Jochen Mai ruft zu einer →Blogparade unter dem Motto “Lesen!- Was lese ich im Urlaub?” auf. Ich habe erst im September Urlaub und nehme diese Blogparade als Anlass, mich mit einem kühlen Bier unter eine Zimmerpalme zu legen, mich in Urlaubsstimmung zu versetzen und zu sinnieren, was ich Ende September so lesen werde.
Da wäre also →Menschenfreunde von Dieter Paul Rudolph, frisch erschienen bei Shayol und - wie man hört - voll sexuell anregender Fußballphilosophien. Das Buch hat schon Karlsruhe erreicht und wird bis Ende September sicher auch in Österreich einlangen.
Dann muss ich endlich →Matto regiert von Glauser lesen. Ein Klassiker des Psychiatriekrimigenres. Für Leute, die sich für →Krimis mit PsychiaterInnen interessieren, also eine echte Bildungslücke, die dringend geschlossen werden muss.
Nachher muss ich auch bei den Österreichern halbwegs auf Stand bleiben. Der neue Steinfest steht an, er heißt →”Mariaschwarz” und erscheint im August bei Piper, gerade noch rechtzeitig vor meinem Urlaub. Das Cover ist jedenfalls sehr vielversprechend.
Auf dem Wunschstapel liegt auch noch “Der letzte Weynfeld” von Suter, hier gibt es keinen Link zum Verlag, da mir bei Diogenes regelmäßig der PC abstürzt. Das macht man zweimal und dann nicht mehr. Ich muss es lesen, weil es eine Freundin empfiehlt. Ich mag zwar keine Liebesgeschichten, die sind mir zu kitschig, aber diese hier sei nicht kitschig, sondern skurril und meine Freundin versichert mir, dass ich sie mag. Jetzt höre ich schon wieder →Georg mosern, dass das kein Krimiblog sei, ich deklarierte ja in aller Öffentlichkeit die Absicht, einen Liebesorman zu lesen. Insofern möchte ich betonen, dass es dort fast eine Tote gibt, es handelt sich also fast um einen Krimi.
Wie lange ist eigentlich mein Urlaub? Eigentlich müsste sich doch noch ein Afrika-Krimi ausgehen. Einerseits weil mich dem Kontinent verbunden fühle, seit ich dort arbeitete, andererseits weil diese Literatur in Europa gefördert und beachtet gehört, da hat →Herr Wörtche (pdf) wirklich recht. Ich nehme am besten gleich einen von →der Liste “Around the world in 80 sleuths” des Independent, zum Beispiel →”The No 1 Ladies’ Detective Agency” von Alexander McCall Smith.
*geändert, hier stand vorher ein missverständlicher Bezug auf Tobias Gohlis, der die Liste →hier besprochen hat.

Huch, jetzt hatte ich gedacht, Herr Gohlis hätte auch eine Liste gemacht.
Ts. Interessante Liste. Für Afrika würde ich zusätzlich noch von Simone Schwarz-Bart: Ti Jean, empfehlen. Ich weiß aber nicht, ob es ihn noch gibt, außerdem ist er kein Krimi. Oder Richard Dooling, Grab des weißen Mannes. Oder Michael Gruber, Wendekreis der Nacht.
Von Steinfest habe ich mal einen zu lesen versucht und ihn als pubertär weggelegt. Zu viele Redundanzen.
Und Mma Ramotswe fand ich auch ganz nett, aus der cozydozy-Ecke, nach dem dritten allerdings wird’s langweilig.
Ich nehme ja meistens Klassiker mit in den Urlaub. Jean Paul, Wieland, Diderot. Und meistens lese ich dann gar nichts. Aber ich hätte dann ja können. Das reicht mir manchmal auch.
Re Mma Ramotswe: Den ersten Band hatte ich als Hörbuch beim Autofahren gehört. Durchaus nett, sicher einsichtsvoller als viele, aber Cozy bis der Arzt kommt. Ein Buch der Serie langt mir dann auch.
