Und ewig lebt der Regonialkrimi …

„Und ruhig fließt der Main“ heißt die Krimi-Anthologie, die im K&N-Verlag erscheinen soll. Die Krimis sollen im Raum Mainfranken spielen, der Einsendeschluss wurde bis zum 30. April verlängert. Was ist das los? Gibt es nicht genug Krimis in Mainfranken? Oder liegt es daran, dass das Einzugsgebiet gar so genau definiert ist? Wörtlich: „Sie sollen in Würzburg, Randersacker, Volkach, Schweinfurt, Sommerhausen, Winterhausen, Rieneck oder in der näheren Umgebung spielen und dürfen auch bis Wertheim reichen.“ Genauere Informationen gibt es auf der Website der Mitherausgeberin →Simone Joest.

Zum Thema Regionalkrimi gibt es ein paar Fragen, die mich seit geraumer Zeit beschäftigen:
Erstens: Warum ist ein Regionalkrimi ein Regionalkrimi wenn er in →Oed spielt, aber nicht, wenn er in →Ney York City spielt? Oder ist „der Patient“ von John Katzenbach etwa ein Regionalkrimi bzw. Regionalthriller?

Zweitens: Warum steht „Hessenkrimi“ auf „Der Tote vom Maschsee“ von Susanne Mischke. Ich habe den als „Psychiatriekrimi“ gekauft. War das jetzt ein Irrtum und ich bin auf einen Regionalkrimi hereingefallen?

Drittens: Wo ist die Anthologie-Ausschreibung für Krimis aus Zipf wo das →Bier herkommt? Da will ich nämlich mitmachen.

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6 Responses to “Und ewig lebt der Regonialkrimi …”


  1. 1 dpr März 21, 2008 um 10:23

    Nun, liebe Frau Krimi,
    wenn etwa auf dem sehr empfehlenswerten Krimi „Verluste“ von Lawrence Block NEW YORK KRIMI stehen würde (ohne Bindestriche wahrscheinlich) und es im Text z.B. hieße „Sie rannten die Freiheitsstatue hoch, die ein Geschenk der französischen Regierung war und von der man einen wunderbaren Blick über den Hafen hat, was jährlich mehr als eine Million Menschen nutzen uswusf“, DANN wärs ein Regionalkrimi. Ein Krimi, der in Würzburg spielt, ist dagegen nicht automatisch ein MAIN KRIMI. Das Label „Regionalkrimi“ dient schlicht dazu, dort, wo der Krimi spielt, möglichst viele Exemplare zu verkaufen. Leider dient es manchmal auch dazu, schriftstellerische Kompetenz zu Gunsten touristisch-heimatkundlicher Sujets hintan zu stellen. Und gelegentlich gibt es sogar ausgewiesene Regionalkrimis, die richtig gut sind.

    bye
    dpr

  2. 2 krimi0krimi März 21, 2008 um 15:44

    Lieber Herr dpr,

    ich kenne natürlich →diese Diskussion hier. Weil man ja drüber stolpert, wenn man nach „Regionalkrimi“ googelt, was ich tu, weil’s mich interessiert (auch ich habe einen wachsenden Regionalkrimi in der Schublade liegen, der hoffentlich nach Deiner Definition am Ende dann doch keiner wird). Aber so auf den Punkt gebracht wie Du mit der Freiheitsstatue hat’s noch keiner.

    Und ich kenne das auch: Da kauf ich einen, weil er in der Nachbarschaft spielt und dann ist er zum Heulen, weil man glaubt, eine Volksschülerin habe ihn geschrieben. Zitat: „Er setzte sich auf einen Stuhl an den Tisch“. Das Buch fängt an mit: „Es war neblig“. Da weiß man gleich, woran man ist. Wie es heißt, mag ich gar nicht sagen, nur soviel: Es spielt in der Nähe von Zipf (jaja, es gibt Konkurrenz in der Region).

    Auf der anderen Seite liebe ich Krimis, die Fleisch auf den Knochen haben, mitten im Leben spielen und zwar in einem bestimmten Leben, einer unverwechselbaren Gegend mit unverwechselbaren Menschen, die auch ruhig außergewöhnlich sein dürfen. Einfach nur Mord, ein paar Verwicklungen, Aufkärung, das ist zu wenig.

    Da das Thema so heikel zu sein scheint, wundert es mich umso mehr, dass eine etablierte Autorin wie Susanne Mischke plötzlich in dieses Eck gestellt wird (keine Ahnung was sie selber dazu sagt). Die hat’s doch nicht nötig. Ob’s wirklich einer ist oder ob es nur draufsteht: Ich bin mir noch nicht sicher. Jedenfalls nerven mich manche der lokalen Anmutungen und wenn’s mich nervt, ist es verdächtig. Das hat dann meistens etwas damit zu tun, dass es eigentlich nicht zur Geschichte gehört, sondern aus anderen Gründen hineingeschrieben wurde. Ich werde ja sehen, was noch kommt.

  3. 3 Georg März 21, 2008 um 16:38

    Eigentlich ist die Sache ganz einfach: Entweder kann ein Autor schreiben, oder er kann es nicht. Wie Herr dpr schon sagte, ist die Marke „Regionalkrimi“ nur eine Werbeschublade der Verlage, die schon recht ordentlich nach hinten losgegangen ist.

    Meistens merkt man ja schon auf der ersten Seite, ob man weiterlesen sollte oder nicht. „Es war neblig“ ist noch gut. Aber „Er setzte sich auf einen Stuhl an den Tisch“ ist indiskutabel: Da lege ich das Buch wieder weg und suche ein gut geschriebenes.

    * Jaja, der dpr, der hat was drauf, gell?

  4. 4 krimi0krimi März 21, 2008 um 16:46

    Hallo Georg,

    ja, da hast Du Recht. Mit beiden: „Entweder kann ein Autor schreiben, oder er kann es nicht.“ Und mit: „Jaja, der dpr, der hat was drauf, gell?“ Man kann googeln was man will, immer landet man bei dpr.

    Frohe Ostern
    von Margit

  5. 5 dpr März 21, 2008 um 17:33

    Das Perfide an dieser Geschichte: Eigentlich ist das KONZEPT von Regionalkrimis wirklich begrüßenswert. Autor/Autorin schreiben über einen Landstrich, den sie gut kennen und dessen Menschen / Geschichten sie für ihre eigene Geschichte nutzen wollen. Das ist übrigens auch das Arno-Schmidt-Konzept, immer gewesen. Hockte der Mann an der Saar, schrieb er über die Menschen an der Saar. Überredete ihn Frau Alice zu einem Besuch in Ostberlin, schrieb er über Ostberlin. Hockte er „bei Celle“, schrieb er usw. Nur wenn er die Handlung auf den Mond oder nach Nordamerika verlegt hat, wurds schwierig, aber auch das hat er hingekriegt.
    Also nichts per se gegen „Regionalkrimis“. Meinethalben kanns sogar draufstehen, wenn sich ein gutes Buch dadurch besser verkaufen lässt.

    bye
    dpr


  1. 1 Frankenblog! Freiheit für Franken! Frei statt Bayern! www.bayern-wolln-mer.net Trackback zu April 11, 2008 um 14:51

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