Medienschau zum Freitagabend

Da komm‘ ich zurück und suche das Blätterrauschen, jenes, das nach der Mankell-Lesung im Burgtheater entstanden sein muss, doch ich finde nichts. Was ist da los? War jemand bei der Lesung? War er heiser, hat er gestottert, hatte er einen Pickel im Gesicht oder gab es sonst einen Eklat? Da muss doch etwas gewesen sein worüber man nicht spricht.

Wir beginnen die heute Presseschau mit der nicht mehr ganz frischen Nachricht, dass Tannöd von Andrea Maria Schenkel →kein Plagiat ist. Das Landgericht München hat es entschieden und der Standard hat die Nachricht auch in Österreich kundgetan.

Der Standard widmet sich heute ganz dem Fernsehkrimi. Unter „Krimirätselspiel in Blutrot“ empfiehlt er den Film →“Hatchet for the Honeymoon“ von Mario Bava, der heute um 23:15 auf „Arte“ ausgetrahlt wird. Außerdem gibt es Neues von der Tatort-Front: Die Tatort-Folge →“Todesstrafe“ werde am Sonntag nicht nur auf ORF und ARD ausgestrahlt, sondern auch per Livestream im Internet. Anlass sei ein Jubiläum, bei „Todesstrafe“ handle es sich um die 700. Tatort-Folge. Aus diesem Anlass werde auch die →Homepage neu gestaltet und in der Nacht von Samstaga auf Sonntag gebe es RBB und NDR vier Tatort-Klassiker zu sehen.

Die Diskussion über Amstetten geht in die nächste Runde. Zuerst war die Rezeption, dann die Diskussion über die Rezeption, dann die Diskussion über die Diskussion der Rezeption. Thomas Wörtche einen wirklich lesenswerten Artikel über Österreichische Verbrecher und deren kreative mediale Ausgestaltung geschrieben. →“Dpr“ hat den Artikel bei →“Freitag 21″ ausgegraben, dort hieß er noch: „Deutungshochheit: Amstetten – oder wie aus Kontingenz Sinn werden soll. Kleine Attacke gegen ein paar allzu abgedrehte Schleifen der Kultursemiotik.“ Jetzt ist derselbe Aufsatz auch im →“Standard“ erschienen und heißt plötzlich: „Amstetten und die Folgen: Auf den Spuren eines Sinnstiftungsmassakers“. Was ist da nur passiert? Traut uns der Standard nicht zu, uns mit Kultursemiotik zu beschäftigen?

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13 Responses to “Medienschau zum Freitagabend”


  1. 1 Reinhard Mai 23, 2008 um 20:43

    Wer bei „Amstetten“ nicht fehlen darf ist Jelinek, obwohl deren Schweigen angebracht wäre. Mir fällt dazu nur ein, dass sie sich seinerzeit – wie ich ich der Wikipedia entnehme und schon vergessen hatte – gemeinsam mit der Pluhar wortstark für die Begnadigung eines gewissen Jack Unterweger eingesetzt hat. Wie wir wissen, hat das für einige Personen unangenehme Folgen gehabt.

    Wenn schon alle drüber schreiben, dann durfte ich mich auch anschliessen, siehe http://books.kocznar.com/magazin/jf.htm. Erfreulicherweise hat der Standard diese Überlegungen zum größten Teil am 7. Mai als Leserbrief gebracht.

  2. 2 krimi0krimi Mai 23, 2008 um 20:57

    Ach, Jelinek und Robertson hatten wir hier schon. Wir haben sie nicht übersehen.

  3. 4 krimi0krimi Mai 23, 2008 um 21:21

    Ritchie Robertson, der in der Times praktisch eine „Kulturgeschichte des Herrn F.“ entwickelt hat. Herr F. sei in der österreichischen Literatur schon lange vorgekommen, bevor er leibhaftig aufgetaucht sei. Man hätte die Literatur ernster nehmen sollen. Robertson bezieht sich unter anderem (andere sind Nestroy, Raimund Anzengruber und Freud) auch auf Jelinek, Wörtche wiederum bezieht sich unter anderem auf Robertson.

    →zum Times-Artikel

  4. 5 Reinhard Mai 23, 2008 um 21:43

    Ihr seid aber fortschrittlich, jetzt weiss ichs auch. Danke.

  5. 6 thewritingfranz Mai 23, 2008 um 22:03

    Zu Reinhards Artikel: Mit Otto Mühl habe ich auch Probleme. Aber nicht alles was hinkt ist ein Vergleich. Jack the Ripper & Co. waren Mörder. F. ist es bisher noch nicht (und man wird ihm schwer nachweisen können, dass das Baby, das er verbrannte, noch lebte, bevor er es den Flammen übergab).

    Was mich aber am Meisten verwunderte, in dem Times-Artikel, ist, das der gute alte Adalber Stifter schon Menschen in Kellern einsperrte, in einem seiner Werke. Nun ja, die Seele ist ein weites Land.

  6. 7 Reinhard Mai 23, 2008 um 22:09

    Weisst, Franz, jemand der Menschen in einem Kellerloch einsperrt, in dem sie nicht einmal aufrecht gehen können, ist für mich eigentlich schlimmer als ein Mörder. Oder ist der F., weil er seine Gefangenen nicht verhungern ließ, eigentlich doch fast ein Gutmensch?

  7. 8 krimi0krimi Mai 24, 2008 um 12:31

    Und jetzt schreibt – dpr wusste das schon wieder – Herr Linder zu Wörtche. Auch sehr →lesenswert. Dort kündigt dpr an, auch noch etwas zu schreiben, wir sind gespannt.

  8. 9 dpr Mai 24, 2008 um 15:02

    Auf jeden Fall werde ich mich am Montag des Themas auf etwa lockerere Art annehmen. Darf man eigentlich WITZE über Amstetten machen? Wäre im Hinblick auf „Verarbeitung“ etc. auch mal interessant zu wissen.

    bye
    dpr

  9. 10 thewritingfranz Mai 24, 2008 um 16:38

    Über Amstetten darf man jederzeit Witze machen. Über das dort geschehene Verbrechen nicht. Ausser, man entbehrt des Menschlichen.

  10. 11 Todesstrafe Mai 25, 2008 um 2:37

    Ich freue mich speziell auf diese Folge. Der Tailer (siehe Homepagelink) verspricht ja doch einige Neuerungen zum Tatort. Also die Chipstüte heraus und ab auf´s Sofa…


  1. 1 Deutungsabenteurer oder Sinnstifter ? « Internationale Krimis Trackback zu Mai 24, 2008 um 18:10
  2. 2 Die Diskussion um Amstetten dessen Deutung geht weiter « krimi.krimi Trackback zu Mai 26, 2008 um 6:49

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