Archiv für 29. Juli 2008

Wer archiviert meine Archive?

Danach googelt gestern und heute ständig jemand. Was macht man mit so etwas? Das würde mich wirklich interessieren.

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Wettbewerb für Leute, die nicht aus einem kursächsischen Adelsgeschlecht stammen, sich mit Sternzeichen nicht auskennen, über 22 Jahre alt sind, jedoch krimikundig und in der Lage, ein pdf zu öffnen.

Endlich einmal kann ich auch an einem Wettbewerb teilnehmen, nachdem ich an den meisten Ausschreibungsbedingungen aus biologischen (→Alter) oder psychologischen (→astrologieunkundig) oder genetischen (→österreichisches Bauerngeschlecht, burglos seit Generationen) Gründen kläglich scheitere:

Thalia hat ja vor kurzem dazu aufgerufen, einen Text von Sebastian Fitzek fertig zu schreiben. Das ist jetzt passiert und jetzt dürfen die krimikundigen LeserInnen abstimmen, welcher aus drei Texten denn nun der beste sei. Leider sind das alles pdfs, falls Georg  keine Frau unter 22, astrologieunkundig und von ungeeigneter Herkunft ist, muss er also noch länger warten, bis er auch einmal an einem Krimiwettbewerb teilnehmen kann. Ich aber kann! Man kann →“tolle Buchpakete“ gewinnen.

True Crime, Kamerun, Teil 1

Die Diskussion mit Bernd über Besonderheiten afrikanischer Krimis haben mich dazu animiert, einen Kriminalfall aufzuschreiben, den ich vor nunmehr 12 Jahren an einem Ort erlebt habe, den gebildete KamerunerInnen als „Busch“ bezeichnen. Die Geschichte wurde nach Tagebuchaufzeichnungen vom Mai 1996 rekonstruiert.

Mitte der neunziger Jahre, ich war gerade am Ende meines Medizinstudiums angelangt, wirkte ich mehrere Monate lang als Praktikantin in einem kleinen Spital im Adamaoua-Hochland Kameruns. Was ich damals neben vielen anderen Dingen schätzen lernte, war Strom. Den hatten wir nämlich nicht immer und mehr als einmal haben wir eine Operation unter dem sanften Licht einer Taschenlampe zu Ende gebracht. Zum Glück hatten wir keine →Elektrokauter und stromgetriebenen Narkosegeräte und dergleichen. Wir haben so narkotisiert, dass der Patient selber geschnauft hat. Meistens jedenfalls. Wenn nicht, musste der Patient händisch beatmet werden. Schlimmer als Stromausfälle aber waren die Ausfälle fließenden Wassers, die dem Ausfall der elektrisch getriebenen Strompumpen jeweils unmittelbar folgten. Andererseits war es auch wieder nicht so schlimm wie ein Wasserausfall in einem österreichischen Spital wäre, denn natürlich gab es immer noch handbetriebene Brunnen im Hof, von denen man Wasser in Eimern herschaffen konnte. Nach diesen Erlebnissen war ich sehr überrascht zu hören, dass das Krankenhaus über einen dieselgetriebenen Notstromaggregaten verfügte, der allerdings nicht in Betrieb war, weil es keinen Diesel gab. Genau genommen habe ich erst davon erfahren, als der Notstromaggregat pötzlich weg war – aus einem geschlossenen Raum gestohlen.

Das sorgte naturgemäß für Wirbel, denn so ein großes Krankenhaus mit über hundert Betten ohne Notstromaggregat – so etwas darf gar nicht sein. Plötzlich spürten wir die Not drohender Stromausfälle und malten uns drastisch die Konsequenzen dessen aus, was wir täglich erlebten: Was, wenn plötzlich während einer Operation das Licht ausginge? Wenn man nichts mehr sterilisieren könnte? Es war klar: Dieser Diebstahl war eine Katastrophe. Nun waren wir zwar durchaus gewohnt, unsere teuren OP-Scheren auf dem Markt wieder zurückkaufen zu müssen, wohin sie auf ungeklärten Wegen gelangt waren, doch ein Notstromaggregat ist schon ein anderes Kaliber und so wurde Anzeige erstattet.

Die Polizei tauchte auch bald im Krankenhaus auf und folgerte mit dem Scharfsinn englischer Detektive, dass wahrscheinlich einer der fünf Leute, die einen Schlüssel zu dem verschlossenen Raum hatten, den Aggregaten aus dem verschlossenen Raum gestohlen hätten. Was nur fehlte, war der Beweis, dem man einem von den Tätern vor die Füße werfen konnte, um ihn zu überführen, alternativ ein Geständnis. Die Polizei entschied sich für den zweiten Weg, nämlich ein Geständnis herbeizuführen. Was dann folgte, kam für die Europäerinnen, die sich im Krankenhaus aufhielten, völlig überraschend: Die Polizei trieb die fünf Männer in den Hof und verprügelte sie vor allen Leuten, die natürlich sofort zugegen waren. PatientInnen, Angehörige, Kinder. Doch alles war zwecklos, die Prügel halfen nichts: Keiner der fünf wollte etwas mit dem Diebstahl zu tun haben und so wurden alle fünf kurzerhand verhaftet und in Polizeigewahrsam genommen.

Der Rest des Krankenhauspersonals fand sich zusammen, um zu beraten, was zu tun sei. Die „Nassara“ unter uns, also die „Weißen“ waren schockiert, so etwas hatten sie noch nie erlebt. Die Einheimischen waren auch schockiert, meinten aber, dass man damit hätte rechnen müssen und sie zerfleischten sich in Selbstvorwürfen, dass wir die Polizei überhaupt eingeschaltet hatten. Sie meinten, dass wir das Problem selber hätten lösen sollen, wir Weißen hörten uns das an, ohne zu diesem Zeitpunkt zu wissen, was damit gemeint war. Alle waren sich aber einig: Wir wollten, dass der Nostromaggregat gefunden und der Dieb bestraft wurde, Prügel, Demütigungen und Menschenrechts- verletzungen wollten wir nicht. Die einheimischen Kollegen wussten auch, was zu tun war: Mit dem Polizeichef „reden“, die Anzeige zurückziehen und so die Freilassung der fünf Kollegen zu erwirken. Am Abend fuhr also eine Abordnung des Krankenhauses, ausgerüstet mit mehreren tausend Francs CFA in die Stadt und führte ein Gespräch mit dem Polizeichef. Das Gespräch war erfolgreich. Die Abordnung kehrte ohne Geld aber mit den fünf geschundenen Männern zurück.

Wir waren wirklich froh, dass die Leute ohne schwere körperliche Verletungen zurück waren, sie hatten lediglich Prellungen davon getragen. Die seelischen Verletzungen aber waren offensichtlich. Jeder einzelne sprach von der Schmach, die man ihm angetan hatte, als man ihn völlig unschuldig vor Frauen und Kindern prügelte wie Vieh und jeder einzelne brannte darauf, den Täter zu finden. Jetzt standen wir da: Mit fünf Leuten, die keiner mehr zu verdächtigen wagte, ohne Dieb, ohne Notstromaggregat.

Inzwischen hatte die Geschichte aber im Dorf die Runde gemacht und tags darauf war die Lösung gefunden: Ein Weiser des Dorfes würde den Täter durch Zauberei ermitteln, das Notstromaggregat herbeibringen und nebenbei die Ehre der geschlagenen Männer wieder herstellen.

→Hier geht es weiter.


 

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