Archiv für August 2008

Top-Suchergebnisse, die die Welt nicht braucht

Das ist eine schön schrullige Blogparade, ganz nach meinem Geschmack:

→Top-Suchergebnisse, die die Welt nicht braucht

Gestartet hat die Blogparade Stefan Manske vom Blog „→Alter Falter“. Das Blog trägt den Untertitel „Noch ein Blog, das die Welt nicht braucht. Und umgekehrt.“ Das Thema ist für eine nicht suchmaschinenoptimierende Normalbloggerin wie mich gar nicht so leicht zu verstehen. Ich lasse am besten den „alten Falter“ selbst sprechen:

Bei manchen Keywords und Keyword-Kombinationen ist man stolz darauf, dass die eigene Homepage auf Top-Positionen in den berühmten SERPs erscheint – den Search Engine Results Pages, also den Ergebnisseiten der Suchmaschinen. Über diese Keywords oder Keyword-Kombinationen freut man sich in der Regel heimlich, damit die Konkurrenz nicht auf den Geschmack kommt, ihre Seiten ebenfalls auf diese Begriffe hin zu optimieren.

Tja, und dann gibt es eben auch Top-Suchergebnisse, die die Welt nicht braucht! Das sind für mich Keywords und Keyword-Kombinationen, bei denen ein Link auf die eigene Homepage ganz oben in den SERPs rangiert, Platz 1 bis 10, ohne dass man die jeweiligen Artikel darauf hin optimiert oder das Ganze irgendeinen sittlichen Nährwert hätte.

Es geht also um Top-Positionen bei Google und zwar solche ohne „sittlichen Nährwert“, was immer das heißt. Ich denke einmal, →“Fußballsong Oh Oh Oh Oh“ ist so etwas. Das hat bestimmt keine sittlichen Nährwert, aber ich bin die klare Nummer eins.

Leider auf Platz drei gesunken bin ich bei „→Falscher Relativsatz“. Da war ich schon einmal die Nummer eins. Mit einem literarischen Begriff die Nummer eins zu sein, hat mich →damals schon sehr gefreut. Allerdings habe ich seinerzeit quasi drauf „optimiert“, ich habe den Begriff zwei Mal in zwei Tagen verwendet, das zählt hier dann also praktisch nicht.

Unangefochtene Nummer eins bin ich dagegen bei „→Ejakulationsfraktion“. Das ist eigentlich ein Freudscher Vertipper, es hieße „→Ejektionsfraktion“, doch obwohl es das Wort gar nicht gibt, meldet Google immerhin 10 Ergebnisse und anscheinend wird auch danach gesucht. Bei mir war es damals ein →Zitat, urprünglich habe ich es beim →Assistzenarztblog gesehen.

Mein aktivster Suchbegriff momentan ist aber →“Begegnung mit dem Serienmörder“ da bin ich aktuell auf Nummer zwei hinter Amazon. Das ist bemerkenswert, da es sich um einen Buchtitel handelt und sich haufenweise Buchhandlungen hinter mir anstellen müssen. Das ist wahrscheinlich ein Begriff, auf den man optimieren könnte, weil er Geld bringen könnte. Mir aber nicht. Ich verkaufe das Buch nicht und verleihe es nicht und habe nicht optimiert, auf diesem Blog ist das wirklich ein Begriff ohne „sittlichen Nährwert“. Ich habe das Buch nicht einmal gelesen, es kommt hier mehr →beiläufig vor. Jedenfalls kommt der Verlag nach mir, weiters die Zeitschrift „Brigitte“, eine weitere „Amazon-Seite“, der „Stern“ und der „Spiegel“. Das ist doch einmal ein Trimph. Ein Triumph, den keiner braucht.

Ich räume auf – neue Kategorie

Den Schreibtisch und das Blog. Die Medizin bekommt jetzt eine eigene Kategorie.

Pffffft

Fertig! Alles abgeschickt! Wooooochenende!

Etiquette based Medicine

Pause von der Pause – Medblogs.de

Ergänzung vom 27.8.2008: Nach einem Hinweis von Dr. Cvachovec (siehe die Kommentare), dass dieses Verzeichnis ohne zu fragen ganze Artikel übernimmt und das sogar von Leuten, die sich gar nicht angemeldet haben, streiche ich meine freudige Ankündigung wieder durch. Außerdem lerne ich daraus erstens, dass man mit Vorschusslorbeeren vorsichtig sein sollte und zweitens, dass man Pausen niemals unterbrechen sollte.

