Deutsch

Nachdem da und dorten mein Deutsch kritisiert wurde, fühle ich mich bemüßigt, hier und auf der Stelle den Beweis anzutreten, dass ich der Deutschen Sprache (Genitiv!) mächtig bin.

Als Beispiel nehme ich einen Absatz aus meinem ungeschriebenen erotischen Psychiatriethriller: „Dr. Freud und der Killer“

Das Original:

Der Freud Julius, ein Doktor, ist ein Schwerenöter gewesen. Er hat schon gewusst, dass ihn sein Name allein schon interessant macht bei die Weiberleut‘. Und wenn er dann noch gesagt hat, dass er ein Psychoanalytiker sei und mit zwei Fingern an den Bart gefahren ist, so auf die Art, schaut her, ich schau ihm auch noch gleich dem Freud, dann war es um die Weiber sowieso geschehen. Eine Jede hat dann geglaubt, dass er verwandt sei mit dem alten Sigmund, obwohl der Julius doch ursprünglich aus St. Marien am Walde gekommen ist und Wien zum ersten Mal bei der Wienwoche in der fünften Klasse gesehen hat. Dann haben sie sich angestrengt, die Weiberleut, und gemeint, sie könnten sich interessant machen beim feschen Doktor Freud, wenn sie ihm Sachen erzählen aus ihrer Kindheit: mit wem sie das erste Mal geschmust haben und dass der Hansi in der Vierten ihnen unter den Rock geschaut hat. Und eins muss man sagen an dieser Stelle: Dem Doktor Freud hat es ganz gut gepasst, dass die Weiber diese Geschichten erzählt haben. Interessiert haben sie ihn nicht, aber wenn er die Weiber ein bisschen hat reden lassen, haben sie gemeint, das sei ein ganz ein Einfühlsamer, der Doktor Freud. Und wenn die Frauen auf dem Land das geglaubt haben, das sei ein Einfühlsamer und Städter noch dazu, dann ist er für sie so interessant geworden, dass sie ihm Zetteln zugesteckt haben mit dem Plan von einem Heustadl (kein Genitiv!) auf der Katzenalm und einer Uhrzeit dazu. Denn im Herzen ist der Doktor Freud immer ein St. Mariener geblieben und nichts hat ihn so berührt wie die Rüscherln oben an den Bluserln vom Dirndlgwandl. Und so hat der Doktor Freud auch eines Tages die Anette kennengelernt, doch auf die Anette hat der Ferdl ein ganz eifersüchtiges Aug‘ gehabt. Das hat der Doktor Freud zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht wissen können (besonders gelungenes Absatzende mit Cliffhanger!).

Deutsch!

Dr. Julius Freud war ein Herzensbrecher. Er wusste, dass die Damen schon allein für seinen Namen Interesse zeigten. Und wenn er dann erwähnte, er sei Psychoanalytiker und mit zwei Fingern durch den Bart strich, um seine Ähnlichkeit mit dem großartigen Gründer der Psychoanalyse zu betonen, schmolzen die Damen dahin. Die Damen mussten natürlich glauben, er sei verwandt mit Dr. Sigmund Freud, obwohl Dr. Julius Freud aus St. Marien am Walde stammte und Wien erstmals im Alter von fünfzehn Jahren anlässlich einer Schulveranstaltung einen Besuch abgestattet hatte. Die Damen strebten danach, das Interesse des attraktiven Doktor Freud zu erwecken, indem sie ihm Kindheitserlebnisse erzählten, denen sie eine gewisse Pikanz zumaßen: Die ersten zaghaften Berührungen mit einem Jungen und unbillige Blicke eines gewissen Johann unter ihre Röcke. Und aufgemerkt: Doktor Freud interessierte sich zwar nicht für diese Geschichten, dennoch wusste er die Redseligkeit der Damen zu seinem Vorteil zu nützen: Indem er ihnen zuhörte, erweckte er den Augenschein besonderer Einfühlsamkeit. Diese Einfühlsamkeit, gepaart mit seinem urbanen Auftreten erweckte das Interesse der Damen dergestalt, dass sie ihm Notizen zukommen ließen, in denen eine zur Aufbewahrung von Heu vorgesehene Hütte und eine Uhrzeit zu einem geheimen Treffen vermerkt waren. Im Herzen war Doktor Freud immer seiner ländlichen Herkunft treu geblieben und nichts berückte ihn mehr als ein Dekolltee, das von einer Trachtenbluse eingerahmt war. Durch diese Konstellation lernte Doktor Freud eines Tages auch Anette kenne, doch Anette hatte bereits einen eifersüchtigen Liebhaber namens Ferdinand. Das konnte Doktor Freud zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht wissen.