Was mir daran gefallen hat, war die warmherzige, zugewandte Mitmenschlichkeit. Etwas, das in unserer Gesellschaft mehr und mehr abhanden kommt. Keine Geschäftigkeit, keine Hetze, keine innere und äußere Verspanntheit, kein Ichmussdasnocherledigen. Sondern man kümmert sich erstmal um den Menschen. Und dann kann man immer noch erledigen. Wenn es sich dann nicht von selbst erledigt hat.
Hallo, Hörbuch ist eine gute Idee, wenn es ganz Cosy ist. Georg, danke für die Tipps, die habe ich alle nicht gekannt. Ich denke, bei Afrika südlich der Sahara ist es wichtig, auch jenseits der deutschen Übersetzungen zu suchen. Es gibt da eh so wenig und dann noch auf Deutsch? Ich habe grad geschaut, was ich mir damals aus Kamerun angeschleppt habe: Francis Bebey, G. Mfome, Sembène Ousmane, Jean Damay, das sind allerdings allesamt keine Krimis. Auf Deutsch gibt es soviel ich weiß Francis Bebey, er wurde damals von Herrn Wörtche bei Metro verlegt und auch bei dtv. Herr Bebey hat allerdings in Paris gelebt. Am interessantesten finde ich AutorInnen, die AfrikanerInnen sind und in Afrika leben. Bloss – wie schaffen es deren Bücher nach Europa oder die USA? Am ehesten über die Kulturinstitute der ehemaligen Kolionalherren fürchte ich. Von Douala nach dtv dürfte es jedenfalls ein ziemlich langer Weg sein.
Menschenfreunde sexuell anregend? Nu, das liegt in der Hand von Leser und Leserin. In erster Linie ist es aber ein Bildungsroman in der Tradition von Gottfried Keller. Und es kommen Frauen darin vor. – Apropos: dringender Lesetipp: Hannelore Cayre: Das Meisterstück, Metroreihe beim Unionsverlag, noch von il Stänkerpapst entdeckt und ganz großartig. 150 Seiten. Bis September gibts auch eine Rezension.
bye
dpr
Es gibt zur Orientierung ein paar Bücher von Manfred Loimeier und einen Übersichtsartikel im Kindler. Romane gibt es, aber Krimis sind dann wieder selten. Aber du bist ja glücklicherweise nicht genregebunden. Wie ich. Haben wir’s gut.
@ Georg: Warmherzig stimmt. Ich bin ja nun ein Krimisimpel und hier schwächelt das Buch erheblich.
@ Margit: Ich hatte mal ein Beitrag vorbereitet mit drei oder vier AutorInnen, aber den habe ich wohl zwischenzeitlich gelöscht. Die Eliten gelangen schließlich sehr wohl in die USA zum Studieren.
Das Hörbuch war auf Englisch, sehr leicht zu verstehen. Und sehr angenehm zu hören, mit dem doch etwas anderen Dialekt einer Afrikanerin gesprochen.
Ach, so viele Tipps da muss ich wohl meinen Urlaub verlängern!
@ Bernd: Ja, sicher, afrikanische Eliten gelangen in die USA, nach Paris oder London und überall hin. Die Frage ist dann aber, aus welcher Perspektive sie über ihr Land schreiben.
