Archiv für Juli 2008

Wie man sich aus Handschellen befreit

→Videotutorial auf Englisch. Wichtige Recherchequelle.

„True Crime“ in wtd

Meine →“True Crime“ – Geschichte wird in der berühmten Krimizeitschrfit →“wtd No. 2″ erwähnt. Da der Text haargenau in die „Beweisführung“ passe. Es geht unter anderem um Spannungsunterschiede zwischen Kulturen und Epochen und muss natürlich unbedingt gelesen werden. Hier als →pdf und hier als →Word-Dokument.

Schlagzeile: Shayol überholt Rowohlt!

Am Freitag Abend bestellt: Bücher von Ullstein, Rowohlt, Shayol

Am Mittwoch in der Früh angekommen: Ullstein, Shayol. Rowohlt fehlt.

Die Menschenfreunde gibt es also binnen dreier Werktage auch in Österreich.

True Crime, Kamerun, Teil 2

Der erste Teil der Geschichte ist hier.

Inzwischen hatte die Geschichte aber im Dorf die Runde gemacht und tags darauf war die Lösung gefunden: Ein Weiser des Dorfes würde den Täter durch Zauberei ermitteln, das Notstromaggregat herbeibringen und nebenbei die Ehre der geschlagenen Männer wieder herstellen.

Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch wenig über Zauberei. Ich hatte im Gefängnis der nahegelgenen Kleinstadt eine Zauberin kennengelernt, die an Tuberkulose erkrankt war, eine nette, alte Dame, wie mir schien. Zauberei war anscheinend ein Straftatbestand. Unter bestimmten Bedingungen war es ein Straftatbestand, doch mehr als diese Bedingungen interessierte mich zu dieser Zeit, wie der Tatbestand der Zauberei überhaupt festgestellt wurde. Ich habe damals der Einfachheit halber einfach den Gefängniswärter gefragt, doch der hat mich nur angeschaut wie ich selbst Leute, die zu „Austria“ Känguruhs assoziieren. „Das sagen die Fakten“, sagte er und damit war alles erklärt.

Nun hatte ich beschlossen, mich schlau zu machen und erkundigte mich bei Praktikant Desiré. Zauberei, so erklärte er, sei in Afrika so gewöhnlich, dass man sich ständig davor schützen müsse. Man erkenne sie eigentlich nicht, bis sie geschehen sei und so müsse man die Leute von vornherein gnädig stimmen, um Zauberei zu verhindern. Er zum Beispiel mache Matura und so sei er natürlich sehr gefährdet, von Zauber behelligt zu werden, weil die Leute neidisch seien. Ein Onkel zum Beispiel, der sehr reich sei, gebe aus diesem Grund immer sehr viel Geld her, wenn er in sein Dorf komme, nur um die Neider zu besänftigen. Aber ich müsse mich nicht fürchten, so ergänzte er beruhigend, er werde mich beschützen, denn er kenne sich aus. Nun muss ich gestehen, dass die Angst vor Zauberei zu meinen geringsten Ängsten gehörte, auf dem Wohnzimmerboden krabbelnde Skorpione machten mir weitaus mehr Kopfzerbrechen. Doch trotz meiner Unerschrockenheit und meiner forschen Nachfragen, wie denn nun per Zauberei die Diebe überführt werden sollten, wollte es niemand so recht erzählen. Eher beruhigten mich die Leute, versicherten, dass ich mich nicht fürchten müsse oder gaben mir gute Tipps und Amulette, die ich verwenden könne, wenn ich Angst vor Zauberei hätte.

