Maren und Anna (wo ist Stephani geblieben?) vom Bibliomanie-Blog haben den 2 Teil ihrer →“Cover-Unfälle“ ins Netz gestellt. Dieses Mal geht es um gesichtslose Figuren, Frauenhände und schwere Stoffe auf historischen Romanen. Wenn man die Cover ansieht, möchte man meinen, dass alle aus einer Reihe eines Verlags stammen und da fange ich mich an zu wundern. Wollen sich die Verlage nicht voneinander abgrenzen? Ist es ihnen völlig gleich, ob ich zu Goldmann oder Heyne greife? Es scheint fast so.
Ich möchte noch ergänzen, dass ein historischer Roman anscheinend einen Titel hat, der auf -in endet: „Die Goldhändlerin“, „die Kastellanin“, „die Löwin….“ Ich fordere hier wirklich eine akzeptable Männerquote!

Hi!
Danke für die Verlinkung und „Berichterstattung“, aber im Grunde genommen wird das Blog inzwischen von mir alleine betrieben wg. persönlicher Differenzen bzw. Desinteresse :)
Ich dachte beim flüchtigen Durchsehen übrigens auch erst, das wären alles Bücher von einem einzigen Verlag. Zumal auch die Typo meist ähnlich dem Wanderhurencover ist… Leider nicht, und das hat mich vllt sogar am meisten erschreckt!
Übrigens gibts auch Cover mit Männerhänden, wenn auch deutlich in der Minderzahl.
PS: Ganz vergessen. Zu den Titeln historischer Romane, die auch DRINGEND eine Männerquote bräuchten, gabs bei uns auch mal was ;)
Vielleicht sollen die „schweren Stoffe“ auf den Covern schon von vornherein signalisieren, dass es sich um schwere Stoffe handelt.
Eure Liste ist imposant. Ich hoffe, dass die Männerquote bei Krimis noch passt, denn ich schreibe über Vogelfänger und „die Vogelfängerin“ wäre ein absolut unrealistischer Titel. Sowas gibts nicht, das würde sofort in das Reich der Sagen und Mythen wandern.
Nicht einmal denken darfst du an eine Vogelfängerin. Ungeheuerlich! Wo kämen wir da hin? Der Vogelfang ist eines der letzten echten Männerreviere, jetzt, wo in Goisern Künstlerinnen am Marktplatz schon zur Ketttensäge!!!! greifen um aus einem Baumstamm eine Statue herauszuholen. Wo soll das hinführen. Soll gar eine Frau auch Formel 1 fahren? Oder einen 8000er besteigen? Oder meisterhaft kochen?
Was bitte meint ihr mit Männerquote in Krimis? Mehr männliche Opfer? Sind es noch nicht genug? Und der Täter ist auch meist ein Mann (Gärtner).
@ Franz: es geht um historische Romane, und da dominieren die Weibsen eindeutig. Es wimmelt nur so von Pilgerinnen, Chronistinnen, Hebaminnen, Hurinnen etc.
@ Margit: Wäre denkbar :D Das Schlimme ist aber, die schweren Stoffe zwischen den Buchseiten sind in Wirklichkeit meistens ausgesprochen leichte und profane Stoffe. Was übrigens auch nicht unbedingt für die enstrpechender Leserschaft spricht, ebenso wie die Vorliebe für ewig gleichbleibende Cover.
Ich weiss nicht recht…
Mein erstes Buch hatte einen historische erste Hälfte. Ich erfuhr einhellige Zustimmung meiner Testleser, als ich es in einer schlichten, aber geschmackvollen Zeremonie in den Shredder steckte. Es blieb aber ein Hauch des Zweifels, ob die echt gefühlte Begeisterung nur dem Thema zuzuschreiben war.
Also unternahm ich einen zweiten Versuch, diesmal bei einem Könner, Eric Ambler, um die notwendige Begeisterung zu entwickeln. Ambler hat historische Passagen in einem seiner Thriller. Auch dieser Versuch musste ergebnislos abgebrochen werden.
Vielleicht ist der historische Roman wirklich ein Frauenthema.
@Franz: Ich sehe da einen Trend in der Krimibranche:
“die Kommissarin”
“die vergessliche Mörderin”
“die süße, sanfte Mörderin”
“die schöne Mörderin”
“die Sex-Anwältin”
“die Anwältin”
“Tod einer Anwältin”
“Tod einer Ärztin”
“Tod einer Polizistin”
“die Polizistin”
“Die Polizistin von Fort Bronx”
“die sinnliche Polizstin”
“die Detektivin”
“Hexe Lilli wird Detektivin”
“Einsatz für Detektiven Paula”
“Tod einer roten Heldin”
Das sind alles echte Buchtitel.
Ein Buch heißt: “der Mann der Polizistin”, da wäre dann die Männerquote gewahrt.
@ Reinhard: Ich weiß es nicht, ich lese diese historischen Schmöker fast gar nicht. Ich glaube nämlich, so etwas zu schreiben, braucht WIRKLICH viel Fachwissen. Die meisten sind doch aus unserer Lebenswelt heraus erzählt, werfen also den Blickwinkel unserer Zeit auf die Vergangenheit. Das interessiert mich echt nicht.
Dass es „chauvinistische Manipulationen“ in der Krimiszene gibt, habe ich übrigens übersehen. →Das hier habe ich selbstredend nicht gelesen.
* zieht die Scheuklappen an
Hinsichtlich der Kreativität bedarf krimi.krimis Liste einer Ergänzung, betreffend Magdalen Nabb. Die hat in ihrer Todesliste (Tod im Palazzo, Tod im Frühling…) auch eine geografische Unterabteilung,
Tod eine Engländers
Tod eines Holländers…
und so weiter. Der Erfolg gibt ihr recht.
Ich hatte, anschliessend an eine Serie von Spots im ORF, auch so eine Idee,
Gefühllos – und trotzdem
Brieflos – und trotzdem
Schaffnerlos – und trotzdem
Nix is draus worden, ein österreichisches Schicksal.
Männerabteilung:
Der Alchimist
Winnetou 1-3
Der Medicus 1-2
Old Shurehand 1-3
Leonardo da Vinci
Michelangelo
Der Schut
Die vierzig Tage des Musa Dagh
Baudolino
Fürst der Armen
Telegonos
Der König von Korfu
Der Mahdi
Simplicius Simplicissimus
Zugegeben, viel mehr fallen mir im Moment nicht ein.
„Die Päpstin“ zählt nur halb dazu, offensichtlich ein Irrläufer der Geschichte.
Da hast du aber was vergessen: Jerry Cotton 1 – 10.000. Lass dir das von einem bekennenden sowie praktizierenden Jerry Cotton Fan sagen.
Gibts eigentlich Jerry-Cotton-Wimpel fürs Auto?
„Die Polizistin von Fort Bronx“ ist aber Jerry Cotton.
Auf den Mann ist kein Verlass
Jerry Cotton (auf Deutsch Jeremias Baumwolle) ist reine Männerlektüre. Oder weißt du, welches Auto er fuhr, wie sein engster, engster Kollege und sein Chef hießen? Und wer ihn im Film darstellte? An Jerry kommt nur noch Kommissar X heran und vielleicht Lemmy Caution.
JC-Wimpel für Autos gibt es meines Wissens nach nicht, sind aber eine gute Idee.
Wirklich? Da hört sich alles auf. Ich muss zugeben, ich hab schon eine Weile keinen mehr gelesen. Nix is fix.
Danke, Franz. Das war vermutlich nur eine weibliche Finte.
Ich weiß gar nicht, ob es K X noch gibt. Bin in meiner Freizeit auf LASSITER umgeschwenkt, den Westernhelden, der mit 6 Kugeln in der Brust noch potent ist: „Als die junge vollbrüstige Ärztin sich über ihn beugte und mit einem kühnen Schnitt seine Rippen freilegte, biss Lassiter die Zähne vor Schmerz zusammen und dennoch konnte er ein Regen in seiner Hose nicht vermeiden. Er war schon zu lange in den Bergen allein hinter der Bande hergewesen und dies war die erste Frau seit Wochen, die er nahe an sich spürte. Als sie dann die sechste Kugel aus seiner Lunge entfernte, war der Schmerz beinahe unerträglich. Nur der Anblick ihrer Brüste hielten ihn bei Bewusstsein. „Nur nicht das Bewusstsein verlieren“, schoss es ihm durch den Kopf, „die Bande kann jeden Augenblick hereinstürmen und versuchen, die Ärztin zu vergewaltigen, während ich hier mit geöffnetem Brustkorb tatenlos zusehen muss“. Mit einer Hand gelang es ihm den Hahn des linken Colts zu spannen, um im Falle eines Falles doch noch einen Schuss aus der Hüfte abgeben zu können. Und mit einer übermenschlichen Kraftanstrengung hob er seinen Kopf, blickte an den Brüsten vorbei und flüsterte ihr ins Ohr:“Sobald du meinen Brustkorb zugenähnt hast, zeige ich dir etwas Feines von mir. Du wirst meinen Dank nie vergessen.“ Und mit einem Stöhnen fiel sein Kopf zurück auf den alten, veerschwitzten Sattel, der ihm als Kopfstütze diente. „Jetzt wird es ein wenig weh tun, mein Held“ , sagte die junge Ärztin, „aber es wird gleich vorbei sein. Nur noch ein paar Stiche mit den Hufnägeln, welche die zwei Fleischlappen zusammenhalten werden, bis die Wunde verheilt ist, und du wirst dich wieder besser fühlen. Soll ich dir eines der Mädchen aufs Zimmer schicken?“ Lassiter verneinte. Obwohl sein Verlangen stark war, sagte ihm doch der Verstand, dass sein Körper nach dieser Operation der Ruhe bedurfte. Je schneller die Wunde zusammenwuchs, desto schneller konnte er die Red-Mountain-Bande verfolgen. Er musste auch hart bleiben und sich davon nicht von der begehrenswerten jungen Ärztin, deren Haar nach Rosmarin duftete, abhalten lassen. Zuerst kam die Pflicht.
