Archiv der Kategorie 'Regionales&Lokales'

Zielgruppengerechtes Schreiben, Teil 1

→Herr Wörtche (hier steckt der Originalartikel!) schrieb letzte Woche einen →viel →beachteten →Artikel →über →zielgruppengerechtes →Verlagsmarketing. Krimis, so stellt er fest, werden heute häufig für Zielgruppen geschrieben und als korrekt definierte Zielgruppe nennt er zum Beispiel: “Frauen, die Fortsetzungskrimis mit einer wiederkehrenden Hauptfigur und psychologischen Aspekten lesen.” Die hohe Zahl von Kriminalromanen, die für Zielgruppen kalkuliert sind, schreibt er unter anderem Leuten wie mir zu: Autorinnen und Autoren aus dem Regionalsektor.

Genau, Herr Wörtche, aber glauben Sie mir, das ist eine Kunst. Denn wir schreiben nicht für eine Zielgruppe, sondern zumeist für mehrere. Da Reinhard gemeint hat, dass ich ausschließlich als Bloggerin auftrete und überhaupt nicht als Autorin, finde ich, dass es an der Zeit ist, einmal meine Schreibwerkstatt zu öffnen und zu zeigen wie das geht mit dem zielgruppengerechten Schreiben. Wie hier schon mehfach erwähnt, schreibe ich einen Regiokrimi über die Regio Salzkammergut. Der Krimi spielt im Vogelfängermilieu, Gegenspieler der Vogelfänger sind die Tierschützer.

Der erste Schritt ist die genaue Definition der Zielgruppen. Meine Zielgruppen sind:

Vogelfänger des hinteren Salzkammerguts, die →kein Viagra mehr nehmen, weil sie die Bäume nicht mehr verlassen, die sie zum Behufe des Vogelfangs erklommen haben, während ihre Gattinnen niemals Bäume erklimmen. Auf diese Zielgruppe muss schon bei der Ausstattung des Buches Rücksicht genommen werden: Wasserfester Schutzumschlag, rucksacktaugliches Format. Von Vorteil ist auch ein Lesebändchen, mit dem das Buch notfalls an Ästen befestigt werden kann, auch Give-Aways wie Trillerpfeifen der Klangnote “Fichenkreuzschnabel” sind von Vorteil.

Gattinnen der Vogelfänger, die sich derweil der Aufzucht der Kinder und der Pflege ihrer Liebschaften widmen. Die Bedienung dieser Zielgruppe basiert auf dem “Huch-Effekt”. Das sind die Leute, die zart erröten und “Huch” rufen, wenn auf einer Unterhaltung →Gstanzln zum Besten gegeben werden. Denn es sind anständige Leute, die nicht düpiert werden dürfen durch allzu derbes Vokabular, auf der anderen Seite suchen sie moralische Entlastung durch literarische Vorbilder. Sie sehen, Herr Wörtche, die Bedienung der Zielgruppen setzt ein profundes psychologisches Wissen voraus. Die unbewussten Wünsche der Zielgruppe gilt es zu identifizieren und zu treffen. Die Unbewussten! Keine dieser Damen würde zugeben, dass sie Zweideutigkeiten lesen will. Aber fehlen diese - zack, sind die Verkaufszahlen im Keller. Das muss man wissen.

Die dritte Zielgruppe sind natürlich die Tierschützer, Regiokrimis werden ja bekanntlich deshalb verkauft, weil die Leute sich selber im Buch sehen wollen. Jetzt gibt es das Problem, dass die österreichischen Tierschützer grad in →Untersuchungshaft sitzen. Da muss ich mir noch etwas überlegen und wahrscheinlich das ganze Buch umschreiben. Sind die Tierschützer bis jetzt heldenhaft mit Kameras bewaffnet in die Berge gestiegen, um das Unwesen der Vogelfänger zu dokumentieren, haben sie die Hunde der Vogelfänger heimlich mit veganem Futter gefüttert, bis sich die Vogelfänger über deren grünen Stuhl gewundert haben und horrende Tierearztkosten angefallen sind, taugt das alles jetzt nicht mehr zur Identifikation. Jetzt brauche ich einen Gefängnisplot mit korrupten Richtern und bestechlichen Gefängniswärtern. Und das gibt es natürlich alles nicht im Salzkammergut, ich muss also noch eine zweite Regio einbauen. Eine wirkliche Herausforderung.

