa. Unangeforderte Manuskripte, die Berenkamp nicht in sein Verlagsprogramm aufnimmt und die der Autor nicht zurückfordert, werden drei Monate nach Einreichung entsorgt, ohne dass der Autor verständigt wird.

Also, dass kleine Verlage Rückporto oder besser noch ein frankiertes Kuvert verlangen, wenn jemand sein Manuskript zurück haben will, das ist ja normal und in Ordnung. Aber 120 Euro dafür, ein Manuskript zurückzusenden, das ist schon eine Zumutung. Bitte, dass das Manuskript gelesen wird, ist im Interesse des Verlags oder auch nicht, dann soll er es ganz einfach bleiben lassen. Niemand zwingt einen Verlag dazu, ein Manuskript zu lesen. Keiner hindert ihn daran, auf Seite drei abzubrechen, wenn es Schrott ist. Aber davon, dass der Verlag das Manuskript liest und es dann ablehnt, hat der Autor rein gar nichts, warum soll er bitte für keine Leistung ihm gegenüber bezahlen? Oder stellt Berenkamp seine ausführliche Bewertung den AutorInnen zur Verfügung? Dann wäre es aber gut, auch zu deklarieren, was die Leute für ihr Geld kriegen. In Ordnung wäre es aber selbst dann nicht, denn das ist ja keine Dienstleistung, die der Autor beim Verlag in Auftrag gibt. Er bietet das Manuskript dem Verlag zu Veröffentlichung an, wenn dieser interessiert ist, wird er es in Gottes Namen lesen müssen, aber dass es zu diesem Zeitpunkt einen Vertrag zwischen Autor und Verlag über die Dienstleistung „Bewertung des Manuskripts“ gäbe, wäre mir neu. Sonst könnte der Verlag die Manuskripte auch nicht nach drei Monaten ohne jede Rückmeldung kübeln. Oder müsste auch dafür Geld verlangen, bewertet ist bewertet.

So wie es dasteht, denkt man sich jedenfalls: Die wollen 120 Euro rein dafür, dass sie das Manuskript in ein Kuvert stecken, eine Briefmarke draufkleben und es zurückschicken, was sie damit getan haben, bleibt ihr Geheimnis.

Dass man nicht einmal antwortet, wenn man an einem Manuskript nicht interessiert ist, ist zwar vielleicht üblich, aber nicht grad die feine englische Art. Bei Berenkamp ist das aber sicher besser, für eine Standardabsage per Mail müssten sie vermutlich 70 Euro Bearbeitungsgebühr verrechnen. Für diesen einzigartigen und kreativen Umgang mit AutorInnen verleihen wir dem Berenkamp-Verlag den güldenen Eulenspiegel zweiter Klasse mit Band und wünschen weiterhin viel Erfolg.

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6 Responses to “Neue Einnahmequelle für Verlage”


  1. 1 Reinhard Juli 14, 2008 um 0:40

    Was du alles findest, Margit. Das ist allerdings eine der skurrilsten Meldungen, die ich gesehen habe. Wenn Verlage von Anwälten geführt werden, dann kommt so etwas heraus.

    Man sollte noch einen Antrag auf ein Anforderungsformular hinzufügen, gegen 70 Euro voraus.

    Ich möchte mich anschliessen und verleihe dafür die Goldene Träne am blauen Band.

  2. 2 Jörn Brien Juli 14, 2008 um 11:33

    Wow, da gibt es ja echt Auswüchse..War das Schreiben am 1. April verfasst, oder meinen die das Ernst? Ich kann ja verstehen, dass 99,9999 Prozent der Manuskripte ungelesen im Papierkorb verschwinden, aber 120 Euro für die Rückversand zu verlangen, das ist es mal wert, als Franchise-Angebot zu lancieren ;-)
    LG

    Jörn

  3. 3 krimi0krimi Juli 14, 2008 um 16:55

    Hallo,

    ob das Ernst ist? Ich denke schon, aber ich kann es mir leider nicht leisten, es einfach auszuprobieren. Obwohl ich noch eine interessante Variante anzubieten hätte: Was zahle ich, wenn ich das Manuskript zurückhaben will und es selber abhole?

    lg
    Margit

  4. 4 thewritingfranz Juli 14, 2008 um 18:55

    Wirklich interessant, was Margit alles findet. Aber die Lösung ist einfach: Nachdem man das gelesen hat, schickt man einfach keine Manusskripte. Wie machen das überhaupt andere Verlage? Ich möchte nicht, dass ich auf einen anderen Verlag hereinfalle.

  5. 5 krimi0krimi Juli 14, 2008 um 18:59

    Eh. Das wollen sie wahrscheinlich erreichen, dass niemand etwas schickt. Aber warum schreiben sie dann nicht einfach: Bitte keine Manuskripte schicken, sie werden nicht retourniert.

  6. 6 Reinhard Juli 14, 2008 um 20:26

    Letztere Variante hat ein grosser Literaturagent auf seiner Homepage stehen, was ich ziemlich ehrlich finde. Da steht, sie werden nicht gelesen und nicht retourniert.

    Gelesen werden die Manuskripte eh nirgends, und das wundert mich auch nicht sehr. Nachdem 98% unerträglich sind, wäre es auch viel verlangt, Fachpersonal einzustellen um das zu lesen. Ich frage mich nur, warum Verlage diese Ehrlichkeit nicht aufbringen.


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