Doch mit einer ordentlichen Portion Hartnäckigkeit fanden wir „Nassara“ schließlich heraus, was geplant war: Weise Personen sollten einen Trank herstellen, der die Wahrheit ans Licht bringen würde. Die fünf Verdächtigen sollten ihn trinken, wer unschuldig war, würde an heftigem Erbrechen leiden, der Täter aber sterbe, eine gerechte Strafe für solch eine ungeheuerliche Tat, immerhin gefährde der Dieb das Leben unschuldiger Kranker, die ohne Strom im Krankenhaus lägen. Was soll ich sagen? Wir waren entsetzt. Wir hatten keine Ahnung, was die Weisen in den Trank mischen wollten, aber gesund war es sicher nicht. Wir konnten sicher nicht zustimmen, dass Mitarbeiter des Krankenhauses in ihrer Gesundheit gefährdet, wenn nicht gar zu Tode vergiftet würden. Und die Betroffenen hätten nicht nein sagen können, jeder, der das getan hätte, wäre hoch verdächtig gewesen. Außerdem bangten sie sicherlich nicht so um ihre Gesundheit wie wir: Jeder, der sich unschuldig fühlte, musste ja davon ausgehen, dass ihm nichts passieren würde. Meine Chefin legte also ein Veto ein und das war auch wirkungsvoll, da meine Chefin zugleich die Chefin des Krankenhauses und die Chefin der betroffenen Mitarbeiter war.

Jetzt standen wir wieder da: Mit Verdächtigen, die man nicht mehr verdächtigen durfte, weil sie schon so viel mitgemacht hatten, ohne Dieb, ohne Notstromaggregat, aber nun auch mit einem ganzen Dorf, das jetzt sehen wollte, wie wir das Problem zu lösen gedachten, wenn wir schon verhinderten, dass sie es auf ihre Art erledigten. Und genau das wussten wir nicht. In unserer Not machten wir etwas, was wir in Afrika gelernt hatten: Nichts. Wir warteten. Und taten nichts. Und genau diese Methode führte schließlich zum Erfolg:

In jener Gegend gibt es ein buntes Nebeneinander uralter einheimischer Traditionen und kolonialer Erbstücke und eins davon sind die Pfadfinder. Die Pfadfinder also, die in Kamerun genauso durch den Busch streifen wie in Vorarlberg oder in der Bretagne fanden den Notstromaggregaten in einem Versteck mitten im Busch und ganz Pfadfinder – jeder Tag eine gute Tat – brachten sie ihn umgehend zurück. Natürlich waren die Buben die Helden des Krankenhauses und des ganzen Dorfes. Immer und immer wieder mussten sie erzählen, wie sie den schweren Notstromaggregaten gefunden und den Hügel heraufgetragen hatten. Doch wie er dort hin gekommen war und was er dort zu suchen hatte, war nicht gekärt. Ein böser Streich meinten die einen, jemand wollte ihn verkaufen, meinten die anderen. Doch hinter der Tatsache, dass das Krankenhaus wieder Strom hätte, wenn es denn Diesel hätte, geriet diese Frage nach und nach in den Hintergrund.

Wer archiviert meine Archive?

Danach googelt gestern und heute ständig jemand. Was macht man mit so etwas? Das würde mich wirklich interessieren.

http://krimi0krimi.wordpress.com/2008/07

http://krimi0krimi.wordpress.com/2008/06

http://krimi0krimi.wordpress.com/2008/07

http://krimi0krimi.wordpress.com/2008/07

http://krimi0krimi.wordpress.com/2008/06

http://krimi0krimi.wordpress.com/2008/05

Wettbewerb für Leute, die nicht aus einem kursächsischen Adelsgeschlecht stammen, sich mit Sternzeichen nicht auskennen, über 22 Jahre alt sind, jedoch krimikundig und in der Lage, ein pdf zu öffnen.

Endlich einmal kann ich auch an einem Wettbewerb teilnehmen, nachdem ich an den meisten Ausschreibungsbedingungen aus biologischen (→Alter) oder psychologischen (→astrologieunkundig) oder genetischen (→österreichisches Bauerngeschlecht, burglos seit Generationen) Gründen kläglich scheitere:

Thalia hat ja vor kurzem dazu aufgerufen, einen Text von Sebastian Fitzek fertig zu schreiben. Das ist jetzt passiert und jetzt dürfen die krimikundigen LeserInnen abstimmen, welcher aus drei Texten denn nun der beste sei. Leider sind das alles pdfs, falls Georg  keine Frau unter 22, astrologieunkundig und von ungeeigneter Herkunft ist, muss er also noch länger warten, bis er auch einmal an einem Krimiwettbewerb teilnehmen kann. Ich aber kann! Man kann →“tolle Buchpakete“ gewinnen.

