Da fühle ich mich wieder einmal provoziert, mich zu äußern:
Was sagen eigentlich Sie zum Thema Schreibblockaden? Ist der Irrglaube, es gebe so genannte Schreibblockaden berechtigt oder denken Sie gerade anders herum?: Es gibt keine Schreibblockaden! Schreibblockaden sind einzig und allein Kopfsache!
Das schreiben die AutorInnen des sonst sehr interessanten und bemerkenswerten →scholarZblog. Das ist ein Blog, das von „Nachwuchsforschern aus Leidenschaft“ geführt wird. Studiert haben die drei Herren so interessante Fächer wie Volkswirtschaft, Theologie, Politikwissenschaft, Germanistik, Anglistik. Umso mehr entsetzt mich die Formulierung. Was soll das heißen: „Es gibt keine Schreibblockaden! Schreibblockaden sind einzig und allein Kopfsache!“ Daraus kann man nur schließen: Wenn Schreibblockaden nur Kopfsache sind, gibt es sie nicht. Und darauf reagiere ich als Psychiaterin mehr als allergisch, denn das ist das Argument, mit dem Generationen unserer PatientInnen nicht ernst genommen wurden und werden. Die Krankheit ist nur im Kopf, deshalb gibt es sie nicht, deshalb sollen sich die Betroffenen ein bisschen zusammen reißen. Wie viele Depressive hören das heute noch.
Ich kann aber versichern: Die Schreibblockaden sind im Kopf und es gibt sie. Wie alle menschlichen Verhaltensweisen haben sie eine hirnfunktionelle Entsprechung im Gehirn. Zum Thema „Neurophysiologie des Schaffensprozesses“ kann ich den Artikel →Furor Poeticus: Ansätze zu einer neurophysiologisch fundierten Theorie der literarischen Kreativität am Beispiel der Produktionsästhetik Rilkes und Kafkas von Sandra Kluwe empfehlen. Wenn ich höre, es gebe etwas nicht, weil es nur Kopfsache sei, kriege ich nicht den Furor Poeticus, sondern den Furor Psychiatricus. Diese Allgemeinplätze sind der Stoff, aus dem die Diskriminierung psychisch Kranker gemacht ist.
Wichtig erscheint mir auch: Schreibblockade ist nicht Schreibblockade, da kann schlechte Organisation genauso dahinter stecken wie eine psychiatrische oder neurologische Erkrankung. Insofern dünkt es mich für ein Blog im akademischen Umfeld auch ein bisschen mager, wenn die AutorInnen dazu aufrufen, →Meinungen zur Schreibblockade per Email einzusenden, die besten Meinungen würden veröffentlicht. Ich gestehe: Wissen würde ich lieber lesen als Meinungen, deren es im Internet wahrlich bereits genug gibt. Wir kennen das doch: Schreibblockaden wurzeln laut Internet entweder in überhöhten Ansprüchen oder mangelnder Organisation und dagegen helfen entweder Techniken wie Mindmapping oder den Schreibtisch aufzuräumen oder Karteikästchen zu füllen. Da gibt es dann schnell einmal →1-2-3-Tipps, oder →Schreibhemmung Adé-Tipps von „Kriminalromanautoren“, so einfach ist das. Wie hat Frau Worz da nur eine ganze →Diplomarbeit von 208 Seiten draus gemacht?
Das ist mein Beitrag zur Diskussion, zu der das scholarZblog aufruft, wenngleich ich mich nicht per Email-und-Zusammenfassung beteiligen will. Erstens beantworte ich nicht direkt die oben zitierte Frage, zweitens mag ich nicht zusammengefasst werden. Auf die in Aussicht gestellte Zusammenfassung warte ich dennoch gespannt.


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