Zu Tode gelacht – Blogkarneval

→Ludger Menke ruft anlässlich des dritten Geburtstags seines Krimiblogs zum zweiten Blogkarneval auf. Das Thema: Zum Totlachen komisch – der Krimi und der Humor.

Was hat Humor mit Krimis zu tun? Sind Krimis nicht eine ernste Angelegenheit? Gehört der sich denn, der Humor, wenn ein mehr oder weniger grausiger Mord geschieht, wie es in Krimis regelmäßig vorkommt? Ist Humor in Angesicht eines Verbrechens automatisch Galgenhumor, auch wenn Galgen in Krimis selten geworden sind?

Ich meine, auf den Galgen kommt es nicht an. Es tut’s auch ein klassischer Revolver, Strychnin, eine Nagelfeile oder mehr als 100 ml Flüssigkeit, wie sie derzeit auf Flughäfen als mögliche Mordinstrumente konfisziert werden. Nagelfeilenhumor klänge aber allzu lächerlich. Deshalb bleiben ich bei Galgenhumor. Unter Galgenhumor versteht man – so sagt es →Wikipedia – Witze oder Humor, die in eigentlich schlimmen Situationen gemacht werden. Wobei es sich nur um Galgenhumor handle, wenn der Betroffene lacht. Ansonsten spreche man, nachzulesen ebenfalls bei →Wikipedia, über Schwarzen Humor. Schwarzer Humor betrachte ernste oder makabre Themen wie Verbrechen, Krankheit und Tod in bewusst satirischer oder verharmlosender Weise. Wobei schwarzer Humor wieder abzugrenzen wäre von „krankem Humor“, bei dem nur Tabus gebrochen würden, aber das satirische Element fehle. Wobei zu fragen ist, ob es sich überhaupt noch um Humor handelt, wenn Frösche im Mixer püriert werden, was von Wikipedia als Beispiel genannt wird.

Und weil ich gerade so schön am Zitieren bin, darf natürlich Sigmund Freud nicht fehlen, der Witze als Ventil für die Auseinandersetzung mit gesellschaftlich tabuisierten Bereichen sieht (zitiert ebenfalls via →Wikipedia). Wobei Freud durchaus Unterschiede zwischen →Humor und Witz gemacht hat, für unsere Zwecke reicht es aber, die beiden als Verwandte zu betrachten, ich nehme sie also in Sippenhaftung. Was ein Witzchen an richtiger Stelle im Krimi bedeutet, kann auch der getragenere und edlere Humor und umgekehrt: Nämlich Entlastung bringen für Emotionen, die sich irgendwo in uns aufgestaut haben – und seien wir ehrlich: Ist das nicht auch das, was uns an Krimis reizt? Endlich einmal Zeugen eines Mordes werden oder gar uns so mit dem Täter identifizieren, dass wir den Mord quasi aus seinen Augen heraus begehen, wenn unsere Erziehung und gesellschaftliche Tabus es uns eben verbieten, die Nachbarin zu erschlagen, die uns seit zwei Jahren mit nächtlichen Geräuschen nervt? Wenn Krimis Ventile sind für unsere geheimsten und unausgelebten Bedürfnisse, so gehören Krimi und Humor fast zusammen, kann durch Humor doch auch austariert werden, was sonst gar unerhört erschiene.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Definition des Deutschen Humors nach Bierbaum, wonach Humor sei, wenn man trotzdem lacht (wieder zitiert nach →Wikipedia). Wenn Humor in diesem Zusammenhang ein Lachen ist, das in einer Situation der Gefahr und des Scheiterns auftritt, sich jedoch nicht gegen Dritte richtet, ist ein Krimi wohl ein guter Nährboden für Humor, denn Situationen der Gefahr sind wohl gerade typisch für diese Genre.

Natürlich gibt es auch bösartigere Formen des Humors und des Lachens, denken wir nur an die Schadenfreude, das mit einem verhöhnenden Auslachen einhergehen kann oder die höchste Stufe mörderischen Lachens, dem sardonischen Lachen, das laut Wikipedia auf die Urbevölkerung Sardiniens (lat. Sardoni) zurückgehe: Es bestand die Sitte, die alten Leute zu töten; dabei sollte gelacht werden. Dass es durchaus angezeigt ist, Lachen mit Misstrauen zu begegnen, zeigt ja schon das perfide kleine Sprichwort „Lachen ist die beste Art, dem Gegner die Zähne zu zeigen.“.

Wie man sieht, gibt es viele Arten des Humors, des Witzes und des Lachens, die ganz vortrefflich in Krimis passen. Der perfekte Lachen in Krimis ist aber das, das zum Tode führt. Denn der perfekte Mord ist der, der keine Spuren hinterlässt. Der perfekte Mord ist, wenn man dafür sorgt, dass sich jemand zu Tode lacht.

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2 Responses to “Zu Tode gelacht – Blogkarneval”


  1. 1 thewritingfranz Februar 25, 2008 um 10:33

    Es gibt einen Film von Monthy Python, wo es um einen tödlichen Witz geht. Jeder der den Witz hört, stirbt vor Lachen. Und so wird dieser Witz beim englischen Militär gelehrt, zum Kampf gegen die Deutschen. Jeder englische Soldat im Schützengraben kennt aber nur einen Satz dieses Witzes und so kann niemand den Witz erkennen und sich totlachen. Aus dem Schützengraben ruft daher in der richtigen Reihenfolge jeder – dabei seine Ohren zuhaltend – seinen Satz zu den Deutschen hinüber, die sich nach dem Letzten Satz totlachen.


  1. 1 krimiblog.de » Abschluss des zweiten Krimi-Blog-Karnevals Trackback zu Februar 26, 2008 um 10:09

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