True Crime, Kamerun, Teil 1

Die Diskussion mit Bernd über Besonderheiten afrikanischer Krimis haben mich dazu animiert, einen Kriminalfall aufzuschreiben, den ich vor nunmehr 12 Jahren an einem Ort erlebt habe, den gebildete KamerunerInnen als „Busch“ bezeichnen. Die Geschichte wurde nach Tagebuchaufzeichnungen vom Mai 1996 rekonstruiert.

Mitte der neunziger Jahre, ich war gerade am Ende meines Medizinstudiums angelangt, wirkte ich mehrere Monate lang als Praktikantin in einem kleinen Spital im Adamaoua-Hochland Kameruns. Was ich damals neben vielen anderen Dingen schätzen lernte, war Strom. Den hatten wir nämlich nicht immer und mehr als einmal haben wir eine Operation unter dem sanften Licht einer Taschenlampe zu Ende gebracht. Zum Glück hatten wir keine →Elektrokauter und stromgetriebenen Narkosegeräte und dergleichen. Wir haben so narkotisiert, dass der Patient selber geschnauft hat. Meistens jedenfalls. Wenn nicht, musste der Patient händisch beatmet werden. Schlimmer als Stromausfälle aber waren die Ausfälle fließenden Wassers, die dem Ausfall der elektrisch getriebenen Strompumpen jeweils unmittelbar folgten. Andererseits war es auch wieder nicht so schlimm wie ein Wasserausfall in einem österreichischen Spital wäre, denn natürlich gab es immer noch handbetriebene Brunnen im Hof, von denen man Wasser in Eimern herschaffen konnte. Nach diesen Erlebnissen war ich sehr überrascht zu hören, dass das Krankenhaus über einen dieselgetriebenen Notstromaggregaten verfügte, der allerdings nicht in Betrieb war, weil es keinen Diesel gab. Genau genommen habe ich erst davon erfahren, als der Notstromaggregat pötzlich weg war – aus einem geschlossenen Raum gestohlen.

Das sorgte naturgemäß für Wirbel, denn so ein großes Krankenhaus mit über hundert Betten ohne Notstromaggregat – so etwas darf gar nicht sein. Plötzlich spürten wir die Not drohender Stromausfälle und malten uns drastisch die Konsequenzen dessen aus, was wir täglich erlebten: Was, wenn plötzlich während einer Operation das Licht ausginge? Wenn man nichts mehr sterilisieren könnte? Es war klar: Dieser Diebstahl war eine Katastrophe. Nun waren wir zwar durchaus gewohnt, unsere teuren OP-Scheren auf dem Markt wieder zurückkaufen zu müssen, wohin sie auf ungeklärten Wegen gelangt waren, doch ein Notstromaggregat ist schon ein anderes Kaliber und so wurde Anzeige erstattet.

Die Polizei tauchte auch bald im Krankenhaus auf und folgerte mit dem Scharfsinn englischer Detektive, dass wahrscheinlich einer der fünf Leute, die einen Schlüssel zu dem verschlossenen Raum hatten, den Aggregaten aus dem verschlossenen Raum gestohlen hätten. Was nur fehlte, war der Beweis, dem man einem von den Tätern vor die Füße werfen konnte, um ihn zu überführen, alternativ ein Geständnis. Die Polizei entschied sich für den zweiten Weg, nämlich ein Geständnis herbeizuführen. Was dann folgte, kam für die Europäerinnen, die sich im Krankenhaus aufhielten, völlig überraschend: Die Polizei trieb die fünf Männer in den Hof und verprügelte sie vor allen Leuten, die natürlich sofort zugegen waren. PatientInnen, Angehörige, Kinder. Doch alles war zwecklos, die Prügel halfen nichts: Keiner der fünf wollte etwas mit dem Diebstahl zu tun haben und so wurden alle fünf kurzerhand verhaftet und in Polizeigewahrsam genommen.