Meine Hypothese ist, dass afrikanische Kriminalliteratur sich sehr grundlegend von europäischer unterscheiden müsste, also in der Erzählweise und im Zugang zum Thema, nicht nur in der Dekoration (Häuser, Menschen, Kochtöpfe etc.) das schließe ich aus dem einzigem Kriminalfall, in den ich (am Rande) involviert war. Wenn wir jetzt davon ausgehen, dass Korruption und Diebstahl keine Kriminalfälle, sondern mehr Alltag sind, da kommt keiner aus. Was ja auch schon wieder ein Zugang ist, der vom Europäischen verschieden ist. Es ist zwar auch um Diebstahl gegangen, aber einen, der auch von den Einheimischen als solcher erlebt und verfolgt wurde. Die Unterschiede zur europäischen Herangehensweise, die mir grad einfallen: Die Polizei erscheint im Krankenhaus und versucht vor allen Leuten, ein Geständnis aus verdächtigem Krankenhauspersonal herauszuprügeln. Verhaftet dann fünf Leute. Die Europäer des Krankenhauses fahren zur Polizei und bestechen sie, um die Mitarbeiter wieder herauszubekommen. Weil sie zwar wollen, dass der Diebstahl aufgedeckt wird, aber nicht, dass Leute gefoltert werden. Das steht aus europäischer Perspektive in keinem Verhältnis. Die Leute des Dorfes wollen die Sache nachher nach ihrer Art lösen und die Geister anrufen. Die Europäer sind wieder entsetzt, denn es handelt sich um eine Art “Gottesurteil”: Es wird ein Trank fabriziert, den die Verdächtigen trinken müssen, der Täter stirbt dran, die Unschuldigen überleben. Wie es weiter geht, sage ich nicht, denn mir fällt grad ein, dass ich die Geschichte aufschreiben könnte, wenn mir am Wochenende fad ist.
Jetzt wäre es extrem spannend, wenn zum Beispiel ich die Geschichte schreiben würde und ein einheimischer Schriftsteller, und zwar einer, der nicht in Paris studiert hat. Das wären sicher zwei grundverschiedene Geschichten. Das wird aber nicht passieren, denn es gibt dort (in der Nähe von Tibati, Kamerun) keine Buchhandlungen und keine Verlage, und Papier in Form von Schulheften ist sehr teuer und so kommt erst gar keiner auf die Idee, so etwas aufzuschreiben. Vermutlich gibt es hervorrangende GeschichtenerzählerInnen, die das weiter erzählen und ihre Zuhörer in den Bann ziehen. Aber niemanden, der das aufschreibt.
Jetzt ist natürlich ein Intellektueller in einer afrikanischen Großstadt, der in Paris studiert hat und Bücher schreibt, genauso ein Afrikaner wie eine Person vom Stamm der Mbororo, die mit Rindern durch den Busch zieht gar nicht in die Großstadt reisen will, weil man dort ihre Sprache nicht verstünde und Französisch kann sie nicht. Und es gibt natürlich viel dazwischen zwischen diesen Extremen.
Was ich damit sagen mag: Literatur hat fast nur dort eine Chance, nach Europa zu gelangen, wo die Verbindung nach Europa von vornherein stark ist, sogar die Bücher, die ich in Kamerun gekauft habe, werden durchwegs in Paris verlegt. Und das beeinflusst natürlich die Form und die Inhalte. Ich würde gerne Bücher afrikanischer Verlage kaufen. Von mir aus auch unübersetzt. Englisch und Französisch und Portugiesisch sind jetzt ja keine Sprachen, die man in Europa und den USA nicht versteht.
So, jetzt gehe ich Bücher kaufen. Schau ma, was die Wagnerische Universitätsbuchhandlung sagt, wenn ich dem dpr sein Buch kaufen will.
Jetzt hast Du so eine schöne Antwort geschrieben, dass ich Dir einfach noch viel Glück im Buchgeschäft wünschen muss.
Vermutlich bin ich jetzt total trivial, wenn ich schreibe, dass diese kulturellen Unterschiede meiner Meinung nach schon durch die großen alten Drei der Afroamerikanischen Krimikultur (Chester Himes, Iceberg Slim, Donald Goines)dokumentiert werden.
Ansonsten … viel Spaß in Berlin.
