Archiv für Oktober 2008

Medizinische Fachsprache

Herr Hypnosekröte gibt auf seinem Blog eine →Einführung in medizinische Fachsprache und Strappato →ergänzt das Thema um das Kapitel „Abkürzungen“. Der einzige Sinn und Zweck dieser komplizierten Termini scheint darin zu liegen, deren Anwender zu sekieren und zu verunsichern. Sehr empfehlenswert!

Amerikanischer Fleiß – National Novel Writing Month

Übermorgen beginnt er wieder: Der November, der von einem Team um Chris Baty aus Kalifornien zum „National Novel Writing Month“ ausgerufen wird. Ziel des Projekts ist, im November einen 50000 Wörter starken Roman zu schreiben, jeder und jede, der/die das schafft, wird zum „Gewinner“ oder zur „Gewinnerin“ ernannt.

Dabei wird nicht erwartet, dass druckreife Bücher entstehen (wenngleich das immer wieder vorkomme, zumindest nach einer Überarbeitung), vielmehr gehe es um den Prozess des Schreibens: Den Mut, einfach draufloszuschreiben, ohne viel zu hinterfragen und zu sehen was passiert. So soll man unter Umständen „Flow“ herbeirufen können. Dass es lustiger wird und wohl auch, um sich gegenseitig über Tiefen zu helfen, pflegen die TeilnehmerInnen Kontakte: Sie treffen sich, trinken starken Kaffee, kommunizieren über das Internet. Bei einer eigenen „→Procrastination Station“ kann man sich dort auch noch die Zeit vertreiben, ohne am Roman zu schreiben, zum Beispiel in der Abteilung „Scare yourself with your own writing“.

Der „National Novel Writing Month“ ist inzwischen nicht mehr „national“, sondern international, die Homepage allein schon fünfsprachig, unter anderem Deutsch. Letztes Jahr soll es über 100000 Teilnehmer und 15333 Gewinner gegeben haben.

Links:

→NaNoWriMo

→NaNoWriMo Blog

→NaNoWriMo auf Deutsch

Amerikanischer Humor – How to look like Sarah Palin

Psychiaterregiokrimi

Ich mag Psychiaterkrimis. Und ich mag Regiokrimis. Jetzt habe ich gerade einen in der Reißn, der beides ist: Regiokrimi im Vorarlbergischen und vermutlich Schwäbischen (gleich hinter der Grenze) und – hm, eigentlich Psychosomatikkrimi. Das Buch heißt „Dünne Haut“ und stammt von einem Autoren, der Franz heißt (Regiofaktor), Lehrer ist und an der Schule unterrichtet, an der ich maturiert habe (Regiofaktor!). Außerdem ist das Buch beim Haymon-Verlag erschienen, das ist ein paar Straßen weiter nördlich von meinem jetzigen Standort. Mehr Regio kann ein Buch mir gegenüber gar nicht mehr sein. Das muss etwas Gescheites sein, →Ingeborg Sperl vom Standard hat es auch gefallen.

Franz Kabelka: Dünne Haut, Haymon 2008

Lose Enden

Ich habe jetzt schon sehr lange keinen Krimi mehr gelesen, bei dem ein Fall am Ende ordentlich gelöst wird. Ich frage mich jetzt:

  • Ist das eine Modeerscheinung? Praktisch ein „must have“ in der Saison 2008?
  • Wird der Krimi dadurch „literarisch“?
  • Sind die ErmittlerInnen heutzutage alle so unfähig …
  • … oder die AutorInnen zu faul, den Krimi ordentlich zu Ende zu schreiben?

Klinische Erzählforschung

Warum ich keine Zeit zum Bloggen habe: Einer der Gründe ist die →“Tagung für Klinische Erzählforschung und Erzählpraxis“ in Zürich, von der ich gerade zurückgekehrt bin und auf der wir ein Poster präsentiert haben. Das ist natürlich ein interdisziplinäres Gebiet und so haben sich in Zürich PsychologInnen, MedizinerInnen, LinguistInnen und auch KünstlerInnen einträchtig zum Austausch von Erkenntnissen und Erfahrungen eingefunden. Ein sehr spannendes Umfeld, denn die Zugänge sind natürlich entsprechend unterschiedlich.