Der Rest des Krankenhauspersonals fand sich zusammen, um zu beraten, was zu tun sei. Die „Nassara“ unter uns, also die „Weißen“ waren schockiert, so etwas hatten sie noch nie erlebt. Die Einheimischen waren auch schockiert, meinten aber, dass man damit hätte rechnen müssen und sie zerfleischten sich in Selbstvorwürfen, dass wir die Polizei überhaupt eingeschaltet hatten. Sie meinten, dass wir das Problem selber hätten lösen sollen, wir Weißen hörten uns das an, ohne zu diesem Zeitpunkt zu wissen, was damit gemeint war. Alle waren sich aber einig: Wir wollten, dass der Nostromaggregat gefunden und der Dieb bestraft wurde, Prügel, Demütigungen und Menschenrechts- verletzungen wollten wir nicht. Die einheimischen Kollegen wussten auch, was zu tun war: Mit dem Polizeichef „reden“, die Anzeige zurückziehen und so die Freilassung der fünf Kollegen zu erwirken. Am Abend fuhr also eine Abordnung des Krankenhauses, ausgerüstet mit mehreren tausend Francs CFA in die Stadt und führte ein Gespräch mit dem Polizeichef. Das Gespräch war erfolgreich. Die Abordnung kehrte ohne Geld aber mit den fünf geschundenen Männern zurück.

Wir waren wirklich froh, dass die Leute ohne schwere körperliche Verletungen zurück waren, sie hatten lediglich Prellungen davon getragen. Die seelischen Verletzungen aber waren offensichtlich. Jeder einzelne sprach von der Schmach, die man ihm angetan hatte, als man ihn völlig unschuldig vor Frauen und Kindern prügelte wie Vieh und jeder einzelne brannte darauf, den Täter zu finden. Jetzt standen wir da: Mit fünf Leuten, die keiner mehr zu verdächtigen wagte, ohne Dieb, ohne Notstromaggregat.

Inzwischen hatte die Geschichte aber im Dorf die Runde gemacht und tags darauf war die Lösung gefunden: Ein Weiser des Dorfes würde den Täter durch Zauberei ermitteln, das Notstromaggregat herbeibringen und nebenbei die Ehre der geschlagenen Männer wieder herstellen.

→Hier geht es weiter.

Die Wahrheit

Während ich auf Claire und Dev wartete, dachte ich über die Unterschiede zwischen einer psychiatrischen und einer kriminalistischen Befragung nach. Psychiater gehen nicht besonders häufig nach der Masche “guter Bulle – böser Bulle” vor, und ich glaube, wir sind in der Regel ein bisschen einfühlsamer. Aber alles in allem verfolgen wir daselbe Ziel: Die Wahrheit.

Der Psychiater Joel Ashman in: Rage – die Therapie von Daniel Kalla. Hat da schon wieder einer zuviel →Sherlock Holmes gelesen?

Neu! Das Schaufenster

Nachdem Anobella mich →büseriert hat, eine Bestenliste zu erstellen, ich aber keine Liste erstellen mag, weil ich der Meinung bin, dass es schon genug Listen auf der Welt gibt, mich aber andererseits gebauchpinselt fühle, weil jemand meine Meinung über Bücher wissen will, stelle ich jetzt folgende Neuerung vor: Das Schaufenster. Darin stelle ich rechts in der Seitenleiste Bücher, Links und all das aus, was ich empfehlen kann und wenn es mir nicht mehr gefällt, wird umdekoriert.

Außerdem gibt es als neuen Service für die AutorInnen unter uns die Rubrik „Mit Ablaufdatum“, praktisch als Weckservice, dass keiner und keine mehr einen Wettbewerb versäumt.

Krimiwettbewerb – Schlösserland Sachsen

Schon wieder ein →Krimiwettbewerb! Und das mitten im Sommerloch! Gesucht werden Kurzkrimis, die an einem Schauplatz des „Schlösserland Sachsen“ spielen. Außerdem muss von drei vorgegebenen Szenarien eins integriert werden. Nicht ganz einfach, das. Dafür winken dem Gewinner oder der Gewinnerin 1000 Euro und ein Wochenende für zwei im Fünfsternehotel Schloss Wolfsbrunn und zwei Jahresschlösserkarten. Letzteres ist wohl besonders begehrenswert für AutorInnen aus der Schweiz, Kärnten oder Südtirol, denn wer deutsch kann und über 16 Jahre alt ist, darf mitmachen. Einsendeschluss ist der 15 August und die genauen Teilnahmebedingungen kann man →hier als pdf herunterladen.

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Im Schaufenster

Robert Pucher: Katerfrühstück, Prolibris 2006

→Journal of Medical Internet Research

→medicalblogs.de

→Alblog aus Zams