Archiv für 20. Mai 2008

Eine Empfehlung und meine Empfehlung

Die Alligatoren haben mir noch eine Filmbesprechung apportiert: →Lemeus.com empfiehlt „Darum“, einen Film von Harald Sicheritz nach einem Roman von Daniel Glattauer.

Ich empfehle mich und zwar für ungefähr zwei Tage aus dem Blog. Ich schaue mir das Bloggen bekanntlich ab und tu es den Großen gleich: Ich mache Betriebsausflug. Das gibt mir die einmalige Chance, nicht über das morgige Blätterrauschen nach Mankells Chinesenlesung zu berichten, aber die vielen bloggenden Mankell-Fans machen das sicher akribisch und gern. Berichten möchte ich noch, dass laut →Kurier der Chinese erst am Samstag erscheint, die Tyrolia-Buchhandlung ist aber schon voll von den Büchern. Ist das jetzt eine Erscheinung?

Die Bücher haben mich praktisch durch die Glasfront erschreckt, als ich nach Feierabend ganz harmlos vorbei spazierte. Und das trotz dem* Riesenfußball, der die Szene dort dominiert. Ich meine, ich spaziere und wähne mich bis Samstag sicher, der Kurier sagt es doch, und da springen mir plötzlich -zig blutige Hemden ins Gesichtsfeld. Also, seid wachsam, nehmt Euch in acht, Mankell lauert überall.

* Da Georg nicht da ist, kann ich mir wieder einmal den Luxus leisten, diesen schwierigen Genetiv nicht zu verwenden.

Warum Ärzte gute Krimiautoren sind

In Wirklichkeit ist das hier ein reines Bildungsblog, es steht nur „krimi.krimi“ drauf, um die Leute zu täuschen und zum Lesen zu bewegen. „Motivieren“ könnte man auch sagen. Aber in der letzten Zeit habe ich genug motiviert und heute widmen wir uns einem Fachartikel aus „Psychiatric News“, einer Publikation der ehrenwerten „American Psychiatric Association“.

Charles Atkins, M.D. ist Facharzt für Psychiatrie und Thrillerautor. Für „Psychiatric News“ hat er einen Artikel mit dem Titel „The Novel Side of Psychiatry“ verfasst. Zunächst geht er auf die Reaktionen der Patienten und Patientinnen ein, wenn sie erfahren, dass ihr Psychiater Thriller schreibt: „They get a funny look.“ Jetzt weiß ich nicht, wie ich das übersetzen soll, kann mir da jemand helfen? Sehen die PatientInnen dann seltsam aus oder kriegen sie nur ein „seltsames Gschau“, wie man hierzulande sagt? Wie muss ich mir das vorstellen?

Gut, obwohl es die PatientInnen zu ganz komischen Wesen verwandelt, kann er es nicht lassen, das Schreiben. Er fühlt sich in einer langen Tradition schreibender Ärzte: Somerset Maugham, Arthur Conan Doyle, Robin Cook, F. Paul Wilson und Michael Crichton.

Atkins findet, dass es im Publikationsbusiness ein bisschen hilfreich sei, wenn man Arzt ist: Ärzte seien es gewohnt, hart zu arbeiten, denn sonst hätten sie es nie durch die Examina und die postpromotionelle Ausbildung geschafft und er zieht folgenden Vergleich zwischen seiner Arbeit als Autor und als Arzt:

It’s not uncommon for me to get a manuscript to proof and have about a week to make it through 400 pages. Hey, piece of cake—Remember being an intern and having to work up a patient at 3 a.m., research their condition, pull an article, and be prepared to present with all the lab work by 7 that morning?

Das werde ich mir merken: Um drei Uhr Nachts einen Patienten zu sehen und bis um sieben Uhr in der Früh mit ihm beschäftigt zu sein, um ihn dann in der Frühbesprechung komplett mit Labor und Pipapo zu präsentieren, qualifiziert ungemein dafür, 400 Seiten Manuskript in einer Woche durchzuackern.

Nachzulesen ist das alles →hier.

SeeschreiberIn – St. Wolfgang

Ausgerechnet dort, wo mein Regiokrimi spielt, nämlich im Salzkammergut wird ein Seeschreiber/eine Seeschreiberin gesucht! Für die Monate September, Oktober, November 2008. Geboten wird eine freie Unterkunft, sowie eine Zuwendung von 777 Euro pro Monat. Was soll ich nur machen, die holen sich die Konkurrenz ins Land! Vielleicht hilft es, wenn ich sage, dass es am See im November gar grauslig kalt und neblig ist. Gerade richtig für düstere Gedichte. Das beste für Lyrik. Also, alle LyrikerInnen des Landes, bewerbt Euch! Vielleicht wäre es auch etwas für thewritingfranz, der könnte doch ein paar Kilometer umziehn, er schreibt über →Griechenland und keine Regiokrimis. Allerdings erwarten die Leute dort, dass die Region „literarisch widergespiegelt“ wird. Da kann der Fanz doch einfach für ein paar Monate „der See“ statt „die See“ schreiben, das fällt sicher nicht auf.

Gefunden bei →uschtrin.de.

Alligatoren finden die streng geheime Definition des Genres

Man möchte es kaum glauben, es gibt auch Agenten, die nicht James Bond heißen. Einer davon ist George Smiley aus John le Carrés Thriller „Agent in eigener Sache“. „Wps“ stellt das Buch auf seinem Blog →“Eselsohren“ vor und macht nebenbei „wtd“ und „dpr“ in punkto Abkürzungen Konkurrenz.

Allen hier mitlesenden Literatur- und sonstigen WissenschaftlerInnen sei die „Standard“-Rezension von Henning Mankells →“der Chinese“ ans Herz gelegt. Weder Wallander komme vor, noch seine Tochter Linda, macht sich Rezensent Sebastian Fasthuber Sorgen um die Fans, doch, so führt er aus:

Der Chinese ist – Aufatmen – immerhin zur Hälfte ein Krimi.

Das sei den Damen und Herren LiteraturwissenschaftlerInnen, die nie so genau wissen, was denn nun genau ein Krimi ist, ins Stammbuch geschrieben: Hierzulande weiß man sogar, was zur Hälfte ein Krimi ist.


 

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