„Klinische Erzählforschung“ beschäftigt sich mit allen möglichen Arten des Erzählens im klinischen, das heißt psychologischen, psychotherapeutischen und medizinischen Kontext. Ein Beispiel:

Frau Gabriele Lucius-Hoehne referierte über die Merkmale „gelungener“ und „nicht gelungener“ Erzählungen im Dienste der Bewältigung traumatischer Erfahrungen. Eine Erzählung trägt dann zur Bewältigung einer traumatischen Erfahrung bei, wenn das Trauma neu gestaltet wird, die „Ich-Person“ mehr Kontrolle bekommt oder etwa dem Geschehen Sinn verliehen wird.  „Narratives Bewältigen schafft neue Tatsachen“ habe ich mir als Schlagwort aufgeschrieben.

Nun trägt aber beileibe nicht jedes Erzählen dazu bei, ein Ereignis besser zu bewältigen, das wissen wir heutzutage und sind sehr vorsichtig und begrenzend, wenn jemand ein Trauma erzählen will. Weil´s ja genauso gut sein kann, dass jemand nicht neue Tatsachen schafft. Im besseren Fall.  Und im schlechteren Fall die damaligen Gefühle wieder eins zu eins erlebt, also retraumatisiert wird. Frau Lucius-Hoehne hat die sprachlichen Unterschiede zwischen im Sinne einer Bewältigung „gelungenen“ und „nicht gelungenen“ Geschichten sehr plastisch herausgearbeitet.

Welche klinischen Konsequenzen sich daraus ziehen lassen, war nicht Inhalt des Vortrags, aber ich halte es schon einmal für klinisch relevant, Hinweise zu haben, ob sich jemand mit dem Erzählen etwas Gutes tut oder nicht. Es gibt natürlich auch klinische Hinweise, aber wenn sprachliche Kriterien dazukommen, wird es einfach deutlicher.

Und weiter gedacht: Kann man eventuell „Bewältigungserzählen“ durch gezielte Interventionen fördern, wenn man weiß, worauf es ankommt? Ich weiß es wirklich nicht, die Frage ist komplizierter wie sie ausschaut. Frau Lucius-Hoehne hat das Problem erwähnt, dass wir es mit eine klassischen Henne-Ei-Frage zu tun haben, wenn jemand eine „gelungene Bewältigungsgeschichte“ formuliert. Sind die sprachlichen Gestaltungsmöglichkeiten Voraussetzung oder Ergebnis der Bewältigung eines Traumas? Im ersteren Fall könnte man vielleicht „Bewältigungsgeschichten“ üben und die Voraussetzung schaffen. Im zweiten Fall hälfe Üben auch nichts, denn das unbewältigte Trauma wäre selber der Grund für die Unmöglichkeit „gelungener“ sprachlicher Gestaltung.

Und was machen wir selber? Der Inhalt unseres Posters? Wir versuchen in Alltagserzählungen mittels der von Frau Brigitte Boothe in Zürich entwickelten „Erzählanalyse Jakob“ psychodynamische Konflikte zu identifizieren und untersuchen dann, ob diese mit Veränderungen im Hormon-und Immunsystem einhergehen.

Leider wurde selbst in diesem Umfeld immer wieder spürbar, dass es sich innerhalb von Psychologie und Medizin um ein absolutes Randgebiet handelt. Immer wieder wurde die Frage gestellt, warum das alles überhaupt interessant sei und die Forschungsmethoden stoßen in einer Welt, in der ansonsten die randomisierte Doppelblindstudie herrscht, immer wieder auf Unverständnis, der Ruf nach Gruppenvergleichen ist nie weit. Selbst im geschützen Rahmen Gleichgesinnter herrscht immer wieder – so kommt es mir vor – Erklärungs- und Rechtfertigungsbedarf. Hoffen wir, dass dieser Bereich nicht aus Psychologie und Medizin hinausrationalisiert wird.

Bezüge?

Wenn ein „rasender Abgeordneter“, dessen Mitarbeiter Heider heißt, Horst Heider, plötzlich einen braunen Kärntneranzug trägt, obwohl Kärnten bis dato im Krimi gar keine Rolle spielt und der Krimi 2006 erschienen ist, wie darf man das im Oktober 2008 verstehen?

