Warum Ärzte gute Krimiautoren sind

In Wirklichkeit ist das hier ein reines Bildungsblog, es steht nur „krimi.krimi“ drauf, um die Leute zu täuschen und zum Lesen zu bewegen. „Motivieren“ könnte man auch sagen. Aber in der letzten Zeit habe ich genug motiviert und heute widmen wir uns einem Fachartikel aus „Psychiatric News“, einer Publikation der ehrenwerten „American Psychiatric Association“.

Charles Atkins, M.D. ist Facharzt für Psychiatrie und Thrillerautor. Für „Psychiatric News“ hat er einen Artikel mit dem Titel „The Novel Side of Psychiatry“ verfasst. Zunächst geht er auf die Reaktionen der Patienten und Patientinnen ein, wenn sie erfahren, dass ihr Psychiater Thriller schreibt: „They get a funny look.“ Jetzt weiß ich nicht, wie ich das übersetzen soll, kann mir da jemand helfen? Sehen die PatientInnen dann seltsam aus oder kriegen sie nur ein „seltsames Gschau“, wie man hierzulande sagt? Wie muss ich mir das vorstellen?

Gut, obwohl es die PatientInnen zu ganz komischen Wesen verwandelt, kann er es nicht lassen, das Schreiben. Er fühlt sich in einer langen Tradition schreibender Ärzte: Somerset Maugham, Arthur Conan Doyle, Robin Cook, F. Paul Wilson und Michael Crichton.

Atkins findet, dass es im Publikationsbusiness ein bisschen hilfreich sei, wenn man Arzt ist: Ärzte seien es gewohnt, hart zu arbeiten, denn sonst hätten sie es nie durch die Examina und die postpromotionelle Ausbildung geschafft und er zieht folgenden Vergleich zwischen seiner Arbeit als Autor und als Arzt:

It’s not uncommon for me to get a manuscript to proof and have about a week to make it through 400 pages. Hey, piece of cake—Remember being an intern and having to work up a patient at 3 a.m., research their condition, pull an article, and be prepared to present with all the lab work by 7 that morning?

Das werde ich mir merken: Um drei Uhr Nachts einen Patienten zu sehen und bis um sieben Uhr in der Früh mit ihm beschäftigt zu sein, um ihn dann in der Frühbesprechung komplett mit Labor und Pipapo zu präsentieren, qualifiziert ungemein dafür, 400 Seiten Manuskript in einer Woche durchzuackern.

Nachzulesen ist das alles →hier.

Advertisements

13 Responses to “Warum Ärzte gute Krimiautoren sind”


  1. 1 thewritingfranz Mai 20, 2008 um 21:27

    Mich kannst du nicht täuschen. Ausserdem kenne ich eine hübsche, kluge Ärztin, die wirklich so viel während ihres Turnusses arbeitete und dennoch jede Woche mehr als 400 Seiten las. Sie ruft aber nie an, wahrscheinlich, weil sie so viel liest und bloggt.

  2. 2 krimileser Mai 21, 2008 um 13:53

    “seltsames Gschau”

    yepp !

    Ist ja auch vorstellbar, dass man als nächster Psychopath im Buch des Therapeuten landet.

  3. 3 thewritingfranz Mai 21, 2008 um 23:37

    Stell dir vor, der Therapeut landet im Buch eines Psychopathen. Aus mit der Karriere!

  4. 4 krimileser Mai 22, 2008 um 12:56

    Hahaha !

    (hab erst „Bauch“ gelesen und war irritiert)

  5. 5 Reinhard Mai 22, 2008 um 15:11

    Nein, das war im Film „Der Bauch des Archetypen“, typisch wieder einmal.

  6. 6 thewritingfranz Mai 22, 2008 um 19:48

    Deine Antwort ist archetypisch für einen Architekten. Worum gings denn ursprünglich eigentlich?

  7. 7 thewritingfranz Mai 22, 2008 um 21:53

    Servas Reinhard, wennst do amoi einischaust.

  8. 8 Reinhard Mai 23, 2008 um 12:28

    I schau immer wieder eini.

    Allerdings fällt mir zu dem Ausgangsthema derzeit nur die Ärztekammer ein, was mich zu harmoniereduzierenden Kommentaren veranlassen würde, und die Architekten? O weh. Die bauen derzeit nur Anlagen, wo man ob der klinischen Reinheit am Boden nicht nur essen, sondern auch operieren könnte, womit wir wieder bei der Ärztekammer wären.

    Schwierige Situation. Da bleib ich als Krimi- und Thrillerschreiber lieber bei den üblichen Verdächtigen.

  9. 9 thewritingfranz Mai 23, 2008 um 15:42

    I hob den Reini aus Brasilien gmoant. Oba Du bist a recht.Im Übrigen bin ich der Meinung, man muss Neubauten auf jeden Fall beschmutzen, damit sie von Menschen
    bewohnbar werden. Und Ärzte sollen bei Operationen auch rauchen dürfen. Man stelle sich vor, man wird am Herzen operiert und der Operateur ist Kettenraucher mit einer Entzugserscheinung.

  10. 10 thewritingfranz Mai 23, 2008 um 15:46

    Da dieser Blog ein Bildungsblog ist, stelle ich hier die Frage: Was war Fermats letzter Satz?

  11. 11 krimi.krimi Mai 23, 2008 um 18:22

    Ein Buch von Simon Singh. Ich bin doch kein Dodl nicht.

  12. 12 thewritingfranz Mai 23, 2008 um 20:06

    Ein Jurist – ein Mann, der bekanntlich sehr genau und scharf denkt – würde sagen: Falsch, Sie meinen wohl den Titel von einem Buch. Insoweit richtig, als es wirklich ein Buch von Simon Singh mit dem Titel „Fermats letzter Satz“ gibt. Ein Buch, das nur wenige verstehen. Aber auch damit ist die Frage nur halbwegs beantwortet. Denn die Frage „Was war Fermats letzter Satz?“ zielt darauf ab, zu erfahren, was Fermat als letzten Satz gesagt oder geschrieben hat, bevor er die Patschen aufstellte. So wie die berühmten Worte von Goethe: „Mehr Licht“ oder von Sokrates: „Und vergiss nicht Kriton, dass wir dem Asklepius noch einen Hahn schulden“ (aus „Die Apologie des Sokrates“ von Plato).

  13. 13 thewritingfranz Mai 23, 2008 um 20:07

    Oder von Sepp:“Resi, steig bitte runter“.


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s




Mai 2008
M D M D F S S
« Apr   Jun »
 1234
567891011
12131415161718
19202122232425
262728293031  

Archive

Im Schaufenster

Robert Pucher: Katerfrühstück, Prolibris 2006

→Journal of Medical Internet Research

→medicalblogs.de

→Alblog aus Zams


%d Bloggern gefällt das: