Österreich hat keine Qualitiätsmedien

Die Zeit bringt einen wirklich →lesenwerten Artikel über die Boulevardisierung des Amstettner Inzest-Dramas und schildert in angenehm unaufgeregter Weise die Ausschlachtung der Geschichte durch den österreischischen Boulevard und die Folgen für die Opfer. Doch am Ende wird eine Medienanwältin mit dem bemerkenswerten Schluss zitiert, dass es im Vergleich zu Deutschland schon Unterschiede gebe:

 „Erstens sind bei solchen Verletzungen der Privatsphäre die Summen, die deutsche Medien bezahlen müssen, ungleich höher. Und zweitens gibt es in Deutschland nicht nur Boulevard, sondern auch Qualitätsmedien.“

Da staunt die Österreicherin.

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3 Responses to “Österreich hat keine Qualitiätsmedien”


  1. 1 thewritingfranz Mai 2, 2008 um 19:44

    Der Artikel ist wirklich ruhig und sachlich gestaltet, bleibt aber dennoch ein Artikel über Amstetten. Auffallen tut aber angenehm die Nichterwähnung von Namen der Opfer. Ich will und muss diese ja auch gar nicht wissen. Es ist richtig, dass die Strafen für solche Medienvergehen erhöht gehören, insbesondere in so sensiblen Fällen, wo sozusagen Menschenleben davon abhängen, dass mehr geschwiegen als geschrieben wird. Ich kann aber nicht damit übereinstimmen, dass es in Österreich keine Qualitätspresse gibt. Der Standard und die Presse sind wohl nicht unter Boulevardzeitungen zu subsumieren. Auch der Traunspiegel nicht.

  2. 2 hejio Mai 4, 2008 um 18:10

    die österreichische presselandschaft ist traurig. zweifelsohne. die deutsche bild ist verglichen mit der österreichischen kronenzeitung ein humanistisches intelligenzblatt und ist (bezogen auf die einwohnerzahl) die meistgelesene zeitung weltweit und liebt es, alle paar wochen eine kampagne loszutreten. als nichtkroneleser ist man dann beim smalltalk immer wieder erstaunt, was man zu hören bekommt. diese zeitung fernsteuert wirklich die gehirne von 1.5-2 millionen menschen. es gibt aber auch qualität. nur lesen das weniger. und england beweist schliesslich, dass es neben unappetitlichem boulvard auch qualität geben kann. das schliesst sich in keinem land aus!

  3. 3 krimi0krimi Mai 4, 2008 um 18:26

    Hallo,

    natürlich gibt es in Österreich auch Qualität. Natürlich lesen mehr Leute „Krone“ und „News“, und vermutlich werden auch mehr Leute die „Bild“ lesen als die „Welt“. Mir erschien nur die Sichtweise der „Welt“ auf unsere Medienlandschaft so bemerkenswert, dass ich das hier posten wollte.

    Ich denke, das ist ein Lapsus, der denen durchgegangen ist, denn die Welt wird nicht allen Ernstes annehmen, dass es in Österreich keine Qualitätsmedien gibt. Vielsagender finde ich, was die „Welt“ über die Qualität des ORF schreibt, der ja immerhin öffentlich-rechtlich ist und nicht „Boulevard“ sein sollte: Dass es der ORF nötig hat, die vollen Namen zu nennen usw. Oder was mir sonst noch aufgefallen ist: Dass der Nachrichtensprecher den Antwalt des Herrn F. fragt, wie er sein Mandat seinen Enkelkindern erklären kann. Ja, wo sind wir denn da? Ist das noch ein Rechtsstaat, wenn im Öffentlich-Rechtlichen das Recht auf Verteidigung in Frage gestellt wird? Soll da jetzt jemand im Vorfeld dämonisiert werden, indem man an die Moral des Anwalts appeliert, so jemanden nicht verteidigen zu können? Insofern finde ich auch, dass es um die Medien hier schlecht bestellt ist.


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