Da ich mich durchaus als Teil der Medizinblogs-Vernetzungsbemühungen sehe, fühle ich mich schon wieder aufgefordert, meine →Pause zu unterbrechen.

Seit gestern anscheinend gibt es →Medblogs.de, einen „Webkatalog deutsprachiger Medizin-Blogs“. Gegründet wurde das Verzeichnis von Hans Kolpak aus Viersen und es ist seinem Alter gemäß noch fast leer. Was soll man da sagen? Wer gefunden werden will, hat – so scheint es – demnächst die besten Möglichkeiten.

Gefunden via Link hierher.

Pause von der Pause – Medicalblogs

Ich mache kurz Pause von meiner Pause, um einen aktuellen Hinweis zu posten: →Jurabilis.de, ein juristisches Metablog, →verlinkt auf die hier aufzufindende →MedizinerInnenblogliste und meint, dass sich die Juristen einen satten Vorsprung gegenüber anderen Branchen herausgearbeitet haben dürften. Ein Meta-Portal analog zu Jurabilis.de →Jurablogs.com scheine noch nicht etabliert zu sein. Sodann meldet in einem Kommentar ein Herr Jens, dass gerade ein medizinisches Metablog entstanden sei. „Billige Kopie von ‘Jurabilis.de’ ‘Jurablogs.com’“, kommt umgehend der Stoßseufzer der Juristen.

Dieses Metablog ist erreichbar unter den Adressen →www.medicalblogs.de und →www.medizinische-blogs.de und befinde sich seit 19. August in einer öffentlichen Beta-Phase.

Bisher nehmen drei Blogs teil: →Homöopathie vom Arzt, →Krebscafé, und →medizin-im-text. Alle drei habe ich bis jetzt nicht gekannt und sie sind anscheinend auch durch den Rost der →intensiven →Vernetzungen gefallen, die in der →MedizinerInnen-Blogsphäre (Blogroll!) in den letzten Monaten erfolgt ist. Gut, „Homöopathie vom Arzt“, verfasst von Frau Dr. Ilse Prinz aus Dieburg, scheint es erst seit dem 16. August zu geben, das muss erst noch gefunden werden. Das „Krebscafé“ erscheint seit März 2008 und es gehört Herrn Andreas Thies aus Benningen. Leider erfahren wir nicht mehr über Herrn Thies. Bei Gesundheitsthemen fände ich es interessant zu wissen, wer jetzt da schreibt: Ein Arzt, ein Medizinjournalist, ein Betroffener, ein Interessierter? „Medizin-im-text“ schreibt Frau Dr. Dunja Voos aus Pulheim, sie sei Arbeitsmedizinerin und Medizinjournalistin und bloggt vorwiegend über Psychosomatik und Psychoanalyse. Das Blog gibt es schon seit November 2005. Nach Blogs mit Psycho-Themen habe ich ja seinerzeit – für meine Liste – händeringend gesucht, dieses hier ist mir entgangen. Umso schöner, dass es noch eins gibt.

Das Metablog →medizinische-blogs.de verlinke →“aktuelle Inhalte von Weblogs mit medizinischen Themen“. Jetzt frage ich mich nur, was „medizinische Themen“ sind. Geht es hier um medizinische Inhalte oder Themen aller Art? Sehr viele der MedizinerInnen schreiben nämlich keineswegs Fachartikel, vielmehr bloggen sie Schwänke aus ihrem ereignisreichen Arbeitsalltag. Ich bin schon gespannt was da kommt. Noch ist für mich nicht erkennbar, wohin der Weg führt. Ich wünsche jedenfalls einen guten Start.

Bemerkung: Der Artikel wurde nach einem Hinweis von Johannes berichtigt.

→Ich bin dann mal wieder weg.

__________

Ähnliche Artikel:

→Blogs von Ärztinnen und Ärzten und deren Nachwuchs

→Medizinblogs – die Vergessenen

Pause

Da ich derzeit sehr an diversen Abgabeschlüssen leide, wird hier bis Ende August, also diese Woche, nicht mehr gebloggt.