Und um meine Sprachkenntnisse zu untermauern, kommt jetzt noch die Übersetzung ins Wissenschaftliche:

Dr. Julius Freud war eine männliche Person von polygyner Disposition. Er nützte das narzißtische Potenzial seines Namens, um bei Personen mit dem Merkmal „weiblich“ eine erhöhte Awareness zu erzielen. Dies unterstützte er noch durch die gestische Betonung eines körperlichen Merkmals, das durch seine soziale Codierung Attributionen zu einer Person namens Sigmund Freud auslöst. Als Konsequenz zeigten die Zielpersonen folgende Reaktionen: Einerseits kam es zu einer Störung der Ich-Grenzen, andererseits zur Fehlattribution einer Verwandtschaft zwischen Dr. Julius Freud und dem bekannten Mitglied der psychoanalytischen Scientific Community Dr. Sigmund Freud.* In der Folge versuchten die betroffenen Personen eine Aufmerksamkeitsaktivierung des Dr. Freud (Genitiv!) zu erzielen, indem sie Reize setzten, von denen sie annahmen, dass sie implizite Schemata des Dr. Freud aktivieren könnten. Dazu wählten sie Themen latenten oder manifesten sexuellen Inhalts (besonders schöner Genitiv). Dies führte zwar nicht zum geplanten Ergebnis, führte in Doktor Freud aber dennoch zu einer positiven affektiven Reaktion, da Personen weiblichen Geschlechts auf Freuds Rezeption der dargebotenen Themen mit dem Erleben von Empathie und Akzeptanz reagierten. Durch dieses Erlebnis und die Aktivierung zentraler Repräsentationen von Stereotypen urbanen Lebens entstand in den weiblichen Versuchspersonen ein Zustand höchster sexueller Aktivierung. In Anstrebung eines Abbaus der daraus entstandenen psychosexuellen Spannung setzten sie die in ihrer sozialen Einheit namens „St. Marien am Walde“ eindeutig codierten Signale: „Heustadl“ und „Uhrzeit“. Dr. Freud war ein Mitglied jener sozialen Einheit mit dem Merkmal „ländliche Herkunft“. Als solcher verfügte Dr. Freud auch über innere Repräsentanzen des Reizes „Dekolltee in Trachtenbluse“, die durch den Anblick einer Einheit derselben aktiviert wurde. Durch die Abfolge dieser exemplarisch angeführten Ereignisse kam es zu einem noch näher zu bestimmenden Zeitpunkt zum sozialen Kontakt zwischen Dr. Freud und einer weiblichen Person namens Anette. Anette stand jedoch in sexuellem Konnex zu einer männlichen Person namens Ferdinand, die aufgrund pathologischer Verlustangst possessive Verhaltensweisen zeigte. Dieser Umstand hatte in Dr. Freud keinerlei kognitive Repräsentanz.

* Kommentar: Dr. Julius Freud stammt aus St. Marien am Walde und kam zum ersten Mal im Alter von 15 Jahren im Rahmen einer pädagogischen Veranstaltung mit Wien in Berührung.

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3 Responses to “Deutsch”


  1. 1 dpr April 5, 2008 um 9:44

    Von einer Österreicherin, meine Liebe, erwartet niemand besonders gute Deutschkenntnisse, außer Georg. Du solltest deinen Roman in der Version „wissenschaftlich“ veröffentlichen, dann lernt man auch noch was dabei und kann bei Bedarf problemlos auf Psychiater umschulen.

    Habe die Ehre
    dpr

  2. 2 krimi0krimi April 5, 2008 um 13:22

    Und ich könnte das Buch gleich als Habilitation einreichen. Dann hätten alle etwas davon.

  3. 3 krimi0krimi April 6, 2008 um 8:20

    Was mich schon wundert: Dass der Absatz um soviel länger wird, wenn man ihn ins Wissenschaftliche übersetzt. Ich dachte immer, Substantivierunge sind platzsparend, weshalb man sie in wissenschaftlichen Publikationen, wo das Papier fünfmal soviel kostet wie normalerweise, flächendeckend einsetzen sollte. Aber anscheinend passiert das Gegenteil, wie man hier sieht: Es wird länger.

    Eigentlich logisch, wenn man ein kontrolliertes Experiment unternimmt:

    „Er singt“ ist sechs Buchstaben und ein Leerzeichen kürzer als „er betreibt Gesang“. Das summiert sich mit der Zeit. Da bin ich wohl einem Irrtum aufgesessen.


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