Verdammt coole Geschichte, und sie zeigt, wie wir Männer sind: ehrlich, gediegen und echt.
Aber
Mit roter Birne hängen
umrahmt mit wilden Haaren
ihre prallen Brüste, die ich seh,
ihr dunklen Nippel,
und trunken von Küssen
tunk ich das Haupt
in’s g, äh, heilig-nüchterne Wasser.
Weh mir! Wo nehm ich, wenn
es Western ist, den Rosmarin, und wo
das Feuchtgebiet
und Matten auf der der Erde?
Im Schauern steht er
sprachlos und hart, im Winde
klirren die Fahnen.
Ab jetzt nur noch Bibelzitate o.ä., sonst werden wir rausgeworfen. Wir sprechen doch mit eine Dame!
ja, die Kunst des Zitierens ist eine hohe, aber um dem Rauswurf durch die Hausherrin zu entgehen, hierzu abschliessend Shakespeare:
Das scheu’ste Mädchen ist verschwendrisch noch,
wenn sie dem Monde ihren Reiz enthüllt.
Shakespeare, Hamlet
Die Antwort hat der Schelm in Heinrich den IVrten geschrieben:
Wer kann Geduld beim Äußersten bewahren?
Das war jetzt biblisch genug.
So, das hast du davon. Ich habe meine Bearbeitung von Schillers Glocke bei Franz publiziert. Vielleicht wird er noch mein Verleger, erst lasse ich ihn aber schmoren.
Da musst Du ihm aber arg schön tun. Er hat schon einmal einen Regiokrimi von mir für eine Anthologie abgelehnt, weil er ihm zu ordinär gewesen ist. Dabei schreibe üch sücher nichts Ordniäres, ich habe einen Ruf zu verlüren. Ich meine, ich muss meinen PatientInnen auch noch in die Augen schauen können, wenn sie einen Text von mir derwischen. Es war nur ein bisschen „Regio“, das war alles. Wenns ums verlegen geht, wird der Franz ganz verlegen.
Uijegerl, dich möcht ich einmal hören, wenn du ordinär bist. Hast du dich gehen lassen, gar die linke Augenbraue hochgezogen?
Wie gefallen dir eigentlich meine Bearbeitungen der Klassiker? Vielleicht mache ich einen Seitenast in meinem Werk, als kleiner Köhlmeier sozusagen.
guten morgen margit
Guten Morgen!
Reinhard, wenn Du mich schon fragst (ausführlicher per Mail).
Die Texte (einschließlich denen, die jetzt beim Franz drüben stehen) gefallen mir dort, wo ein Augenzwinkern dabei ist, das Spiel mit der literarischen Form im Vordergrund steht. Dann stoß ich mich sicher nicht an den Vokabeln.
Bisweilen kommt es mir aber so vor, als gäbe es ein „deftig um der Deftigkeit willen“, dieses und jenes Wort muss jetzt auch noch untergebracht werden und dann wirds fad. Ein Männerstammtisch ist dieses Blog hier auch nicht.
Was mir an Charlotte Roche gefällt, das ist, dass sie ihr Buch, das wohl an sogenannten deftigen Wörtern nicht unvoll ist, augenzwinkernd in die Dikussion einbringt und augenzwinkernd darüber spricht und augenzwinkernd die sogenannten schlimmen Worte in den Mund nimmt, so als würde Frau Lehrerin Annemarie Keinpopo augenzwinkernd im Gesangsverein von einem gelben Fleck im Schnee sprechen, den sie heute gesehen hat, wobei ihr Herz ganz heftig pocht und sie leicht errötet.
Komisch, bei den Feuchtgebieten ist mir auf Seite 2 schon fad.