Weil auch die AutorInnenserviceabteilung geschlossen hat, verweise ich auf →Jörn Brien, der die neusten Krimiwettbewerbe ankündigt. Es gibt wieder einmal Themen für SpezialistInnen: Zu „Senf“ und zu „Weberei“.

Neu im Schaufenster – Paulus Hochgatterer – Die Süße des Lebens

2006 erschienen, ist es ja schon fast ein alter Hadern, respektive →Klassiker des österreichischen Psychiaterkrimigenres, respektive ein prospektiver Klassiker, soweit man das jetzt schon sagen kann. Als ich das Buch das erste Mal gelesen habe, so einfach einmal durchgelesen, hat es mir gar nicht so gefallen, es ist ein bisschen umständlich, ein bisschen kompliziert, manchmal ein wenig langsam, springt zwischen Schauplätzen und Erzählperspektiven. Die Leute, die da herumgeistern, sind ein bisschen normal und ein bisschen schräg zugleich. Alltäglich, aber nicht ganz. Nichts, das man gut zwischen Tür und Angel liest. Wenn ich das will, dachte ich damals, brauch ich keinen Krimi lesen, da tut es auch ein gewöhnlicher Roman.

Jetzt habe ich das Buch aber mit mehr Aufmerksamkeit und Muße gelesen und es schätzen gelernt. Es ist einfach ein Buch, das wunderschöne und weise Sätze enthält. Einen habe ich ja →bereits zitiert:

Vielleicht wird man als Mediziner Psychiater, dachte er, wenn man den Geruch von Fußschweiß nicht verträgt.“

Es gibt da auch Déjà-vu Erlebnisse, was die Zusammenarbeit mit KollegInnen anderer Fachrichtungen anbelangt:

Im Stiegenhaus sah Horn die Zuweisungszettel durch. Er ordnete sie nach Stockwerken, von oben nach unten, wie immer. Sieben Stück, drei davon von der Orthopädie, der kleinsten Abteilung des Hauses. Köhler hatte Dienst gehabt, das erklärte die Sache. Er war erstens ein Angstneurotiker wie aus dem Lehrbuch und zweitens psychiatrisch eindeutig überinteressiert. Anfangs hatte ihn Horn mehrmals gehänselt – die Hammerzehe sei wahrhaftig ein komplexes psychosomatisches Phänomen und so in der Art, doch das hatte augenblicklich zu einer Vervielfachung der Konsiliarzuweisungen geführt, und Horn hatte es lieber wieder bleiben lassen.

Dann erfährt man auch einiges über die Welt außerhalb der Psychiatrie, zum Beispiel sind Literaturkritken gängiger populärwissenschaftlicher Werke in diesem Werk enthalten:

Am liebsten ereiferten sich die beiden über die Aufgeblasenheit gewisser selbsternannter Kapazitäten der Kriminalpsychologie, die großspurig behaupteten, sie seien „Profiler“ und Bücher mit Titeln wie „Monster Mensch“ oder „Was mich Geoffrey Dahmer lehrte“ schreiben. Dieser Schrott wird dann an Leute mit Aggressionshemmung und niedrigem Intelligenzquotienten verkauft“, pflegt Demski zu sagen und Bitterle nickte mit glühenden Wangen. Er ist klug und bescheiden, dachte Kovacs – wesentich ist, dass sie sich gegenseitig für gescheit halten, das erzeugt offenbar Vertrautheit.

Das Buch beantwortet übrigens teilweise die Frage, →warum →ich Krimis lese Weil sie mir – im besten Fall - meinen Job und ein bisschen mehr erklären.

