Archiv für 12. Juli 2008

Kriminachrichten aus Österreich

Einen irischen Krimi bespricht dieses Mal der Standard: Das Debut der in Dublin lebenden Autorin →Tana French. 600 Seiten ohne Durchhänger, meint die Rezensentin Ingeborg Sperl und das ist in der Tat beachtlich.

Im Literaturhaus rezensiert Barbara Angelberger →“Kreuzigers Tod“ von Peter Oberndorfer: „Ungewöhnlich und wohltuend an Oberdorfers Erstling ist, dass er im Gegensatz zur sonst übliche Autro Krimi Produktion keinen lustig-flapsigen Ton anschlägt, sondern sich um Ernsthaftigkeit bemüht. Da frage ich mich jetzt schon, ob das nicht eine Generalsierung ist. Was ist denn zum Beispiel lustig-flapsig am Polt? Ist Slupetzky so flapsig? Oder Thomashoff? Aber vielleicht haben Haas und Raab viel überstrahlt. Jedenfalls gelte hier: der Krimi-Plot und die psychologische Zeichnung der HandlungsträgerInnen (sic! gendergerecht!) stehe im Vordergrund und nicht die Pointe. Trotz mancher Unstimmigkeiten sei Oberdorfer ein Debut gelungen, das Lust auf mehr macht, fasst die Rezensentin zusammen.

Die Wienerzeitung würdigt in aller Kürze →Janwillem van de Wetering.

Und die KollegInnen von den Eselsohren schreiben und schreiben und →schreiben. Dieses Mal über „Dr. Siri und seine Toten“ von Colin Cotteril unter der sehr österreichischen Überschrift „An was für Haaren herbei gezogen“ und über „Nasses Grab“ von Helena Reich unter dem international verständlichen Titel „Nicht mein Fall“. Außerdem über „Im Namen des Mörders“ von Giorgio Faletti.

Nachgereicht und nur um nicht den Eindruck zu erwecken, dass in Österreich praktisch niemand über den Tod von Janwillem van de Wetering schreibt: Auch der →Standard schreibt und der →ORF. Und der →Hauptverband des Österreichischen Buchhandels. Besonders ergiebig ist das aber alles nicht.

Autoren ziehen gegen das Feuilleton los

… schreibt der →Standard. Der Autor Dante Andrea Fanzetti, verlegt übrigens in Tirol bei Haymon, räsnoniert in seinem Artikel über Feuilletons, die eine Seite lang über Autoren mit Baseballkappen schreiben, um dann in einem winzigen Kasten auf eine Lesung – ein Event – hinzweisen. Dort werde auch der Autor gezeigt, mit Baseballkappe. Das Buch, vielleicht die Arbeit von fünf Jahren sei nicht das Thema, eine Kränkung für Autoren: „Kulturredakteure sind zu People Redakteuren geworden.“

Einige können es sich aber leisten zu rebellieren, meint er und nennt Philipp Roths Roman „Exit Ghost“: Ein Literaturwissenschaftler wolle das vergessene Werk eines Autors in die Öffentlichkeit bringen und bediene sich dafür der Methoden des Boulevards. Darüber sei die Witwe vergessenen Autors entsetzt. Sie schreibe einen langen Brief an die Times, in dem sie den Kulturjournalismus der Zeitung als „Boulevardgeschwätz“ kritisiert. Auch Peter Handke treffe Feststellungen über die Journalisten. Den ganzen Artikel über Boulevard-Literatur-Journalismus und mögliche Gegenstrategien gibt es →hier zu lesen.


 

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