Die vierte Zielgruppe sind die Wildererinnen, das sind die salzkammerguterischen Feministinnen. Diese Zielgruppe darf niemals vergessen werden, erlauben sie doch schließlich, dass das Buch auch in feministischen Buchhandlungen außerhalb des Salzkammerguts verkauft werden kann. Feministinnen, die nicht wildern und in Wien leben, werden sich mit dieser speziellen Spielart des Feminismus beschäftigen, ins Salzkammergut reisen und das Buch kaufen. Die Wildererinnen selbst tragen Lederhosen und Gamsbart und werden deshalb im Morgengrauen selten als Frauen identifiziert, denn die übliche weibliche Silhouette einer Person in Dirndlgwand unterscheidet sich sehr von der einer Person in Lederhose. Aus diesem Grund meinen viele Leute, dass es nur Wilderer gibt, das stimmt aber nicht. Ihr Geheimnis teilen die Wildererinnen mit den Vogelfängern, denn diese Personengruppen teilen sich den Wald um vier Uhr in der Früh. Das zentrale Agens dieser Gruppe ist also das Geheimnis und das spiegelt sich auch in ihren Lesevorlieben: Das Geheimnisvolle muss gut herausgearbeitet sein, es darf auch ruhig nebelverhangen und dämmerig sein, Sagengestalten sind kein Fehler. Außerdem sind die Wildererinnen Waffenfanatikerinnen, lange Schilderungen der technischen Möglichkeiten der Tatwaffen sind erwünscht.

Die fünfte Zielgruppe ist der Fremdenverkehrsverband Salzkammergut. Diese Leute kontrollieren alle Regiomedien, man muss sich also schon wegen der einzuplanenden Vermarktung gut mit ihnen stellen. Diese Leute stehen sich drauf, dass in Regiokrimis Leuten namens Hake vorkommen, die beim Moserwirtn nächtigen und zoologische Vergleiche zwischen Hirschen und Elchen anstellen. Oder Bayern. Der Fremdenverkehrsverband will sogar, dass diese Leute in Büchern größere Gamsbärte tragen als die Einheimischen, was natürlich im Widerspruch zu den Bedürfnissen der Zielgruppen eins und vier steht, andererseits wieder die Zielgruppe zwei anspricht. Oder Leute, die Lung Hoi heißen und ins Salzkammergut gereist sind, um die Gesänge der Eingeborenen zu studieren. Dann auch Leute aus dem Ruhrgebiet, die die gute Luft loben und Schriftsteller und andere Kunstschaffende aus Wien, die sogenannten Landwiener, aber das darf man nicht schreiben. Die Landwiener, hier kann ich es ja schreiben, hier sieht es niemand, kaufen beim Loden-Herbst einen Janker, essen bei der Sepplwirtin eine Gamswurst und werden auf einem Felsvorsprung nahe der Haller Alm von der Muse geküsst, worauf der Sonnenuntergang über dem Hallstättersee Eingang in die nächste Burgtheaterproduktion findet.

Wir fassen also zusammen: Dieses zielgruppengerechte Schreiben ist eine Kunst, die großes kuturelles Know How voraussetzt, psychologisches Verständnis, Sensibilität für die Bedürfnisse der Menschen, Hausverstand und Recherche. Wie man das macht, werde ich an Beispielen aus meiner laufenden Arbeit demonstrieren. Fortsetzung folgt!

Krimifestival Mörderischer Attersee

Ach, wie ich diese reißerischen Nonsense-Festival-Titel doch hasse. Als ob der Attersee mörderisch wäre. Schon, dass da jedes Jahr etliche Leute ertrinken, aber dann ist er doch eher gefährlich als mörderisch. Da werden einfach Begriffe aus Krimis heraustransferiert und völlig sinnlos auf geographische Gegebenheiten, wehrlose Abendgalen und andere unbelebte Objekte übertragen. Wo doch völlig klar ist, dass niemand →”Morden im Norden” besuchen würde und um den mörderischen Attersee würden die Leute einen großen Bogen machen, könnte man den Veranstaltern diesbezüglich auch nur einen Funken Glauben schenken.

In Wirklichkeit dürfte es sich aber einfach um Lesungen handeln und viele der bekannten österreichischen KrimischriftstellerInnen werden sich da einfinden. Wobei die Auswahl der SchriftstellerInnen etwas nach Syndikatstreffen ausschaut. Unter anderem lesen: Sabina Naber, Susanne Schubarsky, Stefan Slupetzky, auch die Psychotherapeutin Edith Kneifl, sie interessiert mich natürlich besonders. Organisiert wird das Fest von Beate Maxian und die vollständige Liste der deutschen, schweizer und österreichischen AutorInnen finden Interessierte →hier. Nebenbei kann man im Rahmen des Festivals mit einem Attersee-Schiff fahren und das EM-Finale auf Großbildleinwand ansehen. Da AutorInnen vermutlich selten randalieren, wäre das auch eine Option für →gefährdete Mitmenschen aus den USA.

Ich bin dann also einmal →dort, bringts mir inzwischen das Blog nicht durcheinander!

Gratis Fußballsong bei Hubert von Goisern

Das ist das Richtige zum Trost nach dem gestrigen verlorenen Spiel: Wir erinnern uns an das WM-Viertelfinale Österreich-Schweiz vom 2.6.1954. Nach einem Rückstand gewann Österreich schließlich 7:5. Kommentiert hat das Spiel Heribert Meisel. Hubert von Goisern hat die Reportage vertont, er singt jetzt praktisch im Duett mit Heribert Meisel, begleitet von seiner Ziehharmonika und der Band. Das emotionale, fiebrige und kuriose Stück heißt “ROTZ&WASSER” und das mp3-File kann während der EURo auf der Homepage des Künstlers gratis heruntergeladen werden. Aber nur während der EURO. Wer zu spät kommt, muss wohl die neue CD s’Nix kaufen, da ist es auch drauf.

→Hier geht es zu Homepage und Download.

Schon wieder schrieb ein Tiroler einen Krimi

Das müssen wird doch gleich hierher verlinken, dass es nicht untergeht. →Ludger Menke rezensiert Peter Oberdorfers Erstling “Kreuzigers Tod”. Oberdorfer sei 1971 in Innsbruck geboren, inzwischen ist er aber ein recht kosmopolitischer Tiroler, denn meine Recherchen ergaben, dass er jetzt in Thailand lebt. Dennoch spielt sein Krimi, der grad frisch bei dtv erschienen ist, “in einem österreichischen Dorf irgendwo in den Bergen” (zit. nach Menke).

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Mit “Ausländern” per Sie

Das muss ich doch gleich verlinken. Jurist →thewritingfranz berichtet auf seinem Blog über einen Gerichtsurteil und versieht es mit fachmännischen Kommentaren: Ein in Wien ansässiger steirischer Rechtsanwalt hat einen Tiroler Bürgermeister geklagt, weil er ihn immer duzte, was in Tirol der Brauch ist. Der Anwalt bekam Recht. Das und was ein “Wiener Du” ist, lesen wir beim →Standard.

Das Zitat des Tages und Krimis, die weder in Wien noch auf dem Lande spielen

Das Zitat des Tages stammt von Franz Schuh. “Krimis”, so wird er von der Presse →zitiert, “sind eine Großstadtgattung - außer sie spielen auf dem Land.”

Was meint der Mann damit? Kreiert er gerade das Bonmot des Jahres? Keineswegs, so erfahren wir in der Presse. Er wolle damit sagen, dass das Verbrechen Beton-Anonymität brauche oder Dorftratsch. Dazwischen gebe es wenig, in Österreich eigentlich nur eine Kulisse, die beides gut könne: Wien

Was meint der Mann damit? Das frage ich mich jetzt erst recht. Stimmt es etwa, dass Wiener den Rest der Welt nur als Land der →”Gscherten” wahrnehmen? Gut, Innsbruck ist weit weg, da kann es schon einmal passieren, dass Krimis wie →”Bergiselschlachten” von Lina Hofstätter oder →”Ein unerwarteter Besuch” von Reinhard Kocznar übersehen werden. Bludenz, Hauptschauplatz von Franz Kabelkas →”Letzte Herberge” ist freilich noch weiter weg. →”Tote morden nicht” von Beate Maxian spielt auf dem Land genauso wie in Städten wie Ingolstadt, München oder Vöcklabruck. Das ist da, wo der Herr Franzobel her ist, das ist der Mann aus dem Fernsehn, der aus dieser Fußballshow, der Fußballtexte schreibt. Früher einmal war er durch den Bachmann-Preis bekannt. Ernst Schmid lebt in Linz und seine →”Rita Lohmeyer” - Krimis spielen auch dort. Gut versorgt ist Klagenfurt: Dort erscheint gar vier Mal jährlich ein →”Klagenfurter Kneipenkrimi” von Roland Zingerle. Einer der wichtigsten Krimischauplätze Österreichs ist Graz: Immerhin wurde endet dort Wolf Haas’ →Brenner-Serie, und Wolf Haas dürfte sogar in Wien nicht ganz unbekannt sein. Auch Werner Kopackas und Thomas Schrems’ →”Zuadraht” spielt in Graz. Einen Brenner-Krimi hat Wolf Haas auch Salzburg vermacht. Salzburg ist zudem Schauplatz von →”Poseidons Erben” von Martin Sturmer. Aber gut, Salzburg ist auch schon wieder weit weg. Fast vor den Toren Wiens dagegen, in St. Pölten, ermittelt Manfred Wieningers →Marek Miert. Ebenfalls nicht weit weg wär’ das Burgenland, doch da finde ich nichts. Jedenfalls nichts, das in einer Stadt spielt und nicht in einem Zuschussverlag erschienen ist. Das mag daran liegen, dass es dem Burgenland an Städten mangelt. Wer etwas findet, möge es melden.

Und wie kommt Herr Schuh auf die Idee, dass von 50 österreichischen KrimiautorInnen 35 in Wien leben? Das wären ja nur 15 für den Rest Österreichs. Da gibt es aber unter anderem: Lina Hofstätter, Helmuth Schönauer, Beate Maxian, Franz Kabelka, Reinhard Kocznar, Ernst Schmid, Isabella Trummer, Werner Kopacka, Thomas Schrems, Martin Sturmer, Helga Weinzierl, Manfred Wieninger, Manfred Bauer, Roland Zingerle, Susanne Schubarsky, Irmgard Barta, Hans-Peter Vertacnik, es gibt sogar österreichische Krimiautoren, die so weit von Wien weg wohnen, dass es schon außerhalb von Österreich ist, zum Beispiel Gerhard Rekel in Berlin. Nicht mitgezählt sind jetzt zum Beispiel Leute aus ganz kleinen Verlagen, die man beim besten Willen noch nicht kennen muss, wie den neuen Kleinverlag →”Federfrei”, das wären allein bei Federfrei noch einmal vier oder fünf. Nicht mitgezählt sind auch die, die ich vergessen habe oder nicht kenne. Und wenn es außerhalb von Wien mehr als fünfzehn gibt, ist zu befürchten, dass es auch in Wien mehr als 35 gibt. Hat die Presse etwa nur Syndikatsleute gezählt?

Je länger ich diesen Presseartikel studiere, desto mehr komme ich zum Schluss, dass sich Herr Schuh und die Presse einfach nur über die - damals noch bevorstehende Criminale - gefreut haben, so sehr, dass sie gar nicht mehr aus Wien heraus wollten. Sonst hätten sie nicht übersehen können, dass es zwischen Großstadt und Land noch ein paar gar nicht so unbekannte Krimistädte gibt. Mit Venedig als Schauplatz solll man sogar richtig Geld verdienen können.

Mein Portrait

Weil sich die Anfragen nach einem Bild von mir häufen, hat mich →thewritingfranz freundlicherweise portraitiert. Im Hintergrund ist übrigens der Dachstein. Herzlichen Dank!

Portrait

“enterisch”

Ich war letzte Woche auf einem Psychiatriekongress und habe gelernt, dass es “enterisch” sei, wenn man als Frau in der Nacht allein in hässlichen psychiatrischen Altbauten unterwegs ist.

Nein, ich habe mich nicht mit →Gastroenterologen unterhalten, den Spezialisten für enterische Dinge. “Enterisch” kommt in diesem Fall von “entn” und das bedeutet in der regionalen Sprache “drüben”. “Enterisch” ist dann also “dem Drüben zugehörig”, jenseitig also. Das sagt viel über österreichische Spitalsbauten aus.

Zielscheibe

Mein Salzkammergut-Coach →thewritingfranz erzählt auf seinem Blog die Geschichte der →Zielscheibe aus meinem Spurensicherungsquiz.

Der Spurensicherungsquiz - die Auflösung

Tataa und Tusch! Hier ist die Auflösung des Spurensicherungsquiz:

Die Waffe, mit der auf die →Scheibe geschossen wurde, heißt “Stahel”, das Geschoss ist ein Bolzen.

Der “Stahel” ist die Waffe, mit der Wilhelm Tell einst auf den Apfel schoß, außerhalb des Salzkammerguts heißt sie auch Armbrust.

Das →”Stahelschießen” ist Teil des Brauchtums im Salzkammergut. Zu festlichen Anlässen treffen sich die Schützen in ihren Trachten und schießen auf handbemalte Zielscheiben. Trifft einer genau in die Mitte (es wird eine Zielscheibe aus Karton auf die handbemalten Holzscheiben genagelt), wird automatisch ein Böllerschuss ausgelöst, ein bunt bekleideter Mann namens “Zieler” wälzt sich auf Tannenreisig und stößt laute Jugichzer (Jauchzer) aus. Gleichzeitig fangen ein Seitlpfeifer und ein Trommler an zu spielen.

Ich danke →thewritingfranz, dass er die Zielscheibe, die an der →Rathlucka-Hütte hängt, für mich fotografiert hat und dafür, dass er mir diese Bräuche, in die nur Einheimische wirklich eingeweiht sind, immer wieder erklärt. Als Dankeschön habe ich ihm einen Link auf seinen →Pius-Waldner-Rap versprochen. Da dieser perfekt zum Thema “schießen und erschossen werden” passt, setze ich ihn an dieser Stelle gern.

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