* ratlos

* konsultiert ihr Skriptum: „Einführung in die Methoden der Literaturwissenschaft“

* immer noch ratlos

in: Manfred Wieninger, Kalte Monde, Haymon 2006 oder als Taschenbuch beim Unionsverlag 2008

Das Rätsel ist gelöst, das Kasperltheater beendet

Das Rätsel um →Ludgers Kasperle, →meinen Duschvorhang →und →all →die →anderen →schönen →Gegenstände aus →Portugal ist gelöst: Die Spur führt zur Homepage von →Roderick van Larven und seinem →Killer-Club, einem Podcast-Projekt des Droemer Knaur Verlags. Wie das Rätsel gelöst wurde, kann man bei →literatina.de nachlesen.

Der Killerclub lobt gerade einen →Wettbewerb aus, man kann dort Miglied werden, ein „Mordkonzept“ einreichen und über die Konzepte der KollegInnen abstimmen. Das beste Konzept wird von einem „professionellen Autoren in eine Kurzgeschichte verwandelt“ und von „der Killerclub-Stimme“ vertont. Die besten fünf gewinnen Krimi-Abos. Meine Güte, das ist für mich wieder so eine ambivalente Geschichte. Einerseits ist es ein schöner Wettbewerb, es ist für aufstrebende KrimischriftstellerInnen sicher interessanter, sich an „Profi-Autoren“ zu messen und im Ambiente eines großen Verlags vertont zu werden als an Honigbienenkrimiwettbewerben teilnzunehmen um ein Glas Honig zu gewinnen. Andererseits: Muss man unbedingt Mitglied in einem „Killer-Club“ werden, wenn man ein Konzept für eine Krimi-Kurzgeschichte einreichen will? Diese Event-Sprache mit all ihren Killerclubs, Mördermahlen und Todestreffen ist mir einigermaßen suspekt. Und warum dürfen die Leute die Geschichte nicht selber schreiben? Wenn wir schon gegen Fitzek antreten, dann aber richtig. Wie auch immer: Die Informationen zum Wettbewerb gibt es →hier (pdf).

Kasperltheater

Jetzt hat Ludger Menkes Kasperltheater auch auf Österreich übergegriffen, wird also zum Kaschperltheater.

Das Kaschperltheater nennt sich auch →ARG („Alternate Reality Game“) und ist wirklich arg, weil es Menschen auch ängstigen kann, wie man bei „→Kossi“ nachlesen kann. Ehrlich gesagt, hätte ich nicht bei Ludger gelesen, dass Kuverts aus Portugel erwartet werden, hätte ich mir auch meinen Teil gedacht. Wir sind hier in Österreich und es gibt immer noch Leute, die nicht an die Einzeltäterhypothese glauben, was die Briefbombenattentate der 90er Jahre betrifft. Allerdings bin ich zu unbedeutend, eine Briefbombe zu erhalten. Meine Güte, was schäme ich mich für diese Idee, das war wohl der galoppierende Narzissmus.

Also, in diesem Riesenbrief, den ich auch Portugal bekommen habe, steckte ein Duschvorhang. Und das ist jetzt also ein Teil dieses ARGs, das – so habe ich heute nachgelesen – ein großes Rätsel ist, das Leute gemeinsam lösen sollen.

Viele der Beteiligten haben sich inzwischen in →Ludgers Blog und im →Literatina-Forum versammelt und versuchen den Fall zu lösen. Bei Ludger will die Gerichtsmedizinfraktion gerade eine Krawatte sezieren. Es wird erwartet, dass am Ende eine Kampagne für ein neues Buch steht und der Hauptverdächtige sei Sebastian Fitzek, der seine Täterschaft aber leugne. Da sieht man einmal, wie wirksam diese Werbung ist. Einmal hat er so etwas gemacht und jahrelang wird er verdächtigt. Wie im richtigen Leben. Ich schlage also vor, den Hauptverdächtigen Tag und Nacht zu beschatten. Auch wie im richtigen Leben Krimi.

Wer muss über Kamerun schreiben?

Da findet sich in den Suchwörtern, die hierher führen, Folgendes: „ich wenig muss über kamerun schreiben“

Das klingt allerdings arm. Nicht verzweifeln! Nur fragen, ich helfe gerne.

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Robert Pucher: Katerfrühstück, Prolibris 2006

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