ÄrztInnen und ihr Cover

„Judging a book by its cover“* (→pdf) ist der Titel eines Artikels, der 2005 im ehrwürdigen British Medical Journal erschienen ist. Gemeint sind aber nicht Bücher, sondern ÄrztInnen, die hier anhand ihrer Kuvertüre, sprich ihres Aussehens beurteilt werden. Marianne J. Lill und Tim J. Wilkingson haben PatientInnen zu ihren Meinungen über ÄrztInnen-Mode befragt. Das Ergebnis: Die PatientInnen bevorzugen einen semiformellen Stil, der von einem Lächeln begleitet wird, gefolgt von einem semiformellen Stil ohne Lächeln, dann folgt der weiße Mantel. Jeans sind noch akzeptabel, Piercings, kurze Tops und Ohrringe bei Männern sind absolut unbeliebt. Modebeispiele gibt es →hier als pdf. Die PatientInnen wollten in dieser Studie mit ihrem Vornamen angesprochen werden, das dürfte wohl kurlturspezifisch sein und außer für Neuseeland eventuell noch für Schweden, die USA , Tirol und das Salzkammergut zutreffen. Dagegen möchten sie, dass ÄrztInnen sich mit ihrem vollen Titel und Namen vorstellen und ein Namensschild tragen. Das ist in Tirol wiederum überflüssig, da die Leute eh „Du Dokchta“ sagen oder „Du Dokterin“. In Österreich gibt es übrigens einen Rechtsanspruch darauf, mit „Sie“ angesprochen zu werden, das wissen aber viele nicht. →Thewritingfranz berichtete vor einiger Zeit.

In der Detailauswertung stehen lange Ärmel, zurückgesteckte Haare, lange Kleider und geschlossene Schuhe an der Spitze der Beliebtheitsskala, der weiße Mantel kommt erst an achter Stelle. Gefärbte Haare, starkes Make Up, kurze Tops und Gesichtspiercings sind ganz unbeliebt. Auch hier bemerkt man Kulturunterschiede, lange Kleider sehe hierorts ich eigentlich nie, geschlossene Schuhe kann man fast nur bei ChefärztInnen, InternistInnen und NeurologInnen finden. Eventuell noch bei KonsiliarärztInnen in Häusern mit Pavillon-System, da diese Leute ständig im Freien herumlaufen. Das sind dann aber eher Sportschuhe und die sind in dieser Studie wiederum eher unbeliebt. Der Rest trägt birkenstockähnliche Gesundheitsschlapfen oder Croqs, OP-Menschen gerne Holzschlapfen oder Croqs. Croqs wurden allerdings vor kurzem in manchen Spitälern verboten, da sie sich elektrostatisch aufladen sollen, die Firma will jetzt eigene Krankenhaus Croqs entwickeln, berichtete unter anderem der →Kurier.

Zum Thema „lange Ärmel“ gibt es übrigens einen sehr aktuellen Artikel mit dem Titel „Ditch that white Coat“ (→pdf), auf Deutsch in etwa „Werdet den weißen Mantel los“. ÄrztInnen von heute sollten „bare below the elbows“ sein und zwar aus hygienischen Gründen, weil nackte Haut einfach besser zu desinfizieren sei als lange Ärmel. Der übliche weiße Mantel sei „outlawed als a health hazard“, ein Gesundheitsrisiko also. Also: Nicht alles, was den Leuten gefällt, ist auch gesund, das ist im Krankenhaus nicht anders als außerhalb.

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* Der vollständige Titel heißt: Judging a book by its cover: descriptive survey of patients’ preferences for doctors’ appearences and mode of address

Sind Begegnungen mit einem Serienmörder wirklich kurios?

Jörn Brien von →eliteratur.de berichtet über den Wettbewerb des kuriosesten Buchtitels bei →Börsenblatt.net. Führend sei der Titel: „Begegnung mit dem Serienmörder. Jetzt sprechen die Opfer“ von Stefan Harbort. Das ist wirkich kurios. Dass so ein gewöhnlicher Titel der kurioseste Titel sein soll, meine ich. Außerdem verstehe ich nicht, was an Titeln wie: „1000 Fragen an die Hebamme“ oder „Gräber selbst gestalten. Individuell Stilvoll Pflegeleicht“ oder „Das heutige Englisch: Wesenszüge und Probleme“ kurios sein soll. Am besten gefällt mir noch „Idylle mit ertrinkendem Hund“, das ist ein Buch von Köhlmeier. Wenn ich dürfte, würde ich noch nominieren:

  • Philosophische Vitamine
  • Krebszellen mögen keine Himbeeren
  • Managerwissen für Angeber
  • Der Mann- Aufzucht, Haltung, Pflege
  • Gibt es intelligentes Leben?
  • Menschenfreunde

Aber mich fragt ja keiner.

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Robert Pucher: Katerfrühstück, Prolibris 2006

→Journal of Medical Internet Research

→medicalblogs.de

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