Das Einkaufen war sehr schön. Die haben bei der Wagnerschen Buchhandlung wunderbaren Capuccino, den man auf einer Terasse trinken kann. Und die Menschenfreunde haben sie bstellt, ohne mit einer Wimper zu zucken. Was ich an der Wagnerschen aber besonders mag: Da ist Mankells “Chinese” mit ganzen sechs (!) Stück auf dem gleichen Büchertisch vertreten wie Schönauers “Verafterung”, Schenkels “Tannöd”, oder Kneifls “Gnadenlos”. Ganz verschiedene Größenordnungen ganz demokratisch nebeneinander. Bei der Konkurrenz dagegen sieht man den Laufmeter “Chinesen” schon durchs Schaufenster, dabei ist das schon reduziert, früher war es ein Quadratmeter. Das Buchkultur-Heftl habe ich in der Wagnerschen übrigens auch bekommen, optisch ist der Wörtche-Artikel schick, aber mit weißer Schrift auf dunkelgrünem Grund, das ermüdet die Augen. Das lesen eh nur echte Fans bis zum Ende.
Bei der Sache mit der afroamerikanischen Krimikultur stehe ich jetzt auf der Seife. Was meinst Du damit? Afroamerikanisch ist ja nicht grad daselbe wie afrikanisch und dass ausgerechnet Autoren aus Detroit und Chicago die verschiedenen Facetten der afrikanischen Literatur repräsentieren, kann ich mir jetzt nur schwer vorstellen. Ahja, Berlin, da kann ich leider nicht. Das wäre schon eine Reise wert.
Bernd, bin ich eventuell bei Dir im Spamfilter? Ich habe etwas zu “Orte und Detective” geschrieben.
Außerdem bin ich bei dpr schon wieder im Spamfilter. Ich fühle mich ungeliebt!
Kein Sorge, man hat dich noch immer lieb.
Ein Jurist arbeitet mit Definitionen. Und so definiert er zuerst “Eiswürferl”, bevor er eines macht. Und dann sucht er in Grönland und in Kamerun nach einem Eiswürferl, das dieser Definition entspricht. Wenn etwas seiner Eiswürferldefinition nicht entspricht ist es kein Eiswürferl sondern etwas anderes, wenn vielleicht auch etwas ähnliches. Aber gemäss seiner Definition bleibt ein Eiswürferl überall auf der Welt ein Eiswürferl ohne landesübliche abweichungen. Die gibt es für den Juristen nicht, weil seine Definition des Eiswürferls absolut ist. Und damit lebt er. So ist es auch mit Krimis. Er definiert zuerst einen Krimi: Eine wunderschöne Frau wird getötet und ein Kommissar, der schon immer in sie verliebt war, sucht und findet den Mörder, der ein Gärtner ist. Gemäss dieser Definition muss also auch in Afrika eine wunderschöne Frau getötet werden und ein Kommissar, der schon immer in sie verliebt war, muss den Mörder suchen und finden und dieser muss ein Gärtner sein. Bei der geringsten Abweichung, der Mörder ist z.B. ein Vogelfänger, handelt es sich nicht um einen Krimi, egal, wo er geschrieben wird. Man kann die Definition auch weiter fassen, das Ergebnis bleibt aber dasselbe. Ein Krimi ist eine Sache, die der Definition eines Krimis entspricht oder er ist kein Krimi.
PS: Muss man im Urlaub lesen?
Nö, thewritingfranz.
Auch wenn es von Thomas Wörtche jetzt wieder etwas auf die Nase gibt. Aber ein Genre lässt sich erstens nicht gut definieren (die Theoretiker lehnen das mehrheitlich ab) und zweitens ist ein Genre dem Wandel unterworfen.
Mit blutigen Grüßen
“Eiswürferl”? Putzig.
Möglicherweise ist es ein genderspezifischer antiaustriazischer Spamfilter. Bitte überprüfen.
Warum gibt es jetzt schon wieder eine von Wörtche auf die Nase? Hat Herr Wörtche das Genre definiert?
Das ist der reine mikrobiologische Angstreflex: Nase weg!
Weil ich doch und überhaupt ohne Ahnung Wortfolgen abschreibe, die sich auf Genre als solches beziehen.
Aha, ein echter Genreman.
Wieso liest eigentlich keiner meine Geschichte über die goiserer Gamsjagatage? Die schlagen jeden Krimi. Auch ein Heimatkrimi ist auf meiner Seite, von einer super Autorin. Und wo ist Reinhard? Fiel er vom pferd?