Vor kurzem hat Prof. Stephan Döring vom Universitätsklinikum Münster an unserer Klinik einen Vortrag zum Thema „Psychische Störung und Spielfilm“ gehalten. Wir haben uns sehr gefreut, ihn zu sehen, hat er doch viele Jahre hier gearbeitet.
Im Gepäck hatte er das neue Buch, das er zusammen mit Frau Prof. Heidi Möller von der Universität Kassel herausgegeben hat: →„Frankenstein und Belle de Jour – 30 Filmcharaktere und ihre psychischen Störungen“, erschienen beim Springer Verlag, Heidelberg.
Die Idee zum Buch stamme eigentlich aus dem Studentenunterricht, führte Prof. Döring aus, denn es sei ziemlich schwierig, eine Persönlichkeitsstörung theoretisch zu erklären. Man muss das einmal gesehen haben und während man echte Patienten und Patientinnen schlecht den Studierenden vorführen kann, kann man an Filmcharakteren nach Lust und Laune herumdiagnostizieren, ohne ihre Privatsphäre zu verletzen.
Entstanden ist ein Buch, in dem Filmcharaktere in 30 Kapiteln, geordnet nach dem psychiatrischen Diagnosemanual ICD-10, von Fachleuten analysiert und diagnostiziert werden. Das reicht von „Iris“ zum Kapitel „Alzheimer-Demenz“, besprochen von Axel Karemberg und Hans Förstl bis zu „Rainman“ zum Thema „Autismus“ (besprochen von Kornelia Steinhart), die Herausgeber selber haben Beiträge zur Paranoiden Persönlichkeitsstörung („Die Caine war ihr Schicksal”, Stephan Döring) und zur narzisstischen Persönlichkeitsstörung („Capote“, Heidi Möller) beigesteuert.
Für Krimileserinnen interessant sind sicherlich die Analysen des Dr. Lecter in „Das Schweigen der Lämmer“ (Udo Rauchfleisch) oder des Early Grace in „Kalifornia“ (Thomas Ross). Brisant ist dieser Tage M – eine Stadt sucht einen Mörder zum Thema Pädophilie (besprochen von Friedemann Pfäfflin).
Extra für dpr habe ich „Ich bin die Andere“ zum Thema „Multiple Persönlichkeitsstörung“ (besprochen von Christiane Eichenberg, Monika Becker-Fischer, Gottfried Fischer und Bernhard Wutka) herausgesucht und für Bernd „Requiem für einen Traum“ für die Amphetamin-induzierte Psychose (Alfred Springer). Mein persönlicher Favorit ist kein Krimi, sondern „Das weiße Rauschen“ (Paranoide Schizophrenie, Jutta Menschik-Bendele).
Das Buch ist teils sehr flüssig, teils etwas zäher zu lesen – wer liest denn gerne Diagnosemanuale -, nur ist das der Sinn der Sache. Für Leute, die diese Dinge lernen müssen, ist das Buch auf alle Fälle amüsanter als Diagnosemanuale ohne Filmbesprechungen und das sind die meisten, eigentlich fast alle. Wer das Buch aus persönlichem Interesse liest, findet hier jedenfalls leicht verständliches, fundiertes psychiatrisches Wissen. Und wer mehr an der Filmseite interessiert ist als an der Psychiatrieseite, kann die gemeinen, gefinkelten diagnostischen Kriterien auch großzügig überlesen anstatt sie gleich auswenig zu lernen wie die Mediziner.
Seinen wirklichen Reiz entfaltet das Buch natürlich, wenn man auch die Filme sieht und das ist auch meine Empfehlung: Nicht das Buch in einem Satz durch lesen, sondern Filme schauen und es als Begleitlektüre verwenden.
Frankenstein und Belle de Jour – 30 Filmcharaktere und ihre psychischen Störungen
Hrsg.: S. Döring und H. Möller
Springer Verlag Heidelberg, 2008
398 Seiten, 64 Abb. In Farbe
ISBN: 978-3-540-76879-1

da muß ich ja einen Rezensenten/eine Rezensentin suchen … (ich kann mich an die Filmseminare erinnern, die Pfäfflin und Lamott in Ulm abgehalten haben (z. B. “M” und “Henry: Portrait of a Serial Killer”) sowie an eine (nicht nur) Serienkiller-Tagung, bei der ich mit den Vorlesungssequenzen aus dem “Testament des Dr. Mabuse” gearbeitet habe: ich weiß allerdings nicht mehr, wie das damals ankam). Jedenfalls herzlichen Dank für den Hinweis!
JL wird noch ein Fan der Emoticons -:)
na ja: die könnte man ausschalten in WordPress (über Einstellungen — Schreiben).
Das Problem mit dem Abschalten ist nur, dass ich diese Smilies mag. Wiewohl ich die Nachteile sehe. Aber ich mag sie einfach.
Und Tarzan, was ist mit Tarzan? Hat man keine Störungen, wenn man unter Affen aufwächst? Nero (in “Quo Vadis” und hervorragend gespielt von Peter Ustinoff) war auch ein Fall für Euch. Jesus, oft verfilmt, glaubte Sohn Gottes zu sein (die Bibel NT). Jack Nicholson spielte einen durchgeknallten Rechtsanwalt in “Easy Rider” und einen herrlichen zwangsneurotischen Schriftsteller in “As good as it gets”.
Belle de jour mit der schönen Caterine Deneuve, das war ungefähr der erste Sexfilm, den ich sah. Wir waren alle enttäuscht, kein nackter Busen im ganzen Film. Marlon Brando spielte einen verrückten Oberst in “Apocalypse now” und einen sexsüchtigen Amerikaner in Rom im Film “der Letzte Tango in Paris” mit sexy Helen Schneider. Kann aber auch sein, dass er normal war.
Das “Freundespaar” Winnetou und Old Shatterhand gehört wohl auch einmal auf die Couch? “Ich habe Dich lieb, mein Bruder.” “Ich habe Dich auch lieb, Winnetou, und freue mich auf ein Wiedersehen, wie sich das Präriegras am Morgen auf den Tau freut.” Warum gaben die zwei nie ihrer Neigung nach und legten